Beyerdynamic DT 770 PRO X
– Studioklassiker aufgefrischt

 

Der DT 770 PRO ist seit 1985 fester Bestandteil unzähliger Studios rund um den Globus. Zum 100-jährigen Firmenjubiläum hat ihm beyerdynamic mit dem DT 770 PRO X ein frisches Update spendiert. Anfänglich nur als limitierte Jubiläumsedition herausgebracht, ist er jetzt in unbegrenzter Auflage erhältlich. Der Neue sieht auf den ersten Blick vertraut aus, bringt aber einige sinnvolle Neuerungen mit, die ihn nicht nur im Studio, sondern auch unterwegs flexibler machen.

Deutsche Traditionsmarke unter neuer Führung

Im Juni dieses Jahres wurde beyerdynamic vom chinesischen Unternehmen Cosonic Intelligent Technologies übernommen. Der Eigentümerwechsel soll jedoch keine Auswirkungen auf das „Handmade in Germany“ haben; sowohl die Entwicklungsabteilung als auch Produktion bleiben am Standort Heilbronn erhalten. Der DT 770 PRO X ist somit eines der ersten Produkte, das unter der neuen Eigentümerschaft dauerhaft ins Portfolio aufgenommen wurde. Der Hörer ist, wie gewohnt, solide verschraubt und auf Langlebigkeit ausgelegt. Kopfband, Polster und sogar einzelne Bauteile lassen sich zudem austauschen, was auch dem modernen Nachhaltigkeitsgedanken entspricht.

Technik-Upgrade mit neuem Treiber

Der DT 770 ist weiterhin in geschlossener Over-Ear-Bauweise konstruiert, um Außengeräusche effektiv abzuschirmen und ein Übersprechen zu vermeiden. Das Herzstück des Upgrades ist der STELLAR.45-Treiber, der nun einen erweiterten Frequenzgang von 5 bis 40 kHz bietet. Da sich die Musikproduktion längst auch auf Laptops und mobile Endgeräte ausgeweitet hat, verfügt er nun zudem über eine verringerte Impedanz von 48 Ohm, weshalb er sich ohne Vorverstärker direkt an den Kleingeräten nutzen lässt. Klanglich liefert der Treiber kräftige, kontrollierte Bässe, klare Mitten und fein aufgelöste Höhen. Insgesamt klingt der PRO X somit moderner und detailreicher als der Vorgänger, mit einer Spur mehr Bassdruck und brillanteren Höhen — ideal für präzises Monitoring.

Mehr Komfort und Flexibilität

Ein Fortschritt ist das abnehmbare Mini-XLR-Kabel. Beim alten DT 770 PRO war es fest verbaut, was natürlich beim Transport und einem erforderlichen Wechsel ungünstig war. Jetzt lässt es sich einfach abstecken und bei Bedarf ersetzen. Das beiliegende Kabel ist drei Meter lang, schließt an seinen Enden mit einem Mini-XLR- sowie Miniklinke-Stecker ab, verriegelt sicher und wirkt robust. Als Zubehör ist neben einer Kordelzugtasche ein Klinkenadapter 3,5 mm auf 6,35 mm im Lieferumfang enthalten.

Praxiseindruck

Zwar hat sich das Gesamtgewicht im Vergleich zum Vorgänger um rund 35 Gramm auf 305 Gramm erhöht. Gleichzeitig wurde allerdings auch der Tragekomfort optimiert: Eine so bezeichnete „Fontanellen-Aussparung“ im Kopfband reduziert Druckspitzen, die Velours-Ohrpolster schmiegen sich weich an, und der leichte, federnde Bügel sorgt für sicheren Halt, ohne zu sehr zu klemmen. Lange Studiosessions sind damit spürbar angenehmer. Klanglich deckt der PRO X Details im Mix schonungslos auf, hilft beim Einschätzen von Stereobreite und Tiefenstaffelung und bleibt dabei musikalisch genug für entspanntes Musikhören. Der Bassbereich ist dabei auffällig straff, Kickdrums sitzen präzise, die Mitten sind dafür etwas zurückhaltender als beim Vorgänger, und die Höhen klar und präsent. Das ergibt eine leichte V-Charakteristik, die für elektronische Musik, aber auch Pop und Hip-Hop bestens funktioniert.

Preisleistungsverhältnis weiter 1A

Mit 199 Euro ist der DT 770 PRO X angesichts seiner Verarbeitung, Anschlussvielfalt und exzellenten Soundqualität fair bepreist. Es gibt deutlich teurere Konkurrenzmodelle, die keinen wesentlichen Mehrwert bringen. Ob einem der Klangeindruck behagt, ist, wie bei Monitorboxen, immer eine Frage des individuellen Gehörs bzw. Geschmacks. Gerade für Heim- und Projektstudiobesitzer, die kein unbegrenztes Budget zur Verfügung haben, aber dennoch einen professionellen Begleiter für alle Produktionslebenslagen suchen, gehört die Gen X des Klassikers weiterhin zur ersten Wahl.

 

Text: Matthias Tienel
Aus dem FAZEmag 163/09.2025
www.beyerdynamic.com

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