FAZEmag-Jahrespoll 2018: Club

FAZEmag-Jahrespoll 2018: Club


2018 war für viele Clubs kein einfaches Jahr und auch das neue Jahr startet in dieser Hinsicht nicht gut, muss das Studio in Essen doch bald schließen und steht das MMA in München vor dem Aus. An der Spitze des Polls finden wir eine neue Nummer 1, die dort schonmal 2013 zu finden war. Ein Laden, der Ende der 90er Jahre eröffnete und unzählige Top-DJ in seinem Programm hatte. Ein Laden, den es jetzt leider auch nicht mehr gibt, der sich Weihnachten mit einem rauschenden Fest verabschiedet hat.

01 Butan Club (Wuppertal)
02 Weidendamm (Hannover)
03 Berghain (Berlin)
04 Kesselhaus (Augsburg)
05 Bootshaus (Köln)
06 Lehmann (Stuttgart)
07 Gewölbe (Köln)
08 Docks (HH)
09 Hï Ibiza (Ibiza)
10 Rakete (Nürnberg)

11 Uebel & Gefährlich (Hamburg)
12 Sisyphos (Berlin)
13 Nordstern (Basel)
14 Grelle Forelle (Wien)
15 Tanzhaus West (Frankfurt a. M.)
16 Robert Johnson (Offenbach)
17 Loft (Ludwigshafen)
18 Watergate (Berlin)

 

Interview Mit TOBIAS WICHT, Inhaber des ehemaligen Clubs Butan:

Das Kapitel Butan Club auf der Bleiche in Wuppertal ist abgeschlossen. Eine rauschende Party am 25.12. hat das Ende nach 21 Jahren besiegelt. Mit dem Inhaber Tobias Wicht schauen wir zurück und werfen einen Blick in die Zukunft.

Wie hast du die vergangenen Monate erlebt? Welche Erwartungen an die letzten Wochenenden in deinem Wohnzimmer haben sich erfüllt? Was war enttäuschend und wie war die letzte Party für dich?

Die letzten Monate waren recht vielseitig. Zum einen sehr erfolgreich, da viele Freunde des Clubs uns noch einmal besuchen wollten, zum anderen war es eine recht emotionale Reise, die ihren Höhepunkt beim Closing hatte. Zwischenzeitlich war es aber auch ein wenig nervig, gerade nach der 2000. identischen Frage: „Was machst du jetzt?“ Einen gut laufenden Club zu schließen, birgt auch eine Menge Zusatzbelastung. Es war aber total schön, zu sehen, wie viele Gäste, Mitarbeiter und auch Künstler man anscheinend bewegt hat – da sieht man, dass man offensichtlich nicht alles falsch gemacht hat auf dieser langen Reise an diesem Ort. Das Closing war sehr besonders. Ich habe mich total über Felix, Sven und Chris gefreut, die es sich nicht nehmen ließen, ein tolles Abschlussset zu spielen, und darüber, dass Michi Weiker, Sven Schäfer, Christian Vorbau und weitere befreundete Leute aus dem Nightlife es sich nicht nehmen ließen, persönlich anzureisen, um sich zu verabschieden – das war toll. Sehr emotional für mich. Beim letzten Track habe ich schon geheult wie ein Schlosshund.

Ist die Zeit der „Jedes Wochenende geöffnet“-Clubs vorbei?

Abseits der drei, vier Riesenstädte Berlin, Köln, Hamburg oder München wird es immer schwieriger, einen Club Woche für Woche zu öffnen. Ich wollte den Betrieb ja mit einer Sommerpause etc. auch ein wenig verändern – das ging in meinem Fall allerdings nicht, da mein damaliger Vermieter und ich seit Jahren kein gutes Verhältnis hatten. Ich denke, es kommt auf viele Faktoren an, jedoch ist die Luft für einen nicht quersubventionierten Club schon recht dünn. Das Niveau im Sommer zu halten, ist in unserer Region unmöglich, und ein Drittel des Jahres zuzulassen, kann ein Weg sein – doch auch hier stellt sich die Frage, ob sich das rechnet. Ich glaube, ein 52-Wochen-Betrieb auf gutem Clubniveau ist in unserer Region nicht mehr umsetzbar.

Wie verbringst du die nun wahrscheinlich umfangreichere Freizeit?

Viel Sport und Zeit für meine Familie, jedoch wird es sicher in der Zukunft eine höhere Schlagzahl an Butan-Events geben in NRW. Langweilig wird es nicht.

Du wirst weiter Veranstaltungen durchführen, das hattest du ja bereits gesagt. Worauf können wir uns freuen?

Wir waren ja schon Silvester in Bochum, das was eine tolle Veranstaltung. Im April sind wir gleich zweimal in Düsseldorf – zum einen mit Boris Brejcha im Stahlwerk und den Tanz in den Mai feiern wir im ehemaligen Tor 3. Zuvor sind wir mit dem Abrisskommando auf der Flucht und gerade jetzt besprechen wir die erste Butan-Nacht in Wuppertal. Es bleibt spannend! Und da wir mehr Zeit für die einzelnen Abende haben, sollten diese auch so ausgerichtet werden, dass sie zu Recht diesen Namen tragen.

butan 2

Wenn du heute noch mal einen Club eröffnen würdest, was würdest du anders machen und wieso?

Zum einen würde ich weniger Kompromisse eingehen. Dass ich den Pachtvertrag mit einem Vermieter mehrfach verlängert habe, der mir noch nie etwas Gutes wollte, war im Nachhinein falsch. Ich hätte mir vor 20 Jahren eine andere Lagerhalle suchen und die ebenfalls in Eigenregie umbauen sollen – dann hätte ich das Problem nie bekommen, immer schwierigere Pachtverträge diskutieren zu müssen. Dann wäre die Open-Air-Beschallung im Biergarten eine Sache, auf die ich heute extrem achten würde.

Welche Tipps kannst du jungen, engagierten Club-Besitzern geben oder denjenigen, die planen, einen Club zu eröffnen?

Langfristige Verträge machen – egal, ob mit Künstlern oder mit den jeweiligen Vermietern.

Wird es noch mal einen festen Butan Club an anderer Stelle geben?

Sag niemals nie. Natürlich reizt es mich – zum anderen muss man sich auch als Person weiterentwickeln. Ich denke, einen normalen Club werde ich nicht mehr aufmachen, aber eine clubähnliche Event-Location oder einen Beachclub oder so etwas in der Art, das könnte schon passieren. Wir werden sehen.

Was sagst du dazu, dass die Teilnehmer unseres Jahrespolls für den Butan Club gestimmt haben?

Nach der Schließung noch solch eine Auszeichnung zu erhalten, ist eine große Ehre und zeigt, welchen Stellenwert der Club für viele Menschen hat beziehungsweise hatte. Ich nehme das als Aufgabenstellung mit auf den Weg, die vielen Wähler nicht zu enttäuschen und tolle Events für euch auf den Weg zu bringen.

 

Noch mehr Poll:
FAZEmag Jahrespoll 2017: Club 

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Foto Butan: Flo Creates