Fusion 2019 - das wird sich ändern

Fusion 2019 – das wird sich ändern


Für nicht wenige unter euch ist die Fusion das wichtigste Festival des Jahres. Hier sind 10 Gründe, warum die Fusion das beste Festival Deutschlands ist. Die Macher der Fusion sind dafür bekannt, sich selbst zu hinterfragen und alles kritische Revue passieren zu lassen. Das wird sich auch in diesem Jahr wiederfinden, was der aktuelle Aussand der Fusion-Crew klar macht.

 

Und jetzt lassen wir die Macher zu Wort kommen.

Liebe Fusionstinnen und Fusionisten,
wir wollen uns vorab bei euch dafür entschuldigen, dass wir seit dem
vergangenen Fusion Festival so wenig von uns haben hören lassen. Die
Gründe dafür sind vielfältig. Sie liegen zum einen etwas in unserer
Struktur, aber mehrheitlich wohl darin, dass wir es über Monate verbummelt
haben, unserem Anspruch gerecht zu werden, euch, den Besucher:innen und
auch den mitarbeitenden Crews gegenüber transparent zu bleiben. Im Forum
wurde schon länger angemahnt, dass von uns ein Statement zu diversen
Themen erwartet wird, aber das wurde von uns zunächst nicht richtig
wahrgenommen. Zum Teil geht es um Themen oder Vorfälle, die wir zuerst
einmal unter uns diskutieren mussten oder wollten. Zu anderen Punkten
hätten wir eigentlich auch kurz was sagen können, aber alle haben
gewartet, dass das jährliche Resümee geschrieben wird, was aber auch
nicht geschah, weil Diskussionen noch nicht geführt oder -wie gerne mal-
ergebnisoffen, oder konsenslos blieben. Wir sind manchmal auch einfach
überfordert, mit all dem was wir inhaltlich klären und diskutieren
wollen, treffen uns dafür zu selten und dann bleibt es am Ende einfach
liegen.

Also schreiben wir euch jetzt, weil lieber spät als nie, das was wir zu
diversen Themen sagen können, oder sagen wollen. Wir haben euch dazu
jeweils zum Forum 2018 verlinkt, damit ihr bei Interesse dort die
Diskussion nachlesen könnt.

Alle Ticketinhaber:innen werden wir in den kommenden Tagen noch einmal
gesondert kontaktieren und bitten an einer kleine Umfrage zur Anreise
teilzunehmen, die wichtig für unsere Organisation der Anreise sein wird.

O l i v e r S c h o r i e s
hat sein Set mit mehreren Kameras gefilmt und sofort ins Netz gestellt,
viele die dort gefeiert haben, waren auf dem Video zu erkennen.
Sowohl der Kulturkosmos, als auch die Tanzwüsten Crew waren von dieser
Geschichte überrascht, und niemand hat das im Vorhinein mitbekommen, oder
gar genehmigt. Nach dem Motto Dreistigkeit siegt, hat Oliver Shories
mehrere vermutlich kleine Kameras installiert, um mit diesem
Videomitschnitt auf Facebook und Mixmag zu posen und seinem Narzissmus zu
frönen. Hätte die Bühnenbetreuung oder die Tanzwüsten Crew diese Aktion
mitbekommen, wäre dies sicherlich unterbunden worden.
Das war natürlich eine Scheißaktion und es wäre zu schön, wenn die
Fusion von der zunehmenden Digitalisierung verschont bleiben würde. Wir
sind aber realistisch genug zu erkennen, dass das nicht einfach so
passieren wird.

Es wäre naiv zu glauben, dass wir filmen und fotografieren grundsätzlich
unterbinden könnten, indem alle Gäste für 4 Tage das Handy abkleben…
Wir können hier nur appellieren und sagen: …keep the good memories in
your heart – not on a chip!

Etwas anders verhält es sich mit unseren Künstler:innen. Die sind ja
zumeist keine jahrelangen Fusionist:innen und kennen oft die
Empfindlichkeiten unserer Gäste nicht. Viele wollen diesen speziellen
Auftritt irgendwie festhalten. Dies finden wir verständlich und wollen es
auch nicht verbieten, weil diese Acts bei uns ja weder eine hohe Gage, noch
irgendeine Art von Medienaufmerksamkeit bekommen. Zudem wäre es auch eine
Doppelmoral, auf der einen Seite selbst immer Live Videos bei YouTube
schauen zu wollen, andererseits den Künstler:innen zu verbieten, ihre
Performance zu filmen, oder dies dann ins Netz zu stellen.
Wir haben daher Spielregeln aufgestellt was das Filmen und Fotografieren
betrifft.

Wir geben unseren Künstler:innen Vorgaben, wenn sie im Artistcare anfragen
oder
ansagen, dass sie Videoaufnahmen während ihres Auftritts machen wollen: 1.
sollen keine Kameraleute auf der Bühne rumspringen und 2. sollen keine
erkennbaren Menschen im Publikum sichtbar sein, wenn das Video online
gestellt werden sollte. Inwiefern das jeweils eingehalten wird, können wir
aber nicht kontrollieren.
Wenn dies wie im Fall von Oliver Shories mißachtet wird, hilft meist nur,
dass die Spielregelverletzter:innen darauf hingewiesen werden und zur Not
ein kleiner Shitstorm eingeleitet wird, damit solche Videos wieder
verschwinden. Wir werden aber in Zukunft den gewünschten Umgang in diesem
Thema unseren Künstler:innen besser im Vorfeld vermitteln, bzw. im
Artiscare deutlicher drauf hinweisen, was zu beachten ist.
https://forum.kulturkosmos.de/viewtopic.php?f=32&t=23501&sid=484742dcb62b7dffa5ec3b4389f60e87

Grundsätzlich wollen wir aber zu bedenken geben, dass auf einem Festival
wo sich vermutlich zehntausende Menschen mit einem Smartphone bewegen,
niemand davon ausgehen darf, dass er oder sie nie nicht gefilmt werden,
oder ihr Konterfei irgendwo im Netz im Zusammenhang mit der Fusion
auftauchen kann. Um auf der Fusion den Geist und die Freiheit zu bewahren,
feiern zu können ohne dabei gefilmt zu werden, müssen alle, die
Spielregelverstöße mitbekommen den Mund aufmachen und zur Einhaltung der
Spielregeln auffordern.
Wir als Veranstalter:innen werden im kommenden Festivalguide, vor dem
Festival und auf dem Festival deutlicher darauf hinweisen, dass das
Fotografieren und Filmen auf Dancefloors und da wo Menschen feiern,
grundsätzlich unerwünscht ist. Wenn dann alle, die dies nicht
respektieren immer darauf hingewiesen werden, hoffen wir auf ähnliche
Lerneffekte wie bei denen, die immer noch ihren Müll weg werfen.
Influenzer und Youtuber müssen wissen, dass sie gehen müssen, sobald sie
unser Festival als Selbstdarstellungskulisse nutzten und dabei erwischt
werden.
https://forum.kulturkosmos.de/viewtopic.php?f=32&t=23414&sid=4f9c1aff80488aad4d8e93bc604c92ca&start=30

„ N o s h i r t – n o s e r v i c e “
Vor dem Hintergrund und im Wissen um strukturelle Gewalt und patriarchaler
Gesellschaftsverhältnisse wünschen wir uns eine größtmögliche
Sensibilität und sind gleichzeitig gegen das Aufstellen von „No Shirt –
no service“ Schildern.
Die „No Shirt – no service-Regel“ wurde nicht von uns, dem Kulturkosmos
ausgegeben. Sie ist kurz vor Festivalbeginn an verschiedenen Orten des
Festivals aufgetaucht und wurde in verschiedenen Ausdrucksformen ohne
unsere Abstimmung formuliert.
Dies hat bereits während des Festivals zu mitunter sehr heftigen Debatten
mit und unter den Gästen, sowie auch innerhalb der verschiedenen
Festivalcrews geführt. Wir wollen hier nicht in die Diskussion einsteigen,
möchten aber auf unser Forum verweisen, wo das Thema, wie wir meinen, sehr
umfänglich und in zumeist sehr sachlichem Ton diskutiert wurde.
https://forum.kulturkosmos.de/viewtopic.php?f=32&t=23285&sid=484742dcb62b7dffa5ec3b4389f60e87

Wir unterstützen den Ansatz, männliche Privilegien zu thematisieren und
dafür Sensibilität zu schaffen, wollen aber den, zum Teil sehr
restriktiven Charakter der Aktion kritisieren. Für uns gilt nach wie vor:
So verschieden wie die Menschen, die sich hier zusammenfinden, ist das, was
sie hier suchen und erleben. Was sie vereint, ist die Freiheit, sein zu
können wie sie sein wollen.
Wir wollen niemanden zwingen, ein Shirt anzuziehen, wir wollen, dass alle
sich frei fühlen können, unabhängig von ihrem Geschlecht, auf der Fusion
so nackt rumzulaufen, wie sie sich wohl fühlen. Wenn das für einzelne
nicht möglich erscheint, löst nicht das Shirt der anderen das Problem.
Dann lösen wir das nur, wenn wir gemeinsam einen Safe Space schaffen,
indem sich alle trauen können, das Shirt auszuziehen. Einen Ort zu
schaffen, an dem Sexismus nicht geduldet wird und wo oben ohne kein
Männerprivileg mehr ist.
Solch einen achtsamen Raum zu schaffen, setzt zum einen voraus, dass wir
Körpernormen, Sexualisierung und sexistisches Denken thematisieren. Aber
auch die Auseinandersetzung mit sexistischen Verhaltensweisen,
patriarchalen Strukturen und Formen struktureller Gewalt ist in diesem
Zusammenhang notwendig.
Keine:r muss Macker sein!

S e x i s t D j a u f d e r T a n k w ü s t e
Dj Konstantin, vom Giegling Kollektiv, einer langjährigen Fusioncrew,
hatte 2017 einer Journalistin gegenüber, eine unzweifelhaft sexistische
Sichtweise zum Thema Frauen und Auflegen vom Stapel gelassen. Daraufhin ist
ein ziemlich fetter internationaler shitstorm gegen ihn entbrannt und auch
die Giegling Crew selbst, ist mit in diesen Strudel geraten. Ihr wurde
vorgeworfen, die Ansichten von Konstantin zu kennen und zu decken.
Wir haben uns damals, mit Konstantin und Giegling in einem langen Gespräch
zusammengesetzt um heraus zu finden, was gesagt wurde, aber vor allem, was
er oder die Crew über die Vorwürfe und zum Thema Frauen und Auflegen
denken. Dieses Gespräch hatte mitunter leicht inquisitorische Züge,
verlief aber trotzdem sachlich und hat, die im Raum stehenden Vorwürfe
sexistischer Denke für uns nicht bestätigt. Wir sahen daher auch keinen
Grund für einen Bruch mit Konstantin oder der Giegling Crew.
Uns ist die Geschichte dann aber komplett hinten runter gefallen und das
Thema hatte uns bis zum Festival nicht mehr gestreift. Erst als uns
aufgebrachte Menschen im Backstage damit konfrontiert haben und bereits
unübersehbar zu Aktionismus aufgerufen wurde, ist uns die nach wie vor
aktuelle Brisanz des Themas klar geworden. Daraufhin wollten wir Konstantin
von seinem Auftritt abraten, aber das ist wegen eines dummen
Kommunikationsfehlers nicht passiert.
Wir hätten wissen müssen, dass der Ärger über ihn auf der Fusion
akkumulieren würde, zumal es von seiner Seite bis dato immer noch kein
adäquates Statement zu den Vorwürfen gab, und so die Gerüchteküche nach
wie vor freien Lauf hatte.

Was dann aber passiert ist, haben auch wir nicht erwartet. Ein Mob von ca.
20 Leuten hat in aktionistischer Militanz-manier auf dem Floor randaliert.
Mit Flaschenwürfen, Stromsabotage, Sachbeschädigung… wurde der Auftritt
von Konstantin unterbrochen. Das seine Dj Co-Pilotin Elli dabei ebenso
angegriffen und auch noch verletzt wurde, haben die Wutbürger:innen
scheinbar billigend in Kauf genommen, um ihren Zorn auszutoben.
Nicht, dass wir harsche Kritik an sexistischem Denken und Reden nicht
begrüßen würden. Wenn die Verhältnismäßigkeit der Kritik aber so
entgleist wie hier, dann hört unser Verständnis definitiv auf. Wem es
nicht möglich ist gewaltfrei seine/ihre Meinung zu kommunizieren oder zu
vertreten, hat auf dem Fusion Festival nichts verloren. Wir werden ein
solches Verhalten und jedwedes anderes gewalttätiges Verhalten nicht auf
dem Festival dulden und dies wird in Zukunft weitreichende Konsequenzen
nach sich ziehen.

Wir wollen hier keine weitere Diskussion über das starten was passiert
ist, sondern lediglich die Frage beantworten, warum Konstantin trotz der
Vorwürfe im Programm stand, obwohl er es in einem Jahr nicht geschafft
hatte, sich adäquat dazu zu verhalten, sich zu entschuldigen und/oder zu
erklären.
Erst im September letzten Jahres, als der Druck immer noch nicht nachlassen
wollte, ist dann, viel zu spät wie wir meinen, ein Statement von ihm
erschienen.

Konstantin responds to open letter calling for him to be removed from ADE line-up

Wir belassen das Thema damit im offenen politischen Diskurs. Wir wollen uns
aber an diesem Punkt den Worten der Frau anschließen, die mit Ihrem
Artikel im Groovemagazin die Geschichte ins Rollen gebracht hat.
„…I don’t know why it took one year to finally speak up and admit to
be wrong nor do I want to speculate on reasons concerning the timing of
this statement. I do appreciate Konstantin’s statement. I believe people
make mistakes and should, even in the Twitter-age, have the opportunity to
be forgiven and make up for them. But what I believe even more is: Actions
speak louder than words. So, looking forward to seeing some actual change
happening now.“
Die Diskussion im Forum findet ihr hier:
https://forum.kulturkosmos.de/viewtopic.php?f=32&t=23033&sid=db16f827802fefe446332e5f4f572768&start=20

N a h o s t k o n f l i k t e r r e i c h t L ä r z

Auf der letzten Fusion fand im Arab Underground eine Podiumsdiskussion
statt, die bei einigen Gästen und Crewangehörigen zu Unverständnis und
bisweilen zu Unmut geführt hat. In ihrem Verlauf und bei einer weiteren
Veranstaltung kam es zu Störungen und Szenen, die wir auf der Fusion nicht
erleben wollen. Der Konflikt zwischen Israel und Palästina hat die Fusion
erreicht. Unser ausführliches Statement zu den Veranstaltungen und der
gegenwärtigen Diskussion findet ihr:
https://kulturkosmos.org/newsletter/nahostkonflikt_erreicht_laerz.html

W i e s o s p i e l t e S X T N ?
https://forum.kulturkosmos.de/viewtopic.php?f=32&t=23368&sid=4f9c1aff80488aad4d8e93bc604c92ca&start=30
Wir haben SXTN gebucht, weil viele aus unserer Crew, die Band trotz, oder auch wegen ihrer Texte abfeiern und sich das gewünscht haben. Wir finden die Kritik an der Band durchaus berechtigt und haben die heftigen Reaktionen geradezu erwartet, was uns aber nicht davon abgehalten hat, sie trotzdem spielen zu lassen. Kunst kann eben auch mal die Grenzen des Erträglichen überschreiten. Auch im Nachhinein sind wir in der Frage, ob SXTN hätte auf der Fusion spielen sollen, in unserer Gruppe gespalten. Die ca. 8000 Fusionist:innen, die das Konzert richtig gefeiert haben, waren aber ein adäquater Querschnitt jeglicher Couleur, Geschlecht und Alters
und eben auch viele aus unserem direkten Umfeld. Wir lassen es daher so im Raum stehen, ohne uns dafür zu entschuldigen, denn niemand war gezwungen sich das anzusehen.

F l a s c h e n s a m m l e r : i n n e n
Auffällig viele people of colour haben auf dem Festival rund um die Uhr
Pfandflaschen gesammelt und dies wurde von manchen als rassistischer
Kontext empfunden, nach dem Motto die privilegierten Weißen feiern und die
people of colour machen den Dreck weg. Das Ganze sollte -laut Aussage eines
Infopoints- ein organisiertes Kulturkosmos-Flüchtlingsprojekt sein. Dazu
können wir nur sagen, wir wissen bis heute nicht, wer die
Pfandsammler:innen organisiert hat, wir selbst waren es jedenfalls nicht.
Nicht auszuschließen, dass sie selbstorganisiert gehandelt haben, aber
vermutlich wurden sie von einer unserer mitarbeitenden Gruppen supportet
oder organisiert. Grundsätzlich haben wir damit auch kein Problem und
können darin kein rassistisches Muster entdecken. Denn, profimäßig auf
der Fusion Pfand zu sammeln ist eher ein Privileg mit welchem Menschen mehr
Geld verdienen können, als alle anderen die auf dem Festival arbeiten und
z.B. richtig Müll sammeln und dafür nur das Ticket bekommen. Das
Menschen, die diese Arbeit aus rein monetären Beweggründen machen, bei
dieser Arbeit nicht unbedingt glücklich aussehen, ist auch verständlich
und hautfarbenunabhängig. Wir hätten es trotzdem schön gefunden, wenn
diese Geschichte mit uns abgesprochen worden wäre und wenn allen
Pfandsammler:innen die Spielregeln besser erklärt worden wären.
https://forum.kulturkosmos.de/viewtopic.php?f=32&t=23273&sid=199d5ea3ec8912fc0a280391f3f875ce&start=20

Soweit erst mal zu den offenen Fragen aus dem Forum. Unsere Antworten
werden einigen vielleicht missfallen. Wir bitten diejenigen aber, von dem
Versuch einer politischen Diskussion mit uns abzusehen. Wir hatten zuerst
überlegt, ob wir das alles überhaupt kommentieren wollen, uns dann aber
-wenn auch spät- dennoch dafür entschlossen. Damit sind die Diskussionen
zu diesen Themen von unsere Seite aus beendet und wir werden uns ganz dem
widmen, was jetzt auf uns zurollt und unserer ganzen Kraft und Energie
bedarf – die kommende Fusion und die darauf folgende at.tension.
Eure Fusion Crew