Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Geschwindigkeit sich der Hype um die aus Hamburg stammende Helena Hauff in den vergangenen paar Jahren geformt hat und welche Dimensionen er angenommen hat. Taucht man in die Hauff’sche Welt ein und lässt sich von den analogen und größtenteils roh belassenen Sounds einnehmen – im besten Falle im Rahmen eines ihrer DJ-Sets, die von Acid, Electro, EBM, Techno und Post-Punk dominiert sind –, versteht man, warum. Das Crack Magazine verlieh ihr 2017 den Titel „The Most Exciting DJ In The World (Right Now)“, ihr BBC-Essential-Mix wurde zum besten des Jahres 2017 gewählt. In den Breitengraden des Hamburger Pudel-Clubs musikalisch sozialisiert, debütierte sie 2015 auf dem Langspieler-Parkett, damals auf Werkdiscs. Nun erschien am 3. August mit „Qualm“ ihr neues Werk, mit dem sie zwölf neue Titel präsentiert.

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Dabei war es ihr Ziel, etwas Powervolles mit so wenigen Instrumenten wie möglich zu erschaffen. „Ich habe ungefähr ein Jahr daran gearbeitet. Es ist schwierig, Zeit zu finden bei der ganzen Reiserei, aber irgendwie ist es dann doch fertig geworden. Ich finde es sehr faszinierend, aus wenigen Elementen Starkes zu machen. Manchmal sind die einfachen Sachen bedeutungsvoller als die komplexen. Die stabilste mathematische Konstruktion ist das Dreieck. Es ist einfach perfekt in seiner Einfachheit“, erzählt sie. „Als ich angefangen habe, Musik zu machen, wollte ich immer ein bisschen so klingen wie die Sachen auf Bunker, so wie diese holländischen Acid-Geschichten, und die sind alle wahnsinnig reduziert. Nur mit einem Synthesizer und einer Drum-Machine – mit wenigen Mitteln etwas Eindrucksvolles zu erschaffen, fasziniert mich sehr. Mit ,Discreet Desires’ bin ich andere Wege gegangen. Danach wollte ich aber unbedingt wieder zurückgehen zu meinem eigentlichen Sound, mit kleinteiligen Elementen und einer sehr reduzierten Inszenierung. An der Idee musste ich mich noch mal abarbeiten – entstanden ist dann ,Qualm’ als direkter Gegenpol zu ,Discreet Desires’.“ Dazu dient ihr die analoge Arbeitsweise bei Weitem mehr als die digitale, sieht sie in der Produktion mit Maschinen, Synths und Drum-Machines doch auch einen Dialog. „Du gibst etwas rein und bekommst auch irgendwas zurück, manchmal etwas, mit dem du nicht rechnest. Computer reagieren auf Befehle, mit der Maschine stehe ich im Dialog. Das ist ein anderes Verhältnis. Wenn man bei der Arbeit mit dem Computer etwas Unerwartetes zurückbekommt, ist das meist frustrierend, eigentlich immer negativ. Da gibt es keine schönen Überraschungen. Man kann mit Computern tolle Musik machen. Ich nicht.“

Inspirieren ließ sie sich für „Qualm“ zu einem großen Maß von I-Fs „Lost Tracks For Lost Minds“. „Sowohl Moral wie auch Kyle Hall dienten mir als Inspiration für das Album. ,Discreet Desires’ sehe ich als ein Projekt. Ich wollte einen ganz bestimmten Sound machen, ich war inspiriert von dem Foto, das dann als Cover diente. Für das neue Album wollte ich zurück zu einer reduzierteren Arbeitsweise; ich wollte wenige Maschinen benutzen, wenige Spuren, jammen. Und ich wollte meine 303 stark einbinden, die in dem letzten Album gar nicht vorkam, obwohl es meine Lieblingsmaschine ist.“ Der Musik bereits im Vorhinein etwas aufzuerlegen und darin etwas „Großes, Schönes und Neues“ zu sehen, findet sie allerdings albern. „Es ist ja im Endeffekt auch nur Techno. Musik ist eben, was sie ist. Ich mache das, worauf ich Bock habe, und mache mir selbst nicht allzu viele Gedanken darüber, ob ich radikal und neu bin. Ich mache es einfach für mich selbst. Ich erwarte von niemandem, dass er meine Musik mag. Wenn es dann Leute gibt, die meine Musik mögen, ist das natürlich super“, fügt sie lachend hinzu. Die Anzahl der Leute, die Helena Hauff mit ihrer Musik begeistert, scheint nicht gerade gering zu sein. Ihr Tour-Schedule wächst, die freien Wochenenden sind nahezu nicht vorhanden. In den kommenden Wochen stehen unter anderem Shows bei Dekmantel, Dimension und auf dem Flow Festival an. Auch im Amnesia auf Ibiza wird sie gemeinsam mit Nina Kraviz am Start sein.

Aus dem FAZEmag 078/07.2018
Text: Triple P.
Foto: Fabien Hammerl
www.facebook.com/helenahauff

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