
Wo früher Bässe durch die Nacht dröhnten, entstehen heute glatte Neubauten. Das Berliner Kunstkollektiv „steinzeit.alter“ möchte dem Clubsterben nicht tatenlos zusehen und setzt geschlossenen Clubs Denkmäler – in Form echter Grabsteine.
Dafür verwenden die drei Künstler ausgemusterte Steine, die sie neu beschriften, polieren und an ehemaligen Clubstandorten platzieren. „Ich dachte: Wenn schon alles stirbt, dann wenigstens mit Stil“, sagt einer der Steinmetze und Mitgründer des Projekts gegenüber der Berliner Zeitung.
Der erste Stein entstand vor rund neun Monaten für das Watergate (FAZEmag berichtete), das Ende 2024 schloss. Fans legten Kerzen und Blumen ab, bevor der Stein nach neun Tagen verschwand.
Es folgten weitere Gedenksteine für Clubs, die das Berliner Nachtleben geprägt hatten. Für die Griessmühle in Neukölln schufen sie ein interaktives Mahnmal aus leuchtendem Marmor. Die Farben ließen sich über eine Fernbedienung ändern – der Code lag im Schlüsselkasten.
„Leute konnten mit dem richtigen Code selbst die Farben ändern“, erklärt ein weiterer Mitstreiter. Der Stein hängt bis heute an der Sonnenallee und ist zum Symbol für den Verlust eines Szene-Ortes geworden.
Ein weiterer Gedenkstein stand beim ehemaligen Rosi’s, geschmückt mit Miniaturfiguren, Diskokugel und Spieluhr. „Leider war er schnell weg. Wahrscheinlich zu früh abgenommen, bevor der Kleber ausgehärtet war“, kommentiert ein drittes Mitglied des Kollektivs.
Ihre Arbeiten verstehen die Künstler nicht nur als Kunstaktion, sondern als Protest gegen Verdrängung und Gentrifizierung. „Du ziehst in den Kiez, weil er cool ist – und beschwerst dich dann über den Lärm“, kritisieren sie.
Für sie stünde fest: Clubs sterben an steigenden Mieten, Auflagen und fehlender Toleranz. Früher seien sie selbst regelmäßig in Locations wie Griessmühle, Magdalena, Sisyphos oder Golden Gate unterwegs gewesen – Orte, die teils längst Geschichte sind.
Der nächste Grabstein ist bereits in Arbeit, Details wollen die Künstler aber nicht verraten. „Ihr werdet es in den nächsten Wochen sehen“, sagt Dave. Anlass gäbe es genug: Mit der geplanten Schließung der Renate 2025 verliert Berlin einen weiteren Kultclub. Auch Mensch Meier, Rummels Bucht und Ipse gehören zu den Orten, die in den Kommentaren auf Instagram von Usern genannt werden.
„Da wo ein Name auf einem Stein steht, lebt die Seele weiter! Angesichts der Tatsache, dass wir in den letzten Jahren unzählig viele Clubs eintauschen mussten in Büroflächen und so ein Quatsch, ist es genau so wichtig daran zu erinnern wie es einmal war“, hieß es bereits Anfang des Jahres auf Instagram.
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Quelle: Berliner Zeitung
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