
Unter der Hamburger Sternbrücke pulsierte jahrzehntelang das Nachtleben: Clubs wie Fundbureau, Waagenbau, Molotow und die Astra Stube waren feste Größen der Szene – vor allem für Techno und Subkultur. Mit dem Abriss der Brücke mussten alle Spielstätten schließen. Nun hat das Museum für Hamburgische Geschichte die Clubs per 3D-Scan digitalisiert und zeigt die Rekonstruktionen vom 17. bis 20. September auf dem Reeperbahn Festival.
Die Kuratoren Anna Symanczyk und Sönke Knopp erklären, warum die Erinnerung bewahrt werden soll. „Clubs gehören einfach zur DNA Hamburgs. Sie sind nicht nur Orte für Partys, sondern soziale Räume, in denen Subkulturen entstehen“, so Knopp gegenüber der ZEIT. Symanczyk ergänzt, dass das Projekt auch neue Zugänge für ein jüngeres Publikum schaffe.
Die 3D-Modelle ermöglichen virtuelle Rundgänge – inklusive Musik, Videos und Texten. Fast wie bei Google Street View können Besucher durch die Räume navigieren und so ein Stück Atmosphäre zurückgewinnen. „So entsteht ein multimedialer Erinnerungsraum“, sagt Knopp.
Neben der Digitalisierung sicherte das Museum auch Originalobjekte. Aus dem Fundbureau wurden Bodenplatten mit Logo geborgen, aus dem Waagenbau ein großes, mit Stickern überzogenes Industriefenster. Knopp erinnert sich: „Einen leeren, dunklen Club zu betreten, der sonst voller Leben war, hatte etwas Gespenstisches.“
Die Ausstellung knüpft an Hamburgs reiche Clubgeschichte an – von den Beat-Clubs der 1960er auf St. Pauli über die Eppendorfer Szene rund um Onkel Pö bis hin zur Rückkehr der Subkulturen in den späten 1980ern. Langfristig soll eine große Sonderausstellung zur Musikgeschichte Hamburgs folgen, in der auch die 3D-Scans eine Rolle spielen.
Ziel sei es, zu zeigen, dass Clubs mehr sind als Orte für Musik. Symanczyk: „Sie sind Treffpunkte, Netzwerke, manchmal sogar kleine Familien.“ Wenn es gelingt, diese Erinnerungen lebendig zu halten, so Knopp, „dann erfüllt das genau unseren Auftrag.“
Quelle: Zeit Online
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