Von wann bis wann warst du im Musikbusiness tätig und was hast du dort genau gemacht?
Von 1991 an habe ich als DJ aufgelegt, ab 1992 bei der Raveline als Autor, Redakteur, später als Chefredakteur gearbeitet. 1994 zum Deep Magazine in Krefeld gewechselt. Dort 1995 das Handtuch geworfen und damit auch alle anderen Tätigkeiten im Musikbusiness an den Nagel gehängt.

Wie bist du seinerzeit dort gelandet? Wolltest du immer schon über Musik schreiben oder war das eher ein Zufall?
Ich steckte damals, also 1992, mitten in meinem Volontariat bei einem Wochenblatt. Der Gedanke, meine Berufung (das Schreiben) mit meiner Leidenschaft (Musik) zu verbinden, war verlockend. Deshalb bin ich nach Volontariatsende hauptberuflich in den Musikjournalismus gewechselt.

Warum hast du beschlossen, diesem Business den Rücken zu kehren und lieber über andere Dinge zu schreiben? Gab es eine Initialzündung oder war das ein schleichender Prozess?
Na, das Übliche: Der Herausgeber des Deep Magazines entpuppte sich als krummer Vogel – wie zuvor schon viele andere – weshalb ich keinen Bock mehr aufs Business verspürte. Ich blieb zwar noch ein oder zwei Jahre im Journalismus, war Chefredakteur bei einem Stadtmagazin, aber immer mit dem festen Ziel, mir schon bald meinen Kindheitstraum zu erfüllen: Schriftsteller.

Wie hat sich deine Karriere seit deinem Ausstieg seinerzeit entwickelt?
Bestens. Seit inzwischen 15 Jahren arbeite ich freiberuflich als Schriftsteller, habe in dieser Zeit mehr als 30 Sachbücher veröffentlicht (eines davon vielbeachtet über die Techno-Szene). Vor fünf Jahren gelang mir der angestrebte Wechsel in die Belletristik. Seitdem schreibe ich überwiegend Krimis und Thriller, bislang für den Goldmann Verlag, ab August für den Ullstein Verlag.

Welches sind die Projekte deiner bisherigen Schriftstellerkarriere, die dir bis heute besonders am Herzen liegen?
In erster Linie natürlich meine Romane, weil mit deren Erscheinen sich ein Kindheitstraum erfüllt hat. Ich wollte schon immer so spannende Bücher schreiben wie meine großen Idole Karl May, Agatha Christie, Stephen King, deren Werke ich als kleiner Junge nächtelang verschlungen habe. Aber nebenher nehme ich mir immer wieder auch Zeit, Sachbücher zu verfassen, vorwiegend Biografien: bisher über Tattoo-Theo, Nina Hagen, Sido, eine Rotlichtgröße aus dem Ruhrgebiet …

Gerade sind der Thriller „Kalte Haut“ und die Kurt Cobain-Biografie „I Don’t Have A Gun“ erschienen, zwei doch sehr unterschiedliche Projekte. Wie wichtig ist dir die Abwechslung beim Schreiben?
Sehr wichtig. Es braucht etwa sieben bis acht Monate, bis ich einen Roman fertig gestellt habe. Das laugt mich ganz schön aus, weil ich mich in dieser Zeit nur schwer von der Geschichte lösen kann. Das ist so in etwa, als würdest du einen spannenden Film gucken – nur dass er nicht 90 Minuten dauert, sondern sieben bis acht Monate.
Das Schreiben einer Biografie ist danach eine Erleichterung für mich. Der ideale Ausgleich.

Zwar beschäftigst du dich als Autor ja durchaus noch mit dem Thema Musik, aber könntest du dir vorstellen, jemals wieder in den Musikjournalismus zurück zu kehren?
Musik ist für mich sehr wichtig, vor allem elektronische. Ohne geht es nicht. Ein Kritiker hob kürzlich lobend hervor, dass ich meinen Romanen immer einen Soundtrack gebe. Musik unterschiedlichster Natur kommentiert Handlung und Protagonisten. Aber dies und natürlich mein privates Musikvergnügen sind auch schon alles. Eine Rückkehr in den Musikjournalismus ist ausgeschlossen. Dazu liebe ich die Schriftstellerei viel zu sehr.

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