Fusion-Festival-Veranstalter ziehen positives Fazit für 2023 und äußern sich zu Krieg in Gaza

Fusion-Festival-Veranstalter ziehen positives Fazit für 2023 und äußern sich zu Krieg in Gaza

Es war für viele Fans elektronischer Musik und Freunde des friedlichen gemeinsamen Feierns das Highlight des Jahres. Das Fusion Festival. Nun haben sich die Veranstalter des Kulturkosmos zu Wort gemeldet und ihr persönliches Fazit gezogen. Neben einer detaillierten Analyse der 2023 Edition steht natürlich auch der Krieg im Gaza-Streifen im Fokus. Hier lest ihr den gesamten Inhalt:

 

„Liebe Fusionist:innen und Sympathisant:innen,

ein wechselhafter Sommer ist vorbei. Das Wetter hielt sich ja in Grenzen und der Klimawandel grüßt immer deutlicher, aber nun, wo der Herbst quasi von einem auf den anderen Tag angebrochen ist, finden wir etwas Zeit für eine Fusion 2023 Auswertung.

Viele haben einen Sommer in einer scheinbar heilen Festival- und Feierblase verbracht. Viele mussten sich, angesichts von krassen Preissteigerungen im Alltag und bei Festivals das Feiern, mangels Devisen, manchmal auch verkneifen. Und vielen fällt es zusehends schwerer, die Alltagsrealität auch nur für Momente zu verlassen. Alle haben gemerkt, dass die Welt, wie wir sie vor Corona kannten, nicht zurückkommt und wir, auch wenn wir alle mehr oder weniger privilegiert sind, in einer zunehmend beschisseneren Welt leben. Was können wir tun, was müssen wir tun?

Soweit war der Anfang dieses Newsletters schon geschrieben, als am Morgen des 7.Oktober die verstörenden und schier unglaublichen Nachrichten der Angriffe der Hamas auf Israel bekannt wurden. Was dann im Laufe dieses Wochenendes und den darauf folgenden Tagen an Horrorbildern und Informationen durch die Medien lief, schien unfassbar. Ein Weiterschreiben dieses Newsletters war vorerst unmöglich und wir tun uns bis heute schwer, hierzu passende Worte zu finden.

Als am Samstag, noch bevor die wirkliche Dimension dieses barbarischen Angriffs absehbar war und als wären die Nachrichten über das brutale und wahllose massakrieren von Zivilisten nicht schockierend genug, die Nachricht und später die Bilder des Angriffes auf das Supernova-Festival auftauchten, hat uns dies absolut sprachlos und in Tränen zurückgelassen.

Es sind an diesem einen Tag in Israel, dem Land, das als sichere Heimstätte für Jüdinnen und Juden aus der Geschichte der Shoah entstanden ist, über 1400 Menschen, die allermeisten Israelis und Jüd:innen, durch die Mordbrigaden der Hamas getötet worden.

Wir sind immer noch fassungslos und entsetzt über diesen sinnlosen durch nichts zu rechtfertigenden terroristischen Angriff der Hamas auf Israel.

Uns bleibt nur eine stille und tiefe Trauer um alle, die an diesem Tag feige ermordet wurden. Unser Mitgefühl gilt allen, die dabei einen Menschen aus ihrem Freundes-, Familien-, oder Bekanntenkreis verloren haben, sowie all denen, die körperlich verletzt oder seelisch schwer traumatisiert diesen Tag überlebt haben.

Wenn wir an die über 200 Menschen denken, die als Geiseln von der Hamas nach Gaza verschleppt wurden, dann packt uns neben dem tiefen Mitgefühl auch eine große Wut über diese Menschenverachtung und eine große Angst, wie es für die Geiseln weiter geht.

Unsere Solidarität mit Israel ist zweifellos!

Angesichts von 56 Jahren israelischer Besatzung, Netanjahus skrupelloser, zum Teil offen rechtsradikaler Regierung und der dadurch befeuerten antipalästinensischen Gewalt von radikalen Siedlern, können und wollen wir unsere Kritik an dieser israelischen Regierung nicht verschweigen.

Unsere Solidarität gehört daher insbesondere auch den Kämpfen der israelischen Zivilgesellschaft gegen Netanjahus geplante Justizreform und um den Erhalt der Demokratie in Israel.

Auch unsere Angst und Sorge um die Menschen in Gaza wollen wir hier nicht verschweigen und unsere Solidarität mit dem leidenden palästinensischen Volk sehen wir gleichfalls als geboten, wichtig und legitim. Unsere Empathie für unschuldige Opfer von Gewalt und Krieg ist unteilbar.

Die Vertreibung über einer Million Palästinenser:innen, die Kollektivbestrafung durch die totale Zerstörung von weiten Teilen des Gazastreifens, die den Tod von Unschuldigen, darunter tausende Kinder, in Kauf nimmt, verurteilen wir klar und deutlich. Wir unterstützen die Forderung nach einer sofortigen humanitären Waffenruhe zum Schutz der Zivilbevölkerung.

Die Hamas soll zur Hölle fahren! Die Freilassung der Geiseln aus ihren Händen muss im Zentrum aller diplomatischen Bemühungen stehen.

Wir können in diesem Newsletter nicht mehr zu diesem Thema schreiben, denn wir stoßen auch in unserem Denken und dem, was wir sagen müssten, an die Grenzen des Diskussionsrahmens, der in der jetzigen Situation durch die vielen Facetten des Unrechts und der starken Emotionen eingeschränkter denn je ist. Es steht uns vielleicht auch nicht an, hier und jetzt, aus unserer privilegierten und wohlsituierten Komfortzone heraus, über den Krieg zwischen Israel und der Hamas zu politisieren.

Wir machen daher hier jetzt einen Cut.

Fusion Resümee

Gemeinsam feiern als Realitätsflucht ist Teil unserer hedonistischen Codierung, steht jedoch nicht im Widerspruch zu den Kämpfen im wirklichen Leben, wo es immer wichtiger wird, zu retten, was in dieser Welt noch zu retten ist… Beides scheint notwendig, um Mensch zu bleiben und nicht den Mut zu verlieren bei all den Katastrophen, Kriegen und Ungerechtigkeiten, dem Erstarken der AfD, all den zunehmend düsteren Zukunftsaussichten, wo immer wir auch hinschauen.

Unsere Geschichte begann vor 28 Jahren und im nächsten Jahr werden wir das 25. Fusion Festival feiern. Gemeinsam mit allen Mitstreiter:innen, die in all den Jahren an dieser großartigen Geschichte mitgewirkt und ihren Teil dazu beigetragen haben, haben wir aus einer kleinen Party ein, wie viele sagen, in der Welt einmaliges Festival geschaffen. Dafür wollen wir an dieser Stelle einmal den zigtausenden Mitwirkenden der vergangenen 24 Fusionen unseren tiefen Dank aussprechen.

Wir bedanken uns bei allen, die dieses Jahr mit uns gemeinsam ein richtig geiles Festival verwirklicht haben. Unser Dank geht an all die Fusioninst:innen und die Artists, allen voran aber an die Crews und die Supporter:innen. Ohne eure Energie, Mitarbeit, Zeit, Geduld, Kreativität, Menschlichkeit und Verständnis eines gemeinsamen, respektvollen Feierns, wäre das nicht möglich. Vielen lieben Dank an euch alle!

Tickets

Wir hatten 70.000 Tickets im Vorverkauf verkauft. Unseren vor Jahren entwickelten Anspruch, das Fusion-Ticketing durch eine Verlosung möglichst fair zu gestalten, wurde mittlerweile von vielen anderen Veranstaltern übernommen. Wir werden im kommenden Jahr auch die at.tension Tickets durch eine Verlosung vergeben.

Auf jedes Fusionticket kamen in diesem Jahr 2,5 Interessent:innen. Zwischen Mai und Ende Juni konnten über 10.000 Menschen ihr Ticket in unserer Ticket:Börse weiterverkaufen und ebenso viele last Minute noch eins ergattern.

Da wir unseren finanziellen Engpass aus den Coronajahren aufgrund vielerlei Unterstützung gut überstanden haben, wird es für die Fusion 2024 nur den regulären Vorverkauf und keinen vorgezogenen Teilverkauf von Tickets geben.

Die Registrierung läuft vom 1. bis 14. Januar auf unserer Webseite und die Kaufoptionen werden am 20. Januar verlost, die Nachverlosung gibt es dann am 20. Februar 2024. Ab Mai wird die Ticket:Börse wieder an den Start gehen. Sonntagstickets wird es ab Ende Februar im Vorverkauf geben.

Bude voll?!

Um nach der schwierigen post-Corona Fusion 2022 finanziell auf Nummer sicher zu gehen, haben wir 2023 mehr Tickets verkauft, so dass rund 10.000 Menschen mehr als 2022 auf der Fusion unterwegs waren. Das war natürlich zu merken. Der Fusion-Sonntag war auch besser besucht, wird aber von uns separat betrachtet, da sonntags bereits mehr Personen abreisen, als durch Sonntagstickets anreisen. Das Empfinden das es „zu voll“ war, ist relativ, die Stimmung jedenfalls war trotz Fülle an der Oberkante und irgendwie hatten wir auch coronabedingt vergessen, wie es früher war bzw. wie es ist, wenn so viele Menschen zusammen feiern.

Natürlich nervt alle das Anstehen und Warten. Bei der Anreise und am Einlass am Mittwoch kam es zu sehr langen Staus und krassen Wartezeiten für alle mit Bussen und Pkw angereisten Fusionist:innen. Das müssen wir im nächsten Jahr deutlich verbessern und soll sich so nicht wiederholen. Für die strapazierenden Wartezeiten bitten wir alle Betroffenen um EntschuldigungDie Anzahl der Essenstände könnte erhöht werden, hierbei müssen aber Strom, Wasser, Abwasser und andere „Kleinigkeiten“ bedacht werden. Die Toiletten hatten wir bereits in diesem Jahr erneut erhöht, so dass es hier kaum gravierende Probleme gab. Starke Auswirkungen hatte aber das Wetter. So sorgte der Regen dafür, dass sehr viele Gäste zur gleichen Zeit Feierpausen eingelegt haben und die Sonnenstunden wiederum haben viele Gäste gleichzeitig auf den Platz drängen lassen.

Wir haben lange überlegt, ob wir die Zahl der Tickets 2024 reduzieren wollen und grundsätzlich überlegt ob wir eine kleinere Fusion organisieren könnten? Natürlich wäre das möglich aber dann müsste bei Programm, Licht, Deko und Floors und Crews deutlich eingespart und darüber hinaus wahrscheinlich der Ticketpreise erhöht werden. Eine solche Entscheidung würde viele Menschen enttäuschen, würde sie doch den Korridor zum „schönsten Festival des Jahres“ für tausende Fusionist:innen unpassierbar werden.

Unser Anspruch, möglichst vielen Menschen die Erfahrungen einer Fusion zu ermöglichen, wird vermutlich die wichtigste Rolle bei unserer Entscheidung über die Größe der Fusion 2024 spielen. Daher ist keine wirklich signifikante Reduzierung der Tickets zu erwarten.

No Photos on the Dancefloor!

Das Filmen und Fotografieren auf den Floors nervt viele unserer Gäste und auch uns und ist deshalb nicht erwünscht.

Bitte respektiert den Wunsch nach einem geschützten Freiraum, wo wir sein können wie wir sein wollen, frei, unkontrolliert und vor allem auch unfotografiert. Viele möchten nicht auf den Instagram-Postings fremder Personen zu erkennen sein.

Das Geltungsbedürfnis einiger Fusionist:innen scheint so groß zu sein, dass ihr Streben nach Bewunderung durch Gruppenselfies mitten auf der Turmbühne oder durch ein Rundum-Video vom Vibe auf der Tanzwüste, auf Instagram & Co. geteilt und befriedigt werden muss.

Die strengen Spielregeln aus der Berliner Clubszene zur Film- und Videopolicy können wir nicht umsetzen und es gibt auf der Fusion auch kein grundsätzliches Fotoverbot. Aber wir möchten mit diesen und weiteren Appellen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wir achtsamer mit digitalen Technologien umgehen. Auch wenn Du nicht jeden wunderbaren Moment eingefangen hast, so hast du ihn dennoch erlebt.

Zur nächsten Fusion setzen wir den Fokus deutlicher auf dieses Thema, um unseren Standpunkt sowohl den Gästen wie auch den Artists gegenüber verständlicher zu machen und den Respekt vor dem eigenen Bild eines jeden Menschen zu propagieren.

Fusion ab 18

Diese Entscheidung hat uns neben einigen internen und externen Diskussionen viel Überwindung gekostet. Viele Fusionist:innen konnten ihre Kinder für die Tage bei Großeltern oder Freunden in Obhut geben und hatten mit unserer Entscheidung kaum Probleme. Andere, zum Teil langjährige Fusionist:innen, sind dem Festival mangels externen Betreuungsmöglichkeit oder aus Protest ferngeblieben, was uns leid tut. Zu spät hatten wir angekündigt, dass es weiterhin einen kleinen Familyspace auf der Inselcampingzone für Eltern mit Kindern geben wird. Gefreut haben wir uns über die Kinder- und Jugenddemo, die gegen ihren Ausschluss auf dem Festival demonstriert haben, obwohl die Kritik natürlich an uns und unsere Entscheidung gerichtet war.

In den letzten 28 Jahren Fusiongeschichte wurden uns aufgrund von Sachzwängen immer wieder unschöne Konsequenzen abgerungen. Die ü18 Entscheidung ist eine davon, die wir auch 2024 aufrechterhalten werden müssen. Es wird wieder einen Kinderspace in der Familly Campingzone auf der Insel geben für die, die ihre Kinder während des Festivals auf der Insel betreuen wollen. Wie wir den Inselzugang für Familien regeln und ob es für die Insel nächstes Jahr Zufahrtstickets im Vorverkauf geben wird, prüfen wir noch.

Bars just wanna have Pfand!

Das Pfandraising-Konzept, ist ein seit 2022 großes und auch kontroverses Thema. Es ging um die Abschaffung des Flaschenpfands und damit der individuellen Pfandsammeloption, zugunsten eines, vom Kuko organisierten und durch Mithilfe von möglichst vielen Fusionist:innen getragenen Systems. Hatte die praktische Umsetzung im letzten Jahr noch recht mäßig funktioniert, konnten wir, wie so oft, jetzt im zweiten Jahr ein weitaus positiveres Resümee ziehen. Das ganze Gelände war bis auf die Morgenstunden und bis auf die großen Dancefloors frei von Flaschen. Der Rücklauf der Flaschen von unseren Bars war mit über 85% annähernd so hoch wie zu Pfandzeiten. Auch die Situation mit dem ewigen Problem des Bruchglases hatte sich dieses Jahr erheblich verbessert. Neben der Mithilfe vieler Fusonist:innen, hatte die personell besser aufgestellte Bruchglascrew und eine neu aufgestellte Crew, die mit ihren Bollerwagen die Barflaschen gesammelt haben, einen entscheidenden Teil zu dieser deutlich verbesserten Glas- und Scherbensituation beigetragen.

Das Abschaffen des Pfands war aber auch mit dem Ziel erfolgt, dass wir durch Pfandraising einen großen Spendentopf füllen, um dieses Geld für People on the move zu spenden.

Et Voilà, es sind insgesamt Spenden in Höhe von 141.500 € zusammengekommen. Davon 104.000 € aus den Solitalern, die fällig werden, wenn beim Kauf eines Getränks keine leere Flasche mitgebracht wird. 37.500 € hat der Verein Kulturkosmos gespendet, für die annähernd 150 Tonnen Bruchglas, die gesammelt wurden und zu neuen Flaschen recycelt werden. Das sind 0,10 € für jede Flasche, die in einem Bruchglasbehälter gelandet ist.

Wie im Vorfeld angekündigt, gingen die Spenden zum einen an:
Medibüro Berlin (30.000€) – Netzwerk für das Recht auf Gesundheitsversorgung aller Migrant:innen

Der größte Teil ging an:
Safe Passage Foundation (111.500€) – Die Safe Passage Foundation steht für Solidarität, Bewegungsfreiheit und Safe Passage ein und bezieht klar Stellung gegen die Kriminalisierung von Migration.

Fusioncrews

Das Fusion Festival 2023 konnte wieder einmal nur stattfinden, weil wir uns als Kulturkosmos auf ein riesiges Netzwerk aus Vereinen, Organisationen, Initiativen, Einzelpersonen und Firmen verlassen konnten. Diese Struktur ist mit dem Festival organisch gewachsen und sie jedes Jahr neu zu pflegen und zu verwalten, bedeutet viel Arbeit und einen Großteil unseres Organisationsaufwands für das Festival. Beispielsweise gibt es mittlerweile 7 Backstage Bereiche für über 10.000 Personen, die sich auf die einzelnen Bereiche aufteilen müssen. Weiterhin sind über 2.000 Supporter beteiligt, die das Festival ehrenamtlich mit 3 Schichten an unterschiedlichsten Einsatzorten unterstützen. Die 26 Bars auf dem Festival arbeiten alle weitgehend in Eigenregie und werden in Eigenverantwortung und von unabhängigen Vereinen und Gruppen organisiert. Sie organisieren auch ihre über 1000 Barkräfte, die zumeist ehrenamtlich arbeiten und dafür freien Festivalzugang bekommen.

2023 haben ca. 230 Crews, in unterschiedlicher Größe, mit unterschiedlichem zeitlichem Aufwand und in unterschiedlichsten Aufgaben mitgewirkt. So vielfältig dieses Netzwerk ist, so unterschiedlich sind auch die einzelnen Gruppen an sich und die Belastungen, die Einzelne tragen. Genauso schwierig ist es für uns, hier mit einheitlichem Maße diese Gruppen und Einzelpersonen zu organisieren und zu verwalten.

Wir haben in den letzten Jahren viel Energie und Arbeit investiert, um unsere Wünsche und die Erwartungen und Bedürfnisse der Crews zu koordinieren. Logistisch ist es uns aber nicht möglich, für alle am Festival Mitwirkenden dieselben Bedingungen zu schaffen, auch wenn dies ein schöner Anspruch wäre.

Die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen und Anforderungen an unsere Crews, sowie reale oder auch nur gefühlte Ungleichheiten unter den Crews und ein zunehmend verbreitetes Gefühl von fehlender Anerkennung durch den Kuko hatten zur Folge, dass es, angeführt von einigen wenigen, dieses Jahr zu einem offenen Protest in Form einer Demo kam, gleichzeitig streikten einige Bars und Infrastrukturcrews. Wir halten Streik für ein legitimes Mittel in einem Konflikt, wenn sich durch Verhandlungen kein Einvernehmen zu Forderungen erzielen lässt, oder es kein Entgegenkommen der Gegenseite gibt. Uns gegenüber gab es aber weder verhandelbare Forderungen noch Verhandlungen an sich. Es gab im Vorfeld durchaus konstruktive Kritik am Kuko, Demo und Streik basierten aber vor allem auf Gerüchten und Unterstellungen. Viele der Demonstrierenden und Streikenden hatten sich dann einfach mal solidarisiert, wie sich das unter Linken gehört.

Wir nehmen Kritik an uns durchaus ernst und sind bereit uns damit auseinander zu setzten. Wir erwarten aber, dass diese fundiert ist und in einem solidarischen Rahmen an uns herangetragen wird. Dies war leider nicht der Fall. Es wurde auf eine äußerst konfrontative und populistische Art eine Kampagne angezettelt und politisch agitiert, wie wir es aus linken Soziotopen nur allzu gut kennen, aber genau deshalb darauf verzichten können.

Eine unserer Hausaufgaben aus diesem Konflikt sehen wir darin, unsere eigenen Strukturen immer wieder kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls neu zu justieren.

Fehlendes Wissen über den Kuko, seine Strukturen und seiner Geschichte und fehlende Erklärungen der Festivalstrukturen machen es vor allem jungen und neu dazu gestoßenen Mitstreiter:innen schwer zu erkennen, wie die Fusion und ihr komplexes Netzwerk funktionieren.
Wir suchen Wege, die Transparenz und Kommunikation zwischen uns und den Crews zu verbessern.
Wir haben Ende Juli einen sehr ausführlichen Newsletter an unsere Crews geschrieben. Darin haben wir viel erklärt und zu verschiedenen Vorwürfen Stellung bezogen. Wir haben unsere Crews auch um eine Auswertung ihrer Arbeit, ihrer Situation und ihres Standpunktes zu dem Streik gebeten, aber es hat uns bisher nur wenig Feedback dazu erreicht. Parallel dazu haben wir jetzt alle Crewmitglieder aufgefordert, an einer Crewumfrage teilzunehmen, um persönliches Feedback zu erhalten und auswerten zu können. Diese Auswertung steht noch aus.

Awareness und Security

Neben den Arbeitsbedingungen waren unser Awarenesskonzept und unsere Security Hauptkritikpunkte des Streiks. Sogar die landesweite Presse hat sich auf diese Punkte gestürzt und aus der Kritik am Kulturkosmos Schlagzeilen generiert. In diesem Newsletter werden wir nicht weiter darauf eingehen. Wir wollen aber hier klarstellen, dass wir uns hinter unsere Securitymitarbeiter:innen stellen. Unsere Secu- und Ordner:innen-Orga achtet bei der Auswahl unserer Partnerfirmen sehr darauf, dass diese klar hinter unserem politischen Selbstverständnis und dem Fusionspirit stehen. Alle Securitymaßnahmen werden in Nachbesprechungen ausgewertet. Indem einzelne Securitymaßnahmen reflektiert werden und sich unter Umständen im Folgejahr gegen den Einsatz von bestimmten Personen entschieden wird, versuchen die beteiligten Firmen stetig, ein diskriminierungssensibleres Security Team aufzubauen.
Der Kampf für eine diskriminierungsfreie Welt ist in den vergangenen Jahren zunehmend in der Partyszene und auf Festivals hierzulande angekommen und somit auch das Thema Awareness. Wir haben das Thema schon seit 15 Jahren im Fokus und seit 11 Jahren eine Awarenessgruppe in unseren Strukturen, die bei der Fusion eine gute und wichtige Arbeit macht.

Die unterschiedlichen Konzepte von Awarenessgruppen reichen von Betroffenenberatung auf Partys über ein Ansprechen von übergriffigen Personen bis zu Kriseninterventionen bei Menschen, die nach dem Erleben von sexualisierter Gewalt oder rassistischen Übergriffen Hilfe und psychologische Unterstützung suchen. Wir haben seit ein paar Jahren ein Konzept, welches wir passend zur Fusion entwickelt haben und das regelmäßig überprüft und wenn notwendig nachjustiert wird. Darin ist, im Gegensatz zu anderen Konzepten, die Ausübung des Hausrechts für Rausschmisse und Hausverbote nicht Sache der Awarenessgruppe. Dies obliegt allein der Veranstaltungsleitung, in Absprache mit der Security. Die Veranstaltungsleitung handelt auch in Absprache mit der Awarenessgruppe und das hat in der Vergangenheit auch immer reibungslos funktioniert.

Unsere bisherige Awarenssstruktur arbeitet im Hintergrund, ist also „nur“ indirekt präsent auf dem Festivalgelände, aber rund um die Uhr erreichbar. Manchen Menschen reicht dieses Konzept nicht aus. Diese Kritik ist uns bewusst. Wir als Kulturkosmos behalten uns jedoch vor, unser Awarenesskonzept so zu formulieren und umzusetzen, wie wir es für eine komplexe Veranstaltung dieser Größenordnung für durchführbar und richtig erachten. Dabei stehen wir in einem solidarischen Diskurs mit der Awarenessgruppe und sind dankbar über diesen Austausch und deren konstruktive Kritik.

Wir wissen, dass es keine sicheren Räume gibt und auch auf der Fusion kommt es zu Übergriffen und sexualisierter Gewalt. In diesem Jahr wurden von unserer Awareness Crew unter anderem zwei transphobe Vorfälle aufgenommen. In diesem Zusammenhang ist es uns an dieser Stelle wichtig, klar und deutlich zu sagen: Wir als Kulturkosmos und das Festival an sich, stehen für die freie Auslebung von Sexualität und Geschlechtsidentität. Menschen die diese Werte nicht teilen, sind bei uns nicht willkommen!
Ein von uns immer wieder formulierter Anspruch ist es, dass eine maximale Awareness auf der Fusion erst dadurch entsteht, wenn möglichst viele Fusionist:innen auf andere achten und durch gegenseitige und kollektive Achtsamkeit übergriffiges Verhalten erkannt und diesem ein entschiedenes Handeln zur direkten Unterstützung Betroffener entgegengesetzt wird.
Diese kollektive Entwicklung hin zu „Awareness für Alle“ ist ein längerer Prozess, aber letztendlich der Weg zu einer Feierkultur, in der Diskriminierung und sexualisierte Gewalt keinen Platz haben und Betroffene konsequent unterstützt werden. Wir sind zuversichtlich, dass wir und alle Fusionist:innen, die wir dafür sensibilisieren können, hier auf dem richtigen Weg sind.

Mitarbeit

Falls du das Fusion Festival 2024 unterstützen möchtest und bereit bist, 3 Schichten ehrenamtlich zu arbeiten, dann bewirb dich als Supporter:in. Alle Supporter:innen, die uns bereits bei der Fusion 2023 unterstützt haben, können ihre Accounts ab dem 18. Dezember reaktivieren. Ab dem 2. bis zum 15. Januar können sich alle Menschen, die das erste Mal als Supporter:in dabei sein wollen, hier bewerben. Dort findest du auch alle Infos rund um die Mitarbeit als Supporter:in.

Jugendfarm

Die Bauarbeiten für die Kinder- und Jugendfarm in Lärz haben begonnen. Im kommenden Frühjahr wollen wir auch schon starten mit unserer offenen Kinder- und Jugendarbeit in Lärz.

Einige, der von uns in diesem Zusammenhang erschlossenen Baugrundstücke in direkter Nachbarschaft zur Jugendfarm, sind immer noch verkäuflich. Potenzielle Landeier, bevorzugt mit Kindern, können sich gerne unter tafelsilber@kulturkosmos.de melden.

Jobs

Wir suchen immer wieder mal neue Mitstreiter:innen im Kulturkosmos. Wir haben dafür auf der Fusion Webseite die Rubrik „Jobs“ eingerichtet. Dort findet ihr detaillierte Stellenbeschreibungen.

So weit so ok.

Wir verbleiben an dieser Stelle erst mal mit allerliebsten Grüßen an alle Fusionist:innen.

Euer Kulturkosmos“

Fusion-Besucher grüßt Polizei mit Joint: Drogenfund und Verhaftung