
Eine neue Edition von „Four To The Floor“ beschert uns wieder vier spannende Acts im kurz-knackigen Porträt. Diesmal mit dunklen, minimalistischen Rhythmen von Rea K, hypnotischem Storytelling von Save Your Atoll, atmosphärischem House und Dub von Soela und grooviger Energie von Redraft Memories.

Rea K
Dein erster Meilenstein als DJ/Producerin:
Nachdem ich meinen heutigen Label-Partner WM 2006 zufällig in einem Zug kennengelernt hatte, begann ich, Musik zu produzieren. Er war beeindruckt von meinen ersten Produktionen und wir begannen unsere gemeinsame Reise, sowohl im Leben als auch in der Musik, indem wir ein Projekt für elektronische Live-Musik mit elektrischer Geige starteten. Wir veröffentlichten unsere Musik damals auf MySpace, was uns erste Auftritte einbrachte. 2010 gründeten wir das Label Black and White Records.
Dein Sound „in a nutshell“? Was macht ihn unique?
Mein Sound ist eine Mischung aus experimentellem Techno mit hypnotischen, dunklen und minimalen Rhythmen unter der Verwendung von Synthesizern und Live-Melodien.
Mein Ziel ist es, die Zuhörer*innen in eine parallele Dimension zu entführen, wo jede Note sie auf eine Klangreise führt, wie ein luzider Traum.
Ein paar Worte zu deinem neuesten Release?
Die jüngsten Releases aus dem neuen „WAVES“-Katalog von Black and White Records haben Support von Top-Techno-DJs in den wichtigsten Clubs und auf Festivals weltweit genossen. Diesen Dezember veröffentlichen wir auf WAVES 06 neue Techno-Rave-Tracks mit RVRSRVR, der für seine Live-Performances mit modularen Synthesizern bekannt ist. Anschließend folgt ein spezielles Projekt mit der Sängerin MIU, die fesselnde Vocals auf Englisch und Japanisch singt. Ich freue mich sehr darauf.
Zuletzt erschien die Single „Frozen ANT“, WAVES 05, auf Black and White Records, am 28. Juni 2024:
Die größten Inspirationen und Einflüsse, die deinen Sound geformt haben?
Seit meiner Kindheit haben mich japanische Anime-Soundtracks, u. a. von Ryuichi Sakamoto, inspiriert. Als Teenager habe ich mich mit Punk und Metal beschäftigt und später mit elektronischer Musik wie Squarepusher und Aphex Twin. Als später noch klassischer Techno von Juan Atkins oder Jeff Mills hinzukam, fusionierten die Einflüsse zu einem Sound voller Kontraste, ätherischer Atmosphären und viszeraler Energie.
Etwas Außergewöhnliches, Lustiges oder Seltsames, das dir bei einem Gig passiert ist?
Ein Betrunkener ist mal über mein Geigenkabel gestolpert und riss es entzwei. Ich nahm das als Zeichen des Schicksals und hörte ab dann auf, bei meinen Gigs Geige zu spielen. Ein schwerer Abschied, der mir jedoch neue kreative Horizonte eröffnete.
Elektronische Musik braucht mehr …?
Authentizität und Mut, um kreative Grenzen zu überschreiten und zeitlose Musik zu schaffen.
Und weniger …?
… kommerzielle Kompromisse. Musik sollte ein freier Raum sein, offen für Experimente und frei von Marktzwängen, um ihre künstlerische Essenz zu bewahren.

www.soundcloud.com/saveyouratollofficial
Save Your Atoll
Dein erster Meilenstein als DJ/Producer:
Als Produzent kann ich erst seit Kurzem sagen, dass ich Meilensteine erreicht habe, von denen ich schon lange geträumt habe, wie zum Beispiel die erste Single auf Vinyl und das erste Album auf Vinyl, das auf dem deutschen Label Further Sessions, das ich mein Zuhause nenne, veröffentlicht wurde. Meine ersten Gigs als DJ hatte ich 2013, als ich von Sardinien nach Rom gezogen bin.
Dein Sound „in a nutshell“? Was macht ihn unique?
Ich versuche immer, eine Geschichte zu erzählen, weshalb die Titel der Tracks sehr wichtig für mich sind. Sie haben stets eine große Bedeutung, damit die Hörer*innen in diese Geschichte eintauchen können.
Ein paar Worte zu deinem neuesten Release?
„Mauritania“ wird diesen Dezember bei Soria Records aus Norwegen erscheinen. Die EP enthält drei sehr tanzbare Originaltitel, einen wunderbaren Remix von Claudio PRC auf Vinyl sowie einen digitalen Bonus. Das Artwork wurde von dem großartigen Künstler Roberto Ciredz gestaltet, auf den ich mich auch bei meinem ersten Album „The Big Breath“ auf Further Sessions verlassen habe. Ich bin sehr zufrieden mit dem Release und möchte dem Soria-Team von Herzen danken.
Die größten Inspirationen und Einflüsse, die deinen Sound geformt haben?
Ich lasse mich oft von Musik inspirieren, die weit von der Musik entfernt ist, die ich selbst produziere. In den letzten Jahren waren definitiv einige Künstler*innen aus der Deep-Hypnotic-Techno-Szene sehr einflussreich für mich, zum Beispiel Claudio PRC, Feral, Rene Wise, Ness oder D-Leria.
Etwas Außergewöhnliches, Lustiges oder Seltsames, das dir bei einem Gig passiert ist?
Ich finde es immer sehr amüsant, wenn sich Leute hinter dir aufhalten, während du spielst, und wenn sie versuchen, ganz normal mit dir zu reden, als würde man gemeinsam an der Theke sitzen.
Elektronische Musik braucht mehr …?
Unterstützung für Künstler*innen durch Institutionen.
Und weniger …?
Spotify oder Ähnliches.

Soela
Dein erster Meilenstein als DJ/Producerin:
Mein erstes Vinyl-Release auf E-Beamz und als DJ vermutlich die Ausrichtung unserer ersten eigenen Party im Jahr 2016. Wir haben zwei Monate lang hart gearbeitet, um die Location für das Event herzurichten: Es war eine verlassene Fabrik und sie war voller Müll und hatte keine Toiletten. Das war eine Erfahrung, die mich Promoter*innen, Clubbesitzer*innen und Staff noch mehr schätzen ließ.
Dein Sound „in a nutshell“? Was macht ihn unique?
Vielfältig, tiefgründig, subtil, eklektisch. Mein Sound ist nicht einzigartig, aber ich liebe die Musik, die ich spiele, und ich bin immer auf der Suche nach Schätzen aus verschiedenen Epochen.
Ein paar Worte zu deinem neuesten Release?
Mein Album „Dark Portrait“ auf dem New Yorker Label Scissor & Thread ist ein sehr ehrliches Werk, das, denke ich, sehr gut zu ihrem Sound passt. Es sind viele Kollabos mit Freund*innen und Künstler*innen dabei, darunter Lawrence, Francis Harris, Module One und Philipp Priebe.
Die größten Inspirationen und Einflüsse, die deinen Sound geformt haben?
Lusine, John Tejada, The Cinematic Orchestra, Leafar Legov, John Roberts, Efdemin. Wenn ich über Labels spreche: Dial, Giegling und die frühen Kompakt-Releases.
Etwas Außergewöhnliches, Lustiges oder Seltsames, das dir bei einem Gig passiert ist?
Jedes Mal, wenn ich morgens spiele, verlassen die Leute plötzlich die Tanzfläche und kommen nach fünf bis zehn Minuten wieder. Als ich das die ersten zwei bis drei Male gesehen habe, habe ich mich aufgeregt und mir die Schuld gegeben, dass ich etwas falsch gemacht habe. Aber dann habe ich herausgefunden, dass das immer passiert, egal, was ich spiele.
Was ich wirklich seltsam finde, ist, dass die Leute es lieben, wenn große Hits oder Klassiker als Abschlusstrack gespielt werden. Bei einem Club- oder Festival-Closing verstehe ich das, aber wenn jemand vor dir auflegt, ist das wirklich komisch. Neulich hat ein Typ „Losing My Religion“ direkt vor mir gespielt. Er sprang herum, hatte Spaß und zwang mich mitzumachen, aber ich dachte nur daran, welchen Track ich danach spielen könnte.
Elektronische Musik braucht mehr …?
Vielseitigkeit und Aufrichtigkeit, und mehr Leute, die bereit sind, für ihren Sound einzustehen.
Und weniger …?
Abhängigkeit von Content und sozialen Medien. Handys auf der Tanzfläche. Neid.

www.soundcloud.com/redraftmemories
Redraft Memories
Dein erster Meilenstein als DJ/Producer:
In meinem zweiten Jahr als Producer unterschrieb ich bei Bush Records, und Carl Cox wählte meinen Song aus, um ihn in seine Compilation „Carl Cox at Space“ aufzunehmen.
Dein Sound „in a nutshell“? Was macht ihn unique?
Mein Sound ist eine Kombination aus House und Techno mit einem Hauch von Trance. Ich würde ihn als energiegeladen und groovig beschreiben.
Ein paar Worte zu deinem neuesten Release?
„Eclipse“ hat eine große Bedeutung für mich. Nach Jahren, in denen Carl Cox meine Musik gespielt hat, bin ich froh, das Release endlich zu veröffentlichen und ein Mitglied der 23-Century-Familie zu werden.
Die größten Inspirationen und Einflüsse, die deinen Sound geformt haben?
Meine Mutter hat viel mexikanische Musik gespielt. Mein Vater, der auf dem College DJ war, hat mich mit Disco-Musik vertraut gemacht, was später zu meiner Liebe zu Depeche Mode, Maurice Picotto und Underworld führte.
Etwas Außergewöhnliches, Lustiges oder Seltsames, das dir bei einem Gig passiert ist?
Nach meinem ersten Outdoor-Gig in Kanada wurde ich am Flughafen für einen Mann gehalten, nach dem gefahndet wurde. Ich war anfangs total panisch, aber nach ein paar Minuten wurde mir bestätigt, dass ich nicht die gesuchte Person war, und ich durfte gehen, Gott sei Dank!
Elektronische Musik braucht mehr …?
Qualitätsmusik und echte Künstler*innen.
Und weniger …?
Soziale Medien und Poser.
Aus dem FAZEmag 154/12.2024
Web: www.soundcloud.com/rea-k, www.soundcloud.com/saveyouratollofficial, www.soundcloud.com/soelaela, www.soundcloud.com/redraftmemories