Eine neue Edition von „Four To The Floor“ beschert uns wieder vier spannende Acts im kurz-knackigen Porträt. Diesmal mit introspektivem Hardware-Sound von Ada Kaleh, sexy Disco-Grooves von Alma Hosch, atmosphärischem Minimal House von Dawn Gab und texturreichem Hypnotic Techno von Paula Koski.

Ada Kaleh
Dein Sound „in a nutshell“?
Introspektiv – eher eine Klanglandschaft, ein Gewebe aus Texturen, als etwas rein Funktionales.
Was inspiriert dich aktuell außerhalb der Musik?
In den vergangenen Jahren habe ich in Bukarest eine multidisziplinäre Kunstplattform namens Supersanity aufgebaut. Sie entstand aus einer Nahtoderfahrung vor vier Jahren und wurde zu einer unerschöpflichen Inspirationsquelle. Jedes Konzept, das ich heute entwickle, wurzelt in dieser Erfahrung.
Hat sich dein Ansatz beim Musikmachen über die Jahre verändert?
Mein Ansatz und meine künstlerische Grundidee haben sich kaum verändert, auch wenn ich verschiedene Phasen durchlaufen und Genres erkundet habe. Bestimmte ästhetische Entscheidungen, Stimmungen und Skalen tauchen immer wieder auf – unabhängig davon, welche Musik ich gerade mache.
Was war der beste Rat, den dir ein anderer Artist gegeben hat?
Direkte Ratschläge von Künstlern, zu denen ich aufschaue, habe ich nie bekommen. Über die Jahre habe ich mir das, was ich brauchte, aus ihren Konzepten und Entwicklungen herausgezogen – etwa von Terry Riley, Fela Kuti, Alejandro Jodorowsky, Jeff Mills, Alexander McQueen oder Oscar Niemeyer.
Welche Platte verlässt niemals deine Tasche?
Ich war nie der Typ, der eine bestimmte Platte überallhin mitnimmt. Ich versuche, mich mit jedem Auftritt neu zu erfinden – oder zumindest unveröffentlichtes Material mitzubringen.
Ohne welches Equipment könntest du nicht leben?
Auf der Hardware-Seite würde ich den Alesis Andromeda A6 nennen. Aktuell beschäftige ich mich aber sehr intensiv mit Spektralsynthese, und mein liebstes Tool ist ein Plugin namens Vital.
Welcher deiner Tracks verdient mehr Aufmerksamkeit?
„Nodus tollens“ – das gesamte Album.
Was ist auf Tour immer in deiner Bag?
Ich toure aktuell fast gar nicht. Meine ganze Zeit und Energie fließen in den Aufbau von Supersanity. Aber ich habe immer Kopfhörer dabei – und etwas Zucker. Lange Geschichte.
Ein paar Worte zu deinem aktuellen oder kommenden Release?
Ich habe ein neues Album namens „Sanctum entanglement“, an dem ich vier Jahre gearbeitet habe. Es ist eine akustische Übersetzung meiner Nahtoderfahrung – sofern sich so etwas überhaupt übersetzen lässt. Dazu gäbe es viel zu sagen – vielleicht ein anderes Mal.
instagram.com/adakaleh.supersanity

Alma Hosch
Dein Sound „in a nutshell“?
House-Groove-Sex, ein bisschen Tech, ein bisschen Disco – energetisch-warm und raumeinnehmend. „You wanna get naked! You wanna kiss each other! It‘s getting’ hot in here!”
Was inspiriert dich aktuell außerhalb der Musik?
Menschen, Architektur, meine Kinder, die Natur – Dinge, die mit echten Gefühlen und wahrer Schönheit (damit meine ich nicht das Äußere) zu tun haben. Gemeinsames „Erleben“ mit Menschen, sich fallen lassen – all das inspiriert mich und damit auch den Ausdruck, den ich mit meiner Musik auf dem Dancefloor widerspiegeln will.
Hat sich dein Ansatz beim Musikmachen über die Jahre verändert?
Ja! So vieles hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre beim Thema „Musikmachen“ verändert – schon alleine Vinyl vs. 3000er-Player.
Was war der beste Rat, den dir ein anderer Artist gegeben hat?
Denke nicht darüber nach, was die Crowd auf dem Floor hören möchte, sondern spiele das, von dem sie vorher nicht wussten, dass sie es hören wollen.
Welche Platte verlässt niemals deine Tasche?
Da kam vor Kurzem eine VÖ von Carloh & Reboot auf Cécille Numbers mit dem Namen „Another Night“ – diese wird niemals mehr in meiner DJ-Tasche fehlen!
Ohne welches Equipment könntest du nicht leben?
Mein iPhone – sad, but that’s the game.
Welcher deiner Tracks verdient mehr Aufmerksamkeit?
Alle! Unter meinem neuen Namen „Alma Hosch“ gibt es bisher erst ein Release auf Klaphouse Records. More is coming soon!
Was ist auf Tour immer in deiner Bag?
Macbook, Deo, Nussmix, Puder, Haargummi, Coke Zero.
Ein paar Worte zu deinem aktuellen oder kommenden Release?
Mein kommendes Release (26. August) ist die erste EP unter meinem Namen Alma Hosch („Sunstream“-EP) auf Juliet Sikora’s neuem Label No Exit. Ich bin sehr happy darüber, weil Female-Power in dieser Szene wichtig ist. Juliet ist seit Jahren ein wichtiger und prägender Bestandteil davon.
instagram.com/alma_dj_official

Dawn Gab
Dein Sound „in a nutshell“?
Atmosphärischer Minimal House, reich an Synths, Texturen und Sounddesign.
Was inspiriert dich aktuell außerhalb der Musik?
Menschen, Natur, Unternehmergeist und Städtetrips. Berge inspirieren mich sehr – „Space Souvenir“ habe ich mit Bergpanorama geschrieben. Die Begegnungen mit DJs und Produzent beim Sónar Festival haben mir zuletzt ebenfalls einen Schub gegeben. Außerdem liebe ich es, Städte und Plattenläden im Ausland zu erkunden und lokale Musik mit nach Hause zu bringen. Das öffnet die kreativen Chakren.
Hat sich dein Ansatz beim Musikmachen über die Jahre verändert?
Sehr. Früher habe ich zu viel nachgedacht und hatte Schwierigkeiten, Tracks fertigzustellen. Heute lasse ich mich eher treiben: Der Prozess ist kürzer und intuitiver geworden.
Was war der beste Rat, den dir ein anderer Artist gegeben hat?
Sei du selbst und akzeptiere deine Unvollkommenheit. Ich spiele ausschließlich Vinyl, und genau dieser Kontrollverlust ist Teil der Schönheit.
Welche Platte verlässt niemals deine Tasche?
„In The House“ von DJ Pope aus dem Jahre 1998. Die Platte bringt immer wieder Energie zurück. Für dunklere Grooves habe ich außerdem immer etwas von Mountain People dabei.
Ohne welches Equipment könntest du nicht leben?
Mein Ableton Push. Er fühlt sich an wie eine Verlängerung meines Arms: intuitiv und großartig für Live-Sets oder Produktionen.
Welcher deiner Tracks verdient mehr Aufmerksamkeit?
„Cosmic Ride“ auf Mixcult Records. Der Track ist cluborientiert, atmosphärisch und erzählt eine kosmische Geschichte.
Was ist auf Tour immer in deiner Bag?
Platten, eine kleine Kamera, mein Recorder und gute Energie. Ein Lächeln ist immer noch der beste Weg, um eine Verbindung herzustellen.
Ein paar Worte zu deinem aktuellen oder kommenden Release?
„Call of the Wind“ ist im Mai auf Mixcult erschienen und verbindet Synths, tribale Vocals und dubbigen House. Außerdem bin ich stolz auf die „No Frontier“-EP mit Pedro Barros, die weltweit Support bekommen hat. Im Moment produziere ich weniger, weil ich DWICE aufbaue, einen europäischen Vinyl-Marktplatz. Schaut gern mal rein – Feedback ist willkommen!

Paula Koski
Dein Sound „in a nutshell“?
Deeper, hypnotischer und treibender Techno, der von Texturen und Spannung lebt.
Was inspiriert dich aktuell außerhalb der Musik?
Lange, weite Reisen. Durch das Touren komme ich an Orte, die ich sonst vielleicht nie besucht hätte. Ich bleibe gern etwas länger, um sie zu erkunden. Andere Umgebungen, neue Menschen und gemeinsame Erfahrungen können eine große Inspirationsquelle sein.
Hat sich dein Ansatz beim Musikmachen über die Jahre verändert?
Früher habe ich mich viel stärker auf einzelne Tracks konzentriert. Heute denke ich mehr über Storytelling, Texturen und darüber nach, wie sich ein Track auf dem Dancefloor anfühlt.
Was war der beste Rat, den dir ein anderer Artist gegeben hat?
Samuli Kemppi hat einmal zu mir gesagt: „Wir sind nicht wichtig, der Dancefloor ist es.“ Das ist mir bis heute im Kopf geblieben. Ich brauche kein Spotlight, ich möchte einfach Momente schaffen, in denen sich Menschen in der Musik verlieren können.
Welche Platte verlässt niemals deine Tasche?
Cari Lekebusch & Orion – Futhorc [H-Productions]
Ohne welches Equipment könntest du nicht leben?
Der Xone:92 von Allen & Heath hat meine Art zu mixen stark geprägt. Gleichzeitig würde ich gern den Pioneer V10 noch intensiver erkunden, besonders seinen Hall und die integrierten Effekte.
Welcher deiner Tracks verdient mehr Aufmerksamkeit?
„Something Else“ auf On Board Music.
Was ist auf Tour immer in deiner Bag?
Ein Kreuzworträtselheft, ein Bleistift mit Radiergummi, eine Schlafmaske und kleine Kopfhörer, damit ich mein Lieblingshörbuch hören und fast überall einschlafen kann.
Ein paar Worte zu deinem aktuellen oder kommenden Release?
Mein jüngstes Release ist „Paired Works“, eine gemeinsame Doppel-EP mit Justine Perry auf Ostgut Ton. Dass meine erste Vinyl-Veröffentlichung auf einem so wichtigen Label erscheint, fühlt sich an wie ein wahr gewordener Traum.
Aus dem FAZEmag 174/08.26