
Als Teil des legendären Duos M.A.N.D.Y. prägte Philipp Jung zusammen mit Patrick Bodmer die House-Szene der 00er-Jahre. Neben seinen Arbeiten als Produzent beim Label Eye of the Storm und für die Popband SNAP! co-gründete er 2002 zudem das erfolgreiche Berliner Imprint Get Physical, auf dem er nun am 27. März eine neue Remix-Compilation veröffentlicht. Vorher betritt er aber unsere Zeitmaschine und erzählt uns von seinem Leben in den 80ern.
Mein Lieblingsjahrzehnt:
Die 80er – weil alles neu und aufregend war. Die Teenagerjahre sind die besten: der erste Crush, die ersten echten Musikerfahrungen, der erste Kuss, der erste Ärger mit den Behörden. Und rückblickend wirkt ohnehin alles herrlich romantisch. Ich liebte den Stil dieser Zeit – jede*r drückte sich farbenfroh und individuell aus. Und bis heute bin ich überzeugt, dass in diesem fabelhaften Jahrzehnt außergewöhnlich viel großartige Musik entstanden ist.

Dein Lieblingssong:
„Seedy Films“ von Soft Cell. Das komplette Album „Non-Stop Erotic Cabaret“ war über viele Jahre mein Soundtrack. Jeder Track erzählt eine eigene, verrückte Geschichte – und die Texte funktionieren auch 40 Jahre später noch.
Der schlimmste Song:
„Hello“ von Lionel Richie und „Money for Nothing“ von Dire Straits. Ich bekomme buchstäblich Ausschlag, wenn ich diese Songs höre.
Dein Lieblingsfilm:
Ich kann mich nicht entscheiden zwischen „Blue Velvet“ und „Fitzcarraldo“ von Werner Herzog.
Das Label, das dieses Jahrzehnt für dich definiert hat:
Factory Records aus Manchester – mit Acts wie Joy Division, Happy Mondays, OMD, New Order und ihrem weltberühmten Club. Und natürlich Mute mit Fad Gadget, Depeche Mode, Nitzer Ebb, Einstürzende Neubauten, DAF, Erasure und vielen mehr. Daniel Miller war der King.
An einem Samstagabend hast du vermutlich …?
Viel gekifft und mit meinen Leuten alle möglichen Arten von Musik gehört. Oder ich bin professionell Ski gefahren beziehungsweise habe Tennis gespielt. Außerdem haben wir kleine Partys in verlassenen Häusern organisiert – und davon geträumt, die Welt hinter uns zu lassen und Rockstar zu werden.

Eine Erinnerung, bei der es dich heute noch cringt?
Betrunken am Steuer erwischt zu werden – und meinem Vater erklären zu müssen, dass sein Auto beschlagnahmt wurde.
Eine Erinnerung, die dir immer noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert?
Die erste Begegnung mit meinem späteren M.A.N.D.Y.-Partner auf dem Tennisplatz – und zu sehen, wie er die Bälle mit gefühlt 150 Meilen pro Stunde übers Netz jagte. Ich dachte nur: Der Typ ist verrückt genug, um mein Freund zu sein. Also wurden wir Tennispartner. Zur Feier unserer Freundschaft nahmen wir Musikkassetten füreinander auf – von Janis Joplin bis hin zu avanciertem Jazz. Rückblickend war das ziemlich anspruchsvoll.
Ein Mythos oder ein Gerücht, an den/das du damals geglaubt hast:
Dass Freddie Mercury nicht schwul sei.
Dafür hast du das meiste Geld ausgegeben:
Für 5-Inch-Records und komplette Plattensammlungen meiner Cousins.

Ein Gegenstand, den du heute vermisst:
So viele Dinge: meine neonfarbenen Skianzüge, meinen ersten Walkman, mein erstes Motorrad, meine Plattensammlung (die bei einer Überschwemmung zerstört wurde).
Dein Guilty Pleasure:
„I Like Chopin“ von Gazebo. Wahrscheinlich der kitschigste Song überhaupt – aber ich hatte meinen ersten Kuss dazu.
Das war früher besser:
Man musste niemanden anrufen, um sich zu verabreden. Man ging einfach vorbei, hing zusammen ab und hörte Musik. Und man konnte sich danebenbenehmen – ohne dass es Beweise gab.
Und das war schlechter:
Die Frisuren.
Am 27. März erschien Philipp Jungs neue Remix-Compilation „Rewind Forward“ auf Get Physical.
Aus dem FAZEmag 169/03.2026
www.instagram.com/live.forever.jung