Er produziert am laufenden Band, hasst Stillstand, lässt sich nicht in musikalische Schubladen stecken, ist seit einem Jahr Papa und seit 20 Jahren DJ. Frank Sonic hat sich in Deutschland, aber auch international einen Namen erspielt und die Technoszene NRWs mit seinem Talent und Sound gestärkt. Der gebürtige Rheinländer hat ein Gespür für episch-melodischen Techno, der tief unter die Haut geht und mit heißen Beats die Dancefloors zum Beben bringt. Im Interview: Frank Sonic, der durch seine erste große Liebe, die elektronische Musik, den Sinn seines Lebens gefunden hat und Mut zur musikalischen Weiterentwicklung beweist.


Frank, wie hat das vergangene Jahr für dich geendet?

Nachdem das Jahr mit der Geburt meines Sohnes Romeo sehr turbulent begonnen hatte, ist es relativ entspannt zu Ende gegangen. Zwischen den Feiertagen habe ich noch meinen Geburtstag im Silq-Club in Düsseldorf gefeiert, in diesem Jahr aber erstmalig im etwas kleineren Rahmen. „Klasse statt Masse!“ war mein Motto.

Und mit welchen Highlights beginnt 2020?

In den letzten Jahren war es gewöhnlich immer relativ ruhig nach Weihnachten und Silvester, aber jetzt sind die Anfangsmonate sehr durchgeplant. Gleich zu Beginn des Jahres wurde mein Remix für Da Freshs neue Single „Mindtrip“ auf Raving Society releast und kürzlich auch mein langersehnter Remix von Billie Eilishs „Everything I Wanted“. Ein wenig stolz bin ich auf meinen Remix von Stil & Benses „Jaywalking“, der im Februar auf ICONYC herauskommen wird.

Elektronische Musik ist schon lange nicht mehr nur ein Hobby für dich, sondern Beruf sowie Lebensinhalt, und das mittlerweile seit 20 Jahren. Wie hast du deine Liebe zur elektronischen Musik entdeckt?

Ich bin im zarten Alter von 14 oder 15 Jahren zur elektronischen Musik gekommen. Damals bin ich mit meiner Mutter in den Ferien zu meiner Tante gefahren. An dem Wochenende fand wohl die Loveparade statt und mit uns im Abteil waren lauter Raver. Ich fand die Musik irgendwie cool und noch im Urlaub kaufte ich mir dann meine erste Techno-CD. Angefangen mit dem Auflegen habe ich aber tatsächlich erst 1999 in unserem Jugendzentrum. Damals war das noch kein wirklicher Techno, sondern eher Trance – eben der Sound, der damals so abging. Mit dem Beginn meiner Residency im Tor 3 in Düsseldorf und im Butan in Wuppertal hat sich meine Liebe für härteren Techno entwickelt. Aber Stillstand war für mich noch nie eine Option, nur Weiterentwicklung erfüllt mich. Ich denke, dass ich durch diesen inneren Antrieb auch immer wieder meinen Stil verändern und verbessern konnte und eben jetzt dort stehe, wo ich mich befinde.

Nun hast du nach der Schließung des Butan in Wuppertal, wo du 17 Jahre lang Resident warst, eine Residency im Silq in Düsseldorf. Wie kam es dazu?

Ein Freund von mir, den ich noch aus meiner Schulzeit kenne, war Betriebsleiter im Silq und fragte mich 2017, ob ich nicht aushelfen könne. Von Anfang an hat alles gepasst. Ich bin superhappy darüber, regelmäßig dort spielen zu dürfen und jetzt mit zu den Residents zu gehören. Der Laden ist vom Sound- und Lichtkonzept her mit das Größte, was ich in der deutschen Clubszene bislang erlebt habe. Es macht wirklich jedes Mal riesigen Spaß, im Silq aufzulegen. Das Team ist großartig, die Gäste sind einzigartig und ganz bunt gemischt.

Wie würdest du deinen Musikstil definieren? Gibt es eine typische „Sonic-Soundsprache”?

Nicht wirklich, aber aktuell liegt mein Fokus eher auf einem melodisch-technoiden Stil. Allerdings dreht sich mein Sound wie die Erde um die Sonne. Ich habe 1999 mit Trance angefangen, bin dann Anfang der Nullerjahre über Underground-Techno oder auch Schranz zum Minimal gekommen. Schließlich habe ich über Deep und Tech-House den Weg zum melodischen Techno gefunden. Ich lasse mich aber bewusst nie in eine Schublade stecken, da ich offen für Neues bleiben will. Durch meine festen Residencys in verschiedenen Clubs musste ich auch soundtechnisch immer flexibel bleiben. Für mich gibt es eigentlich nichts Schöneres, als meinen aktuellen Status zu genießen: Ich spiele immer nur das, wonach mir ist.

Du gehörst zur Sorte der Produzenten, die fleißig regelmäßig neue Releases herausbringen, und hast auf diversen Labels wie Zehn Records, Toolroom, Kittball, Complexed Records und vielen anderen releast. Wie schaffst du es, am laufenden Band so kreativ zu sein?

Die größte Motivation ist tatsächlich meine Familie. Ich war lange Zeit privat nie wirklich angekommen und mir hat dadurch ein sicherer Anker gefehlt, der mich stützte in dem oft harten DJ-Business. Meistens folgte auf beruflichen Erfolg irgendeine private Krise. Nach deinem Gig gehst du dann von der Bühne, müsstest dich eigentlich mit einem breiten Grinsen ins Bett legen, hast aber so viele private Probleme im Kopf zu bearbeiten, dass du deinen Erfolg und Erlebtes gar nicht wirklich mehr genießen kannst. Das war eine Zeit, in der ich gefühlsmäßig Achterbahn gefahren bin. Seitdem ich aber meinen Sohn bekommen habe, bin ich mehr bei mir selbst angekommen und dadurch viel entspannter geworden. Auch den Druck, möglichst sieben oder acht Gigs im Monat im Kalender zu haben, möglichst viel zu reisen und am besten noch jede Woche einen neuen Mix hochzuladen, verspüre ich seitdem nicht mehr. Ein Kind zu bekommen, erweitert das Bewusstsein – ich weiß jetzt, dass es noch etwas anderes gibt, für das es sich zu leben lohnt. Dank der richtigen Frau an meiner Seite, die mich meinen „Traum“ leben lässt und unterstützt, werde ich hoffentlich noch viele weitere Jahre meine Leidenschaft ausüben können.

Wie kann man sich einen typischen Sonic-Produktionsalltag vorstellen?

Das kommt meistens drauf an, ob ich allein oder mit jemand anderem zusammen arbeite. In beiden Fällen startet der Tag erst mal mit einem guten Frühstück und einem großen Kaffee. Sonst fangen meine „inneren Maschinen” nämlich erst gar nicht an zu arbeiten. (lacht) In 99 Prozent der Sessions starte ich mit einer melodischen Sequenz aus einem meiner Moog-Synthesizer. Dazu bastle ich dann ein paar Beats und erst, wenn ich das „Material“ zusammen habe, fange ich an zu arrangieren. Wenn das erste Demo-Tape fertig ist, schicke ich es an meine Homies Bart, Ruslan oder Alex. Manchmal entstehen genauso auch Kollaborationen. Heutzutage kann mit viel Ehrgeiz und etwas Glück alles sehr schnell gehen. Von der Produktion übers Mastern und den Test im Club – wenn man will, dann können bis zum digitalen Release nur wenige Tage vergehen.

Wie gestaltet sich für dich eine perfekte Clubnacht?

Für mich persönlich beginnt sie mit einem kreativen Warm-up-Set. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde Mario Hammer & The Lonely Robot eine Stunde live spielen. Dann übernehmen Tale Of Us und danach spielt Karotte, einer meiner absoluten Lieblings-DJs, bei dem man auch nie so genau weiß, was einen erwartet. Dazu kommen ein atemberaubendes Lichtkonzept und natürlich eine perfekte Sound-Anlage.

Letztes Jahr wurde das neue Label Silq Musiq gegründet. Kannst du uns mehr dazu verraten?

Ich habe den Stein ins Rollen gebracht. Der Sound im Silq ist irgendwie untypisch. Vor allem für Düsseldorf. Die Leute stehen eben nicht auf diesen rollenden Massen-Tech-House, den man überall zu hören bekommt. Einmal morgens auf dem Nachhauseweg ist mir eine Melodie in den Kopf gekommen, die ich dann zu Hause sofort einspielte und aus der ich später im Studio einen Track produzierte. Die Nummer habe ich immer wieder mit dem Silq verbunden. Anfangs wollte ich den Titel auch „Silq“ nennen. Als dann die Möglichkeit kam, das Label zu gründen, war klar, dass das die 001 werden musste. Die Nummer habe ich schließlich „Planetarium“ genannt, weil sie für mich irgendwie kosmisch klingt.

Was sind die kommenden Highlights für dich?

Ich werde auch in diesem Jahr wieder herumreisen und coole Clubs in Deutschland bespielen. Karneval in Düsseldorf ist immer ein Highlight! Mit Sicherheit wird auch wieder das ein oder andere Festival dabei sein. Im Frühjahr beginne ich auch noch einen Pro-Mixing-Lehrgang in Hamburg, um meine Produktions-Skills im Studio noch weiter zu vertiefen. Allgemein finde ich, dass Weiterbildung immer ein spannendes und vor allem wichtiges Thema für alle Produzenten ist. Denn nicht vergessen: Wer bremst, bleibt stehen!

Aus dem FAZEmag 096/02.2020
Text: Hanna Frömberg
Foto: Maria Koltschin