Anlässlich der bevorstehenden MAYDAY haben wir ein Special unseres „Four To The Floor“-Formats für euch vorbereitet. Im Fokus: vier MAYDAY-Acts, darunter A.N.I., SHDW, Hysta und UMEK.

A.N.I.
Was bedeutet dir die MAYDAY-Geschichte? Warst du bereits selbst Teil von ihr?
MAYDAY ist für mich mehr als nur ein Festival. Es ist eine Institution, die seit 1991 für Community, Haltung und elektronische Musik steht und die deutsche Technokultur maßgeblich geprägt hat. Letztes Jahr durfte ich dort mein Debüt spielen – ein unglaublicher Moment. Es war mein bisher größter Gig und definitiv ein Meilenstein, den ich nie vergessen werde.
Welche sind für dich als DJ die essenziellen Unterschiede zwischen Clubgigs und Festivals?
Ein Clubgig ist intim. Man spürt jede Bewegung im Raum und kann direkt reagieren – es ist fast wie ein Dialog mit der Crowd. Auf einer großen Bühne braucht es eine klarere Struktur, stärkere Kontraste und kraftvollere Tracks. Man spielt für tausende Menschen, nicht nur für die erste Reihe. Das verlangt eine andere Dramaturgie.
Anders als bei Clubnächten spielen Licht, Sound und Visuelles eine noch größere Rolle. Hat das einen Effekt auf dich als Artist?
Ja, definitiv. Das Zusammenspiel von Musik, Licht und Visuals ist intensiver. Drops, Breaks oder Melodien bekommen eine eigene Dimension. Man performt als Teil eines Gesamterlebnisses. Diese visuelle Kraft gibt mir zusätzliche Energie und beeinflusst meine Dynamik im Set.
Gibt es etwas, auf das du dich bei der diesjährigen MAYDAY besonders freust?
Auf die Mischung im Publikum. Menschen, die schon in den 90ern geravet haben, treffen auf eine junge Generation. Unterschiedliche Erfahrungen, gleiche Leidenschaft – das erzeugt eine besondere Energie.
Hast du Rituale oder Gewohnheiten, bevor du die Stage betrittst?
Tatsächlich nicht wirklich. Ich versuche, mich kurz zu sammeln und innerlich zu fokussieren. Ich gehe im Kopf meinen Start durch, schaue mir die Crowd an und lasse Raum für Spontaneität.
Deine Secret Weapon für den MAYDAY-Dancefloor?
Weniger ein einzelner Track, sondern die Verbindung verschiedener Generationen – von 90s-Rave, Acid und Trance bis zu modernem Peaktime- und Hard-Techno. Genau diese Vielfalt möchte ich in meinem Set widerspiegeln. Ich werde versuchen, verschiedene Genres und Einflüsse so miteinander zu verbinden, dass sich unterschiedliche Generationen auf dem Dancefloor wiederfinden und gleichzeitig etwas Neues entsteht.
instagram.com/a.n.i._official_

UMEK
Was bedeutet dir die MAYDAY-Geschichte? Warst du bereits selbst Teil von ihr?
MAYDAY bedeutet mir sehr viel. Ich habe 1993 angefangen zu raven – das Event war damals ein Pflichttermin in Dortmund. Wir sind jedes Jahr hingefahren. Ich erinnere mich noch genau, wie ich in der Menge stand und Legenden wie Carl Cox und Members of MAYDAY gehört habe, völlig eingetaucht in diese rohe Hardcore-Energie. Diese Trips mit Freunden haben mich geprägt. Damals habe ich sogar gesagt: „Eines Tages spiele ich auf dieser Mainstage.“ Die Leute haben gelacht – aber acht oder neun Jahre später ist es tatsächlich passiert. Das war ein echter Full-Circle-Moment. MAYDAY wurde Teil meines Weges vom Raver zum Artist.
Welche sind für dich als DJ die essenziellen Unterschiede zwischen Clubgigs und Festivals?
Ich unterscheide nicht zwischen Club- und Festival-Sets in meiner Herangehensweise. Clubs sind intimer und direkter, Festivals größer und explosiver – aber mein Mindset bleibt gleich. Ich bereite keinen Plan B oder C vor. Ich gehe mit einer klaren Vision hinein: meinem Sound. Wenn man sich einen Ausweg vorbereitet, wird man ihn auch nutzen. Die Leute kommen, um meine Identität zu hören – nicht eine flexible Version davon.
Anders als bei Clubnächten spielen Licht, Sound und Visuelles eine noch größere Rolle. Hat das einen Effekt auf dich als Artist?
Licht und Visuals sind heute auf einem ganz anderen Level als in den 90ern. Damals fühlte es sich schon magisch an, aber technisch ist es heute ein anderes Universum. Wenn ich spiele, bin ich jedoch komplett auf die Musik fokussiert. Die Produktion verstärkt das Erlebnis für das Publikum, auch wenn sie meine Performance nicht verändert.
Gibt es etwas, worauf du dich bei der diesjährigen MAYDAY besonders freust?
MAYDAY hat für mich immer noch ein besonderes emotionales Gewicht. Eines meiner Sets dort gehört bis heute zu den meistgehörten meiner Karriere.
Hast du Rituale oder Gewohnheiten, bevor du die Stage betrittst?
Das mag ein wenig seltsam klingen, aber ich gehe meistens vorher schlafen. Bevor ich auf die Bühne gehe, mache ich immer einen ordentlichen Disco-Nap – ausruhen, resetten, fokussieren.
Deine Secret Weapon für den MAYDAY-Dancefloor?
Ich habe ein paar exklusive Bootlegs, die nur ich besitze. Die werde ich auf jeden Fall spielen. Es werden einige Tracks dabei sein, die die Leute zwar wiedererkennen, allerdings nicht in ihrer gewohnten Form; Tracks für besondere Momente wie auf der MAYDAY. Auf solchen Events will man der Crowd etwas Einzigartiges bieten.

SHDW
Was bedeutet dir die MAYDAY-Geschichte? Warst du bereits selbst Teil von ihr?
Die MAYDAY nimmt für mich einen besonderen Platz in der Geschichte der elektronischen Musik ein. Sie gehört zu den traditionsreichsten Festivals in Deutschland und steht für Aufbruch, Gemeinschaft und Vision – Werte, die mich an der Szene immer fasziniert haben. Das UMEK-Recording von 2002 zählt bis heute zu meinen meistgehörten Sets und hat meine Begeisterung nachhaltig geprägt. 2017 habe ich in Polen auf der MAYDAY gespielt – mein Debüt in Deutschland fühlt sich nun wie ein besonderer Moment und eine große Ehre an.
Welche sind für dich als DJ die essenziellen Unterschiede zwischen Clubgigs und Festivals?
Der größte Unterschied liegt in der Intimität. Im Club entsteht ein direkter Austausch, man kann tiefer gehen. Festivals haben eine enorme kollektive Energie – viele Menschen, ein gemeinsamer Moment. Beides fordert etwas anderes, kann aber gleichermaßen intensiv sein.
Anders als bei Clubnächten spielen Licht, Sound und Visuelles eine noch größere Rolle. Hat das einen Effekt auf dich als Artist?
Licht, Sound und Visuelles sind für mich immer wichtig. Sie prägen das Erlebnis stark. Das Setting beeinflusst meine Wahrnehmung und wie ich ein Set aufbaue. Bei größeren Produktionen denke ich bewusster in Spannungsbögen und Kontrasten, weil die visuelle Ebene die Musik verstärkt.
Gibt es etwas, worauf du dich bei der diesjährigen MAYDAY besonders freust?
Ich freue mich sehr auf mein erstes MAYDAY-Set in Deutschland und darauf, Teil dieses traditionsreichen Festivals zu sein. Den Moment mit einem langjährigen Freund wie Regal zu teilen, macht es noch besonderer.
Hast du Rituale oder Gewohnheiten, bevor du die Stage betrittst?
Ich verschaffe mir vor dem Set ein Bild vom Raum oder von der Tanzfläche. Den Vibe und die Energie wahrzunehmen, beeinflusst meine Trackauswahl, da sich jedes Setting anders anfühlt.
Deine Secret Weapon für den MAYDAY-Dancefloor?
Keine einzelne Secret Weapon, sondern eher mehrere – unter anderem kommende EPs auf meinem Label Mutual Rytm, die auf dem MAYDAY-Dancefloor gut funktionieren werden.

Hysta
Was bedeutet dir die MAYDAY-Geschichte? Warst du bereits selbst Teil von ihr?
Ich habe MAYDAY durch Dr. Macabre kennengelernt, der mir Geschichten aus den 90ern erzählte, als er dort unter seinem Alias Lunatic Asylum spielte – damals noch in Berlin. Dadurch wirkte das Festival fast mythisch auf mich. Ich bin in einem kleinen Dorf in Frankreich aufgewachsen und auf illegalen Raves unterwegs gewesen, ohne zu wissen, wie groß die Szene darüber hinaus war. Die Line-ups der 90er passen perfekt zu meiner Liebe für Oldschool- und Underground-Sounds – nur war ich damals noch nicht geboren. Mehrmals durfte ich bereits in den Westfalenhallen bei Syndicate spielen, die Energie dort ist einzigartig. 2026 erstmals Teil der MAYDAY zu sein, ist für mich eine große Ehre.
Welche sind für dich als DJ die essenziellen Unterschiede zwischen Clubgigs und Festivals?
Die Atmosphäre ist grundlegend anders. Clubs sind dunkler, intimer und erlauben tiefere musikalische Reisen. Man kann hypnotisieren und mehr experimentieren. Festivals sind größer und explosiver, die Set-Zeiten kürzer. Man muss schneller Aufmerksamkeit erzeugen und direkt wirken. Im Club baut man lange Spannungsbögen auf, beim Festival geht es stärker um unmittelbare Energie.
Anders als bei Clubnächten spielen Licht, Sound und Visuelles eine noch größere Rolle. Hat das einen Effekt auf dich als Artist?
Ja. Auf großen Bühnen spiele ich gerne einprägsame Melodien und baue emotionale Höhepunkte auf, die im großen Raum räsonieren. Bevor ich Vollzeit-DJ wurde, arbeitete ich als Grafikdesignerin, daher ist mir die visuelle Dimension wichtig. Ich arbeite eng mit Visual-Artists zusammen, damit Musik und LED-Elemente als Einheit funktionieren. Bei Major-Events zählt das Gesamterlebnis.
Gibt es etwas, worauf du dich bei der diesjährigen MAYDAY besonders freust?
Ich freue mich darauf, die legendäre Atmosphäre erstmals selbst von der Bühne aus zu erleben und zu sehen, wie das Publikum auf meinen Sound reagiert. Außerdem möchte ich andere Stages und Styles entdecken. In Deutschland zu spielen, liebe ich – das Publikum ist extrem reaktionsfreudig.
Hast du Rituale oder Gewohnheiten, bevor du die Stage betrittst?
Ich komme meist so früh wie möglich, um die Energie im Raum zu spüren und die Stimmung zu lesen. Ich passe mein Set immer an den Vibe und den vorherigen DJ an.
Deine Secret Weapon für den MAYDAY-Dancefloor?
Ich würde nicht sagen, dass ich eine Secret Weapon habe. Ich bleibe meiner Identität treu, zwischen Melodie und Power. Dazu eigene Tracks, ausgewählte Musik, unveröffentlichte Stücke, exklusive Kollaborationen und spezielle Live-Edits für besondere Momente.
Aus dem FAZEmag 169/03.2026