Diesen Monat machen wir einen Ausflug in Sachsen-An- halts Landeshauptstadt, nach Magdeburg. Was da los ist, fragt ihr euch? Nun, wenn ihr auf Techno steht, auf lange Nächte, gute Drinks und noch bessere Soundqualität, dann gibt es hier einen sehr interessanten Ausgehort für euch: den Geheimclub. Wir haben Enrico Ebert, dem Gründer und Betreiber des Clubs, ein paar Fragen gestellt, um mehr über seine Vision vom Clubleben zu erfahren.


Wie verlief dein Einstieg in die elektronische Welt? Was hat dich damals am Nachtleben und den Clubs gereizt?

Ich kam mit 13 zur elektronischen Musik, als in meiner Schule eine DJ-Arbeitsgemeinschaft angeboten wurde. Die Musik war ziemlich schräg – Gabber und Speedcore, sehr zum Leidwesen von Eltern und Nachbarn.
Mit 16 war ich das erste Mal im Tresor und im Ostgut, dort hatte ich den ersten Kontakt mit richtigem Techno – ab diesem Zeitpunkt änderte sich alles. Dieses Gefühl war schon damals unbeschreiblich; mit dem Eintreten in diese Clubs verließ man die Realität und schien in einer komplett anderen Welt zu sein. Keine Sorgen, Spannungen, keine Kriege – es war von der ersten Sekunde an ein durch und durch harmonischer Vibe. Erst ein Wochenende nach meinem 18. Geburtstag fragte man mich erstmalig nach einem Ausweis: „Mensch, knapp, viel Spaß.“

Wann kam dir zum ersten Mal der Gedanke, selbst einen Club zu betreiben? Wieso sollte es ein eigener Club sein und wieso reichte es nicht aus, einfach „nur“ Gast zu sein?

Ich bin aus Berlin nach Magdeburg gezogen und war dementsprechend verwöhnt von jener Stadt, in der das Nachtleben quasi rund um die Uhr statt- ndet. Nachdem ich angekommen war und mich im hiesigen Nachtleben etwas eingelebt hatte, suchte ich nach Techno. Also nach richtigem Techno, nicht nach dem, was einem an vielen Ecken als Techno verkauft wird. Das Komplettpaket gab es einfach nicht, und das fand ich schade. Für mich als jemanden, der diese Musik wirklich lebt, war das ein regelrecht inakzeptabler Zustand; ich konnte nicht mit ansehen, wie die Leute stets nach Berlin oder Leipzig fuhren.

Heute betreibst du den Geheimclub in Magdeburg. Welche Beziehung hast du zur Stadt und welchen Stand hat die elektronische Musik heute dort?

Magdeburg ist eine Stadt, die deutlich mehr zu bieten hat, als man als Außenstehender denkt, und muss sich daher mitnichten hinter anderen Lebensräumen verstecken. Ich fühle mich als Ex-Berliner wohl, weil es hier einfach breit gefächerte Möglichkeiten der Verwirklichung gibt. Der Stellenwert, der elektronischer Musik hier beigemessen wird, variiert stark: Frage ich meine Gäste nach deren Meinung, sind sie Feuer und Flamme. Stellt man die gleiche Frage der Führungsriege der Stadt, ist elektronische Musik quasi nicht existent, nicht beachtenswert, also gefühlt schlichtweg nicht wichtig und für die Kultur leider scheinbar völlig irrelevant.

Was steckt hinter dem Namen? Wieso Geheimclub?

Wer an unserem Gelände vorbeigeht und nicht bereits weiß, dass sich dort ein Club befindet, hat nicht nur keinen blassen Schimmer davon, was auf der anderen Seite der Gemäuer abgeht, sondern wird auch nicht mal erkennen, dass sich dort überhaupt ein Club befindet. Es kommen noch heute Magdeburger in den Club, die in all den Jahren noch nie etwas von uns gehört haben.

Was zeichnet deinen Club aus? Worauf legst du besonderen Wert, worauf bist du stolz und was möchtest du noch im oder mit dem Geheimclub umsetzen?

Für mich zählt in allen Bereichen einzig und allein die höchstmögliche Qualität. Sei es unsere Bar mit einer für Clubs ungewöhnlichen Getränkevielfalt, die Anlage oder die Auswahl der Artists, die bei uns spielen, beziehungsweise – und das ist fast noch wichtiger – die Auswahl der Artists, die nicht bei uns spielen. Der Geheimclub ist ein ganz besonderer Ort, der auch besonders bleibt – komme, was wolle. Mit dieser Ausrichtung hat sich regelrecht eine Feierfamilie geformt. Stolz bin ich immer darauf, wenn Artists, die schon etliche Clubs dieser Welt gesehen haben, den Geheimclub nach einer Nacht zu einem ihrer Lieblingsläden deklarieren.

Wie oft habt ihr geöffnet und mit welchem Programm ziehst du Woche für Woche die Leute in deinen Club?

Der Geheimclub hat unabhängig von Sommerloch, Festivalsaison oder anderen Faktoren, die für einen leereren Club sorgen könnten, jeden Samstag geöffnet. Techno ist für mich eine Lebenseinstellung – und der Club einer der wenigen Wege, diese Einstellung sichtbar zu machen. Techno ist kein Geschäft, das man nur dann betreibt, wenn ein besonders großer Ertrag zu erwarten ist.

Was steht bei euch 2019 noch an?

Geplant sind dieses Jahr unter anderem noch Oliver Deutschmann, Cristian Marras, Blue Hour, DJ T.A.G. und AHXAT. Besonders freue ich mich auf die defaultbox-Labelnight.

Wie schätzt du die Lage der Clubs in Deutschland mo- mentan ein? Welche Trends zeichnen sich deiner Meinung nach ab und worauf müssen sich Betreiber und Gäste zukünftig einstellen?

Das zu beantworten, ist nicht einfach – Clubs kommen und Clubs gehen. Beobachten lässt sich allerdings, leider, dass gerade Clubs, die aus Überzeugung eine kulturelle Nische bedienen, häu ger von der Schließung bedroht sind als andere. Die Gründe dafür mögen vielschichtig sein; mir zumindest bricht es das Herz, wenn ich sehe, dass kleine Clubs wie das tba oder Betty Elms schließen.

Für viele Menschen bilden Clubs einen gewissen Rückzugsort – der Alltag soll hier vor der Tür bleiben. Wie viel Verantwortung sollte ein Club trotz dieser Tatsache übernehmen in Bezug auf aktuelle brisante Themen wie zum Beispiel politische Bildung und soziales Miteinander?

Für mich sind Clubs mitnichten nur Orte zum Feiern, sie haben eine viel größere gesellschaftliche Aufgabe. Sie sind Seelsorger, Ratgeber, für viele eine zweite Familie und meiner Meinung nach auch eine Art Erzieher. Für einen Technoclub ist es schon fast verpflichtend, diese Musik mit all ihren zugehörigen Parametern zu repräsentieren und eben nicht nur nach den Rosinen zu suchen. Techno steht für Toleranz und Weltoffenheit, also sollten die Clubs, die sich dieser Musik bedienen, auch tolerant und weltoffen sein und sich entsprechend politisch engagieren. Man kann in meinen Augen nicht auf der einen Seite Jeff Mills buchen und auf der anderen Seite durch Schweigen und Nichtstun die Diskriminierung von Menschen anderer ethnischer Herkunft einfach hinnehmen. Clubs haben eine immense Reichweite, prägen das Publikum. Das sollte viel stärker für ein friedliches Miteinander eingesetzt werden – von allen.

 

Geheimclub Magdeburg
Münchenhofstraße 37, 39124 Magdeburg
www.geheimclub.de

PROGRAMM OKTOBER:
Freitag, 11.10.2019 | 23:59-08:00
.defaultbox Labelnight
Gate7:
Repressed Mind (Sculptures)
Patrick Brosin (.defaultbox)
Barrel (.defaultbox)
Kegen Hall (.defaultbox)
Samstag, 12.10.2019 | 23:59-10:00
Dunkle Gestalten – Darktechno
Gate7:
Volex (Acidscrapers)
Magnus (You’re invited. Geheimclub)
DXTN (You’re invited. Geheimclub)
Check In:
Till The End (Flugbegleiter)
JG101 (Flugbegleiter)
Mittwoch, 16.10.2019 | 19:29-03:00
Ami Perdy – Kino & Party
Floorkino:
Als wir träumten.
Trailer: www.youtube.com/watch?v=FIkp_vq-gOg&t=6s
Gate7:
Geheimclub Residents
Check In:
Flugbegleiter Residents
Samstag 19.10.2019 | 23:59-10:00
GC invites Richard Bredicz
Gate7:
Richard Bredicz (Klub Elektrik)
Dynamic Perceptions (You’re invited. Geheimclub)
DXTN (You’re invited. Geheimclub)
Check In:
Carlo (Flugbegleiter)
Niklas Albrecht (Flugbegleiter)
Donnerstag 24.10.2019 | 20:59-03:00
Geheimlaboratorium – New Local Talents
Gate7:
Pesante
Noëtik
Host: Jan Goertz
Freitag: 25.10.2019 | 23:59-08:00
Drec Labelnight
Gate7:
Georg Bigalke (Drec)
Patrick Der (Drec)
Unart8 (Drec)
Samstag, 26.10.19 | 23:59 – 10:00 Uhr
GC invites Ismus
Gate7:
I.E (Ismus)
TooMuch (Ismus)
Pernox (You’re invited. Geheimclub)
VoidFox (You’re invited. Geheimclub)
Check In:
Carlo (Flugbegleiter)
David Dean (Flugbegleiter)

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