ello_logoIn den letzten Tagen mehrten sich die Berichte über ein neues Soziales Netzwerk namens Ello. Mit schlichtem Design und dem Versprechen, seine User nicht als Rohdaten für den Verkauf an Unternehmen anzusehen, erzeugt Ello gerade einen kleinen Hype. Und das obwohl das Netzwerk noch nicht öffentlich ist und nur mit einer Einladung genutzt werden kann.


Um seinen Usern mitzuteilen, wie sich Ello von anderen Sozialen Netzwerken, vor allem Facebook, unterscheidet, gibt es sogar ein kleines Manifest, das mit der scharfen Formulierung „Your social network is owned by advertisers“ beginnt. „Jeder Post den du teilst, jede Freundschaft, die du schließt, und jeder Link dem du folgst wird verfolgt, aufgezeichnet und in Daten konvertiert. Werbeunternehmen kaufen deine Daten, damit sie dir mehr Werbung zeigen können. Du bist ein Produkt, das gekauft und verkauft wird“, steht im Manifest.

Ello will hier ansetzen und einen Unterschied machen. Keine Werbung, kein Data Crawling durch quantifizierte Userinteraktionen. Stattdessen bietet sich das neue Netzwerk als Partner für seine User an. „You are not a product“ versprichen die Macher. Hinter dem Netzwerk stecken ursprünglich sieben Künstler und Programmierer, auf der Seite selbst werden Paul Budnitz, Berger & Föhr sowie das Kollektiv Mode Set genannt.

Es stellt sich natürlich die Frage, ob das so überhaupt funktionieren kann. In diversen Artikeln auf vielen verschiedenen Seiten liest man entweder von starker Begeisterung oder schon fast pessimistischer Skepsis über das Projekt. Und in einem Punkt haben die Skeptiker recht: ein Netzwerk kostet Geld. Es müssen Server angeschafft und betrieben werden, Programmierer für das Schreiben von neuen Features und Ausmerzen von Bugs bezahlt werden. Dies ist mit einem kostenlosen Netzwerk ohne Werbung eine schwierige Aufgabe.

Die Lösung von Ello sind sogenannte Micropayments für Features. Es wird bald Funktionen geben, die man sich individuell zu seinem Profil hinzufügen kann, wenn man mag. Diese werden dann einen einmaligen Betrag kosten. Die Fragen, was für Features dies sind und wie hoch die Preise sind, bleiben im Moment noch offen. Zumal die Funktionen derzeit noch überschaubar sind und viele essentielle Dinge für ein Soziales Netzwerk noch fehlen. Auf der To-do-Liste stehen im Moment noch die Möglichkeit User zu blockieren, eine Soundcloudintegration, ein Notification Center, Apps für iOS und Android sowie zahlreiche weitere Features, die bei anderen Netzwerken selbstverständlich sind.

Schlussendlich steht Ello noch so weit am Anfang, dass es sehr schwierig ist, zu sagen, ob das Netzwerk Bestand haben wird oder nicht. Google ist mit seinem Versuch effektiv gescheitert. Kleinere, speziellere Communitys hingegen funktionieren wunderbar. Das Ello die Reichweite von Facebook erreichen wird, scheint im Moment unwahrscheinlich. Aber als Alternative zu dem Netzwerk, was mehr und mehr von unseren Eltern bevölkert wird, dank gesponsorten Beiträgen und „Ich konnte es nicht glauben! Das hat sie wirklich getan.“-Posts die interessanten Sachen ausblendet, könnte es sich lohnen. Und im Zweifelsfall, kann man immer noch den Account komplett löschen, ohne Datenreste auf den Ello-Servern. So versprechen es zumindest die Entwickler.