
Das traditionsreiche Psytrance- und Goa-Festival „Hai in den Mai“ im bekannten Festivalgelände Waldfrieden in Stemwede steht wenige Wochen vor Beginn unter Druck. Hintergrund ist eine kurzfristig geforderte Artenschutzprüfung durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Minden-Lübbecke. Die Veranstalter warnen, dass das Event 2026 gefährdet sein könnte, obwohl bereits tausende Tickets verkauft wurden.
Nach Angaben der Betreiber wurde die zusätzliche Prüfung rund zwei Monate vor Festivalstart verlangt – ein ungewöhnlich später Zeitpunkt für ein Verfahren, das üblicherweise mehrere Monate in Anspruch nimmt. In einer Petition heißt es, die Behörde habe „plötzlich eine vollständige Artenschutzprüfung gefordert“, nachdem das Festival in den vergangenen Jahren regulär genehmigt worden sei. Auch 2025 habe es laut Veranstalter „keinerlei Probleme mit der Genehmigung“ gegeben.
Der Waldfrieden reagierte nach eigenen Angaben unmittelbar und ließ auf eigene Kosten ein Gutachten erstellen. Dieses komme zu dem Schluss, dass der Festivalbetrieb grundsätzlich mit dem Schutz der vorkommenden Arten vereinbar sei. „Der Festivalbetrieb ist mit dem Schutz der vorkommenden Arten vereinbar. Alle empfohlenen Schutzmaßnahmen wollen wir umsetzen“, heißt es in der Petition.
Gleichzeitig betonen die Initiatoren, dass Naturschutz ein zentrales Anliegen sei. Das Gelände setze seit Jahren auf ökologische Maßnahmen, darunter Strom aus erneuerbaren Energien, Recyclingkonzepte und vegetarische Verpflegung. Dennoch kritisieren sie die derzeitige Situation als wirtschaftlich riskant: Sollte das Festival ausfallen, drohten erhebliche finanzielle Folgen für Veranstalter und regionale Dienstleister. In der Petition wird gewarnt, dass ein Ausfall „die Insolvenz“ nach sich ziehen und den Standort langfristig gefährden könne.
Der Konflikt zeigt die komplexe Abwägung zwischen kulturellen Veranstaltungen und Artenschutzinteressen. Während Behörden verpflichtet sind, empfindliche Ökosysteme zu schützen, sehen Veranstalter und Besucher die kurzfristige Unsicherheit kurz vor Festivalbeginn als problematisch – insbesondere, wenn Planung, Verträge und Ticketverkäufe bereits weit fortgeschritten sind.
Das Festivalgelände Waldfrieden existiert seit 1997 und zählt zu den ältesten kontinuierlich betriebenen Open-Air-Locations für elektronische Musik in Europa. Jährlich besuchen mehrere tausend Menschen die Veranstaltungen im Waldgebiet bei Stemwede.
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