Four To The Floor – mit Amy Dabbs, Circuit V, Sara Miller & Kander

Wir sind zurück mit einer neuen Edition von „Four To The Floor“ und präsentieren wieder vier genreübergreifende Acts für euch im kompakten Porträt-Format. Diesmal mit nostalgischen House- und UK-Garage-Sounds von Amy Dabbs und Sara Miller, Hypnosis und Psychedelik von Circuit V und straffem Techno von Kander.

Amy Dabbs

Was hat deine Liebe zu elektronischer Musik entfacht?
Mit 17 Jahren begann meine Clubbing-Zeit, während der ich erstmals UK-Garage auf Warehouse-Partys rund um London entdeckte. Ich war sofort angefixt und habe meine Eltern so lange genervt, bis ich zum 18. Geburtstag Turntables bekam. Ab da gab es kein Zurück mehr.

Dein Sound „in a Nutshell“?
Energiegeladen und direkt. Uptempo-House und UKG im 90s-Vibe sind meine Go-Tos, dazu kommen je nach Moment Breaks und Jungle.

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Meine Prägung kommt klar aus meinen Londoner Clubjahren: Derrick Carter, Mark Farina, DJ EZ, Theo Parrish, Ben Watt – und Clubs wie The End, Plastic People und Fabric.

Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst?
Mein Juno 106 – er steckt in fast jedem Track. Aktuell ist er allerdings in Reparatur, weshalb mein Korg Minilogue einspringt. Dieser etwas rauere Sound passt perfekt zu meinen aktuellen Garage-Produktionen.

Welchen Anspruch hast du an dich als Teil der Szene?
Authentisch zu bleiben und meine Wurzeln zu vertreten. In Berlin war UKG lange unterrepräsentiert, das hat sich geändert. Außerdem ist mir die Unterstützung von FLINTA*-Artists extrem wichtig – über Bookings, Wissensaustausch und Workshops.

Dein denkwürdigster Moment als Artist?
Mein erstes Closing als Renate-Resident: gebucht für drei Stunden, am Ende standen sieben auf der Uhr. Ein CDJ überhitzte nach fünf Stunden und ich habe die letzte Stunde auf Vinyl gespielt. 7 bis 13 Uhr. Magisch.

Was steht als Nächstes an?
Eine Solo-EP auf Dabbs Traxx, neue Partys in Berlin ab 2026 und ein paar spontane Pop-ups. Mehr dazu im Kürze.

instagram.com/amy_dabbs

Circuit V

Was hat deine Liebe zu elektronischer Musik entfacht?
Als Teenager habe ich Saxofon und Keyboard gespielt, war in Bands und ständig auf Jam-Sessions unterwegs. Als es schwieriger wurde, Mitmusiker zu finden, habe ich mir Ableton beigebracht, um alleine Musik machen zu können. Parallel dazu entdeckte ich Psytrance und begann, auf Partys und Festivals zu gehen. Die Szene hat mich sofort gepackt – mein Sound hat sich von dort aus ganz organisch weiterentwickelt.

Dein Sound „in a Nutshell“?
Atmosphärisch, immersiv, treibend und psychedelisch – eine Verbindung aus Psy- und Goa-Trance, hypnotischem Techno und Ambient.

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Viel Inspiration kommt aus der Natur und aus meinen eigenen Erfahrungen – sowohl hinter den Decks als auch auf dem Dancefloor. Musikalisch höre ich viel Primal Code, Pianeti Sintetici, Nao Nhil und Polygonia. Auch Labels wie Qilla, Hypnus und Qeone haben mich stark geprägt.

Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst?
Obwohl ich Hardware besitze, arbeite ich inzwischen hauptsächlich mit Softsynths. Am meisten nutze ich Vital und Cardinal, die Open-Source-Version von VCV Rack.

Welchen Anspruch hast du an dich als Teil der Szene?
Als Künstler und Kurator von Atmos.lab Records möchte ich neue Perspektiven einbringen, meine Vision teilen und gemeinsam mit Gleichgesinnten bedeutungsvolle Erlebnisse schaffen, die andere inspirieren.

Dein denkwürdigster Moment als Artist?
Definitiv mein Auftritt bei der ersten Ausgabe unseres eigenen Festivals The Gathering – ein sehr besonderer Moment.

Was steht als Nächstes an?
Ich arbeite gerade an den letzten Details meines kommenden Albums „Experimental Spiritual Practices“ und bereite die nächste Label-Compilation „Neblina Vol. 4“ vor.

instagram.com/circuit_five

Sara Miller

Was hat deine Liebe zu elektronischer Musik entfacht?
Elektronische Musik war in den 90ern immer präsent – dank meiner älteren Geschwister mit New Order und The Chemical Brothers. Später kamen Electroclash-Partys und illegale Raves in Dublin dazu. Der eigentliche Wendepunkt kam 2010 in Berlin, als ich im Kreuzberger Club Kleine Reise hinter der Bar arbeitete – dort habe ich auch meine ersten DJ-Sets gespielt und meine Partyreihe Naive Melodies gegründet.

Dein Sound „in a Nutshell“?
Groove-getriebener, perkussiver House mit melodischen, emotionalen und leicht euphorischen Kanten.

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Mich inspirieren eher Bewegungen als einzelne Artists: Post-Punk, Proto- und Early-House, Italo-Disco, Detroit-Techno, Balearic- und italienischer Dream-House der 90er.

Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst?
Ableton und gute Monitore. Ich arbeite bewusst reduziert, mit Tools wie Soundtoys, Korg M1 und Roland Cloud. Für Hardware-Jams nutze ich einen Tascam Model 12 und seit Kurzem einen Roland D-20.

Welchen Anspruch hast du an dich als Teil der Szene?
Den Fokus auf die Musik zu behalten, weiterzulernen, und ich finde es wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen und respektvoll zu sein.

Dein denkwürdigster Moment als Artist?
Während meiner Artist-Residency im HQ von Underground Resistance bei Submerge habe ich zwei Monate in Detroit verbracht. Die Gespräche dort haben mich dazu gebracht, neu zu überdenken, was es heißt, als Künstlerin zu existieren, und Musik über konventionelle Erfolgsvorstellungen zu stellen.

Was steht als Nächstes an?
Ich arbeite derzeit an meiner dritten EP sowie an einem Detroit-Berlin-Projekt mit Shawescape Renegade. Kürzlich habe ich außerdem in der Panorama Bar bei meinem Stamm-Label Permanent Vacation gespielt.

instagram.com/saramillersound

Kander

Was hat deine Liebe zu elektronischer Musik entfacht?
Ich habe schon als Kind Instrumente gespielt. In der Schule – mit etwa zwölf oder dreizehn – hatten wir Rechner mit Logic und Ableton. Die Möglichkeit, Sounds aufzunehmen, zu bearbeiten und komplett zu verändern, hat mich sofort fasziniert. Besonders gereizt hat mich, dass elektronische Musik ein nie endender Lernprozess ist.

Dein Sound „in a Nutshell“?
Heavy, raw und UK-inspiriert.

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Ganz klar R Label Group. Was Kobosil und Somewhen aufgebaut haben, hat mich in meinen frühen Zwanzigern extrem geprägt. Dort zu releasen, war lange mein Ziel. Ich finde es großartig, wie die individuellen Techno-Visionen der Künstler dort zu einem großen Ganzen zusammenwachsen.

Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst?
Meine Vocal-Chain. Weitere Infos bleiben geheim.

Welchen Anspruch hast du an dich als Teil der Szene?
Mich ständig weiterzuentwickeln und meine eigene Vorstellung von Techno zu pushen. Ich will offen bleiben für Einflüsse, um diese Energie wiederum an andere weiterzugeben. Es ist immer ein kollektiver Prozess.

Dein denkwürdigster Moment als Artist?
Zu erfahren, dass es in der Schweiz einen Ort namens Kandersteg gibt – und eine Uhrenmarke namens Kander Watch. Grüße gehen raus, danke für die Uhr!

Was steht als Nächstes an?
2025 war eine Phase der Neuorientierung für mich und 2026 will ich darauf aufbauen: neue Releases, Teletech weiter vorantreiben und mein eigenes Label Born To Fail starten. Ich fühle mich nun endlich bereit dafür, das Projekt zu launchen und kann es kaum erwarten, diese Plattform für großartiges Talent zu fördern.

instagram.com/kander.info

Aus dem FAZEmag 168/02.2026