Wie lang hast du im Musikbusiness gearbeitet und was hast du genau gemacht?

Insgesamt habe ich zwölf Jahre im Musikbusiness gearbeitet. 1995 habe ich bei edel records als Presse- und Radiopromoterin für den Bereich Dancemusik angefangen, wurde nach einem Jahr von dem damaligen Dancelabel Urban (vormals Polygram später Universal Music) abgeworben, wo ich sieben Jahre Pressearbeit für Künstler aus dem Bereich Dance und später Pop und R’n’B gemacht habe. Als Universal 2003 nach Berlin zog, bin ich in Hamburg geblieben und habe als freie Pressepromoterin für verschiedene Labels gearbeitet (u.a. für Paul van Dyk, Mousse T. etc.). Zu der Musik kam später die Pressearbeit für Clubs und große Events (Sensation White) hinzu. Und auch für Kinofilme habe ich PR gemacht.

Wann hast du festgestellt, dass du lieber etwas ganz anderes machen würdest?

Eigentlich spielte ich schon mit dem Gedanken, etwas anderes machen zu wollen, als Universal 2003 nach Berlin umzog und ich überlegte, wie es in Hamburg weiter gehen könnte. Jedoch fehlte mir noch die richtige Idee, in welche Richtung ich mich orientieren wollte. Darum habe ich zunächst weiter PR gemacht.

Was waren schließlich die für den Wechsel? Was hat dich am Musikbiz gestört?

Das Musikbiz ist sehr schnelllebig. Ständig neue Künstler, wechselnde Trends, hoher Druck und alles sehr oberflächlich. Man opfert viel von seiner privaten Zeit und auch von persönlichen Wertvorstellungen. Ich liebe Musik, aber ich bin nicht bereit gewesen, meine Seele für den Erfolg anderer Menschen zu verkaufen.

Wie bist du auf die Idee mit dem Hundesitting gekommen?

Eher zufällig habe ich vor über fünf Jahren von einer Freundin erfahren, dass sie ihren Hund in einen Hundekindergarten gibt, wo er tagsüber betreut wird, weil sie ihn nicht mit zur Arbeit nehmen durfte. Da ich mit Hunden aufgewachsen bin und bis auf die Zeit, in der ich im Musikbiz gearbeitet habe, immer einen Hund hatte, war mein größter Wunsch, wieder einen vierbeinigen Freund an meiner Seite zu haben. Da ich als Pressepromoterin ständig auf Reisen und abends lange im Büro war, konnte ich zu der Zeit keinen eigenen Hund haben. Die Idee mit der Hundebetreuung ließ mir keine Ruhe, und so recherchierte ich monatelang, bildete mich fort und machte mich Anfang 2007 mit der Pfotenbetreuung selbstständig.

Was ist es, was dir an diesem Job gut oder gar besser gefällt?

Ich bin mein eigener Chef, und die Arbeit mit den Hunden macht mir wahnsinnig Spaß. Es ist spannend zu sehen, wie Hunde untereinander kommunizieren, wie sie lernen und sich in bestimmten Situationen verhalten. Ich lerne jeden Tag von ihnen und sehe, wie viel Freude sie haben, wenn sie miteinander toben oder wenn man sich mit ihnen beschäftigt. Es gibt keine Menschen, die ihre Dankbarkeit so deutlich zeigen können wie die Tiere es tun. Dass ich so schnell so erfolgreich mit der Pfotenbetreuung sein würde, hätte ich am Anfang nicht gedacht. Schon nach wenigen Monaten war ich nahezu ausgebucht und konnte sehr gut davon leben. Heute kann ich mir meine Kunden aussuchen, habe am Tag zwischen 15 und 18 Hunde und genieße die Stunden draußen, egal, bei was für einem Wetter.

Denkst du auch schon mal wehmütig an frühere Zeiten zurück?

 Ich denke ab und zu gerne an die Zeiten bei Universal. Wehmütig allerdings nicht. Das war ein Teil meines Lebens, der sehr wichtig und schön war, jedoch abgeschlossen ist.

 Gibt es bis heute noch bestehende Berührungspunkte mit dem Musikbusiness?

 Eher nicht. Die Kontakte sind im Laufe der Jahre eingeschlafen und ich habe andere Interessen.

Wie hat der Wechsel deinen Freundeskreis beeinflusst? Und wie ist deine Entscheidung seinerzeit aufgenommen worden?

Meine Familie, einige Freunde und Bekannte waren natürlich anfangs skeptisch, da sie sich nicht vorstellen konnten, dass man damit wirklich Geld verdienen kann. Mein Freund John und meine engsten Freunde haben mich jedoch sehr unterstützt, und mittlerweile haben wohl alle gesehen, wie gut die Pfotenbetreuung läuft und wie viel Spaß mir die Arbeit mit den Hunden macht. Der Freundeskreis hat sich schon verändert, da man auch sein Leben verändert. Ich gehe kaum noch auf Partys oder in Clubs, dafür bin ich viel mit meinen eigenen drei Hunden unterwegs. Somit habe ich auch mehr Freunde mit Hunden, deren Lebensmittelpunkt auch vier Pfoten hat und draußen in der Natur stattfindet.

Kannst du dir vorstellen, noch einmal im Leben einen solch extremen Wechsel zu vollziehen?

 Unbedingt. Es gehört sicher eine Menge Mut dazu aber ich habe die Entscheidung nie bereut. Allerdings würde in der Zukunft der Wechsel wohl nicht mehr ganz so extrem sein, denn Hunde sind mein Leben und ich werde, in welcher Form auch immer, weiter mit Hunden arbeiten.

Würdest du sagen, dass du heute glücklicher bist als damals?

Ich war damals nicht unglücklich, ich habe nur irgendwann gemerkt, dass das Musikbiz nicht alles für mich bedeutet. Mein Leben hat sich komplett verändert und ich habe das Glück gehabt, einen neuen Beruf für mich zu finden, der mich erfüllt und zufrieden macht. Der mich jeden Tag Neues lehrt und mir noch weitere offene Wege bietet. Ich bin glücklich, dass ich den Mut hatte, diesen neuen Schritt zu gehen, Erfolg damit zu haben und mein Leben so zu gestalten, dass ich das Gefühl habe, das Richtige zu tun.

www.pfotenbetreuung.de