grandbrothers


Lukas Vogel und Erol Sarp haben sich vor sieben Jahren am Düsseldorfer Institut fürMusik in Medien kennengelernt und dort auch ihr Projekt Grandbrothers gestartet. 2014 erschien die erste EP „Ezra“, ein Jahr später das gefeierte Debütalbum „Dilation“ – beide auf FILM. Mit ihrem neuen Album „Open“, das am 20. Oktober erschien, sind sie bei City Slang gelandet.

Euer Debütalbum „Dilation“ ist vor zweieinhalb Jahren herausgekommen. Ändert sich im Laufe der Zeit die Sichtweise auf das Album? Oder gibt es eine Essenz, die man mitgenommen hat?

Lukas: Ich denke es ist klar, dass es bestimmte Stücke von dem alten Album gibt, die wir mittlerweile schon so oft gespielt haben, dass wir ihrer etwas überdrüssig geworden sind. Insgesamt stehen wir aber immer noch hinter dem Sound des ersten Albums, auch wenn wir diesen mittlerweile weiterentwickelt und intensiviert haben.

Gerader ist euer neues Album rausgekommen. Was für ein Gefühl überwiegt da zur Zeit? Zufriedenheit? Leichtigkeit, dass es endlich draußen ist? Oder was ganz anderes?

Lukas: Wir sind sehr glücklich. Diesem Moment haben wir jetzt schon eine ganze Weile entgegengefiebert, da wir es schon vor einem Jahr aufgenommen haben. Wir sind sehr gespannt, wie die Leute das Album annehmen. Ob es zum Beispiel Leute gibt, denen zwar das erste Album gefallen hat, der neue Sound aber nicht so. Überwiegend herrscht aber gerade die Vorfreude auf die Tour und alles was sich dann daraus entwickelt.

Das berühmt-berüchtigte zweite Album, das nicht mehr die Leichtigkeit eines Debütanten hat und daher vielen Künstlern etwas mehr Kopfzerbrechen beschert. Ist das bei euch auch so gewesen? 

Erol: Nein, wir haben uns da eigentlich gar nicht gestresst. War ja jetzt auch nicht so, dass die Musik- und Medienwelt sehnsüchtig auf das nächste Album gewartet hat. Wir haben uns die Zeit genommen, die wir brauchten, haben live immer mal wieder ein paar der neuen Ideen und Stücke ausprobiert und so über einen Zeitraum von ca. anderthalb Jahren das neue Album entwickelt. Wir hatten von Anfang an ein paar neue Ideen was den Klang angeht und haben diese dann in die neuen Stücke eingebaut. Im Vergleich zum ersten Alben nutzen wir viel mehr Effekte, was den Songs eine gewisse Dichte und Kraft gibt. Zudem haben wir ein neues technisches Element, das nach dem Prinzip eines E-Bows funktioniert und die Saiten zum schwingen anregen kann. Die ersten Töne, die man auf dem Album hört sind genau diese (wir nennen sie) Bows.

Wie kann man sich ein Tag im Studio vorstellen, wie läuft das bei euch ab? und hat sich da grundlegend was verändert im Gegensatz zu früheren Zeiten?

Lukas: Wir treffen uns ein bis zweimal in der Woche in unserem Studio in Bochum. Meistens sind vormittags noch organisatorische Dinge zu klären, so dass wir kurz vor Mittag zum Proben kommen. Wenn wir uns nicht gerade auf ein Konzert vorbereiten müssen, entwickeln wir neue Ideen und Stücke. Dies läuft fast immer so ab, dass wir auf einer kleinen musikalischen Idee anfangen zu jammen und dann daraus weitere entstehen. Wir nehmen dann immer alles auf, was wir spielen, suchen uns die besten Stellen raus und arbeiten damit weiter.

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Das Album ist draußen. ist man dann schon vom Kopf her bei neuen Ideen und probiert die auch im Studio aus?

Erol: Ja, definitiv. Wir überlegen immer, welche neuen technischen Elemente wir noch einbauen könnte. Neben den Hämmern und den Bows gibt es da gerade schon ein paar Überlegungen. Gerade sind wir aber erstmal komplett in die Promo fürs Album und die dann anstehende Tour involviert, sodass das gerade alles etwas warten muss, damit wir dann vernünftig auftreten können im November.

Könnt ihr euch vorstellen, weitere Instrumente in eure Musik einzubauen oder auch mal mit einem Orchester zusammenzuspielen?

Erol: Auf jeden Fall. Gerade mit einem Orchester zusammenzuarbeiten fänden wir wahnsinnig spannend. Das könnte dann möglicherweise etwas in Richtung Filmmusik sein – ein Thema, das uns von Anfang immer begleitet hat.
Abgesehen davon ist nicht auszuschließen, dass wir mit dem Konzept Alles kommt aus dem Klavier eines Tages vielleicht eh auch mal brechen müssen, wenn wir merken, dass wir nichts Spannendes mehr zu erzählen haben. Das ist aber alles noch nicht konkret, weil wir gerade noch das Gefühl haben, dass wir noch nicht ganz fertig sind mit dem Flügel …

 

Aus dem FAZEmag 069/11.2017
www.grandbrothersmusic.com
Foto Flügel: Amos Fricke
Foto Grandbrothers: Tonje Thilesen