
Caroline Harant legt als DJ gem.ini in Berliner Technoclubs wie dem Sisyphos auf. Die in Frankreich geborene und in Berlin aufgewachsene Vinyl-Spezialistin studierte Musik, Cello und International Business.
2014 zog sie nach Berlin, 2022 startete sie mit einem Debüt-Set im Sisyphos ihre Karriere. Neben dem Auflegen arbeitet sie tagsüber in einem Plattenladen und unterrichtet DJ-Kurse.
Im Interview mit dem Spiegel spricht sie offen über Alkohol und Drogen, die für sie lange Teil des Szenealltags waren. Auf die Frage, ob es schwer gewesen sei, sich davon zu verabschieden, sagt sie:
„Ich würde nicht sagen, dass in der Techno-Szene alle konsumieren. Aber es stimmt, dass viele es tun und man sich daran gewöhnt. Irgendwann merkt man nicht mehr, dass das eigentlich nicht normal ist.“
Mit 19 zog sie aus einem Vorort von Paris nach Berlin und begann, Techno zu hören. „Techno und Drogen sind schon immer Hand in Hand gegangen, glaube ich“, sagt sie. Für viele sei das ein Freiheitsversprechen gewesen, „raus aus dem Alltag, ein bisschen gegen das System rebellieren, sich selbst finden.“
Auch beim Auflegen konsumierte sie. „Viel zu lange habe ich gebraucht, um zu checken, dass Auflegen auch Arbeit ist“, sagt sie. Alkohol habe geholfen, Stress zu dämpfen, auf Psychedelika habe sie gedacht, ihr Set sei stärker.
„Das ist alles Bullshit.“ Übergänge misslangen, sie verlor den Überblick. Den Wendepunkt erlebte sie beim CSD in Berlin. Nach Alkohol vor ihrem Set wurde sie gebeten, den Auftritt abzubrechen.
„Das war wahnsinnig peinlich und tat richtig weh.“ Am nächsten Tag begann sie eine Suchttherapie. „Seit dem Tag habe ich keinen Schluck Alkohol mehr getrunken.“ Heute legt sie nüchtern auf und fühlt sich klarer.
„Ich bin viel klarer, weiß besser, was ich will, und verstehe auch besser, was das Publikum gerade braucht.“ Auch nüchtern feiern sei möglich. „Man sollte hingehen, um Spaß zu haben, nicht um sich komplett kaputtzumachen.“
Auch die 27-jährige Berliner DJane Charleen Herzig setzt sich in der Öffentlichkeit für „Sober Raves“ ein, klärt auf Social Media über Risiken auf und wirbt für drogen- und alkoholfreies Feiern (FAZEmag berichtete).
Quelle: Spiegel
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