
Erneut sorgt ein tragischer Vorfall im beliebten Hotel „Ibiza Rocks“ für internationale Schlagzeilen.
Der 19-jährige schottische Eishockeyspieler Gary Kelly ist in der Nacht von Sonntag auf Montag bei einem Sturz vom Balkon eines Hotelzimmers im dritten Stock ums Leben gekommen. Die Rettungskräfte konnten nichts mehr für ihn tun.
Kelly galt als eines der hoffnungsvollsten Talente im schottischen Eishockey. Seine Karriere begann beim Erstligisten Dundee Stars, zuletzt spielte er auch für die Aberdeen Lynx. Trotz einer verletzungsbedingten Pause hatte er bereits ein Comeback für den Winter geplant.
Die genaue Ursache des Sturzes ist bislang unklar. Was in diesem Fall besonders beunruhigt: Es handelt sich nicht um den ersten tödlichen Balkonsturz im Ibiza Rocks in diesem Sommer. Bereits Anfang Juli verunglückte dort ein weiterer schottischer Tourist auf identische Weise.
Das Hotel hat nach den Vorfällen alle Veranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt. In einem offiziellen Statement des Hotels heißt es: „Wegen der Ernsthaftigkeit der Situation und aus Respekt vor den Betroffenen sagen wir alle Veranstaltungen ab.“
Man sei „zutiefst schockiert und erschüttert“ und betonte, die Sicherheit der Gäste habe „höchste Priorität“. Dennoch geraten Hotel und Behörden zunehmend unter Druck. Hintergrund der Diskussion ist ein seit Jahren bekanntes Phänomen: das sogenannte „Balconing“.
Gemeint ist damit das absichtliche oder alkoholisierte Springen von Hotelbalkonen – meist in Pools oder auf andere Zimmer. Oft geht es dabei um Mutproben oder Selbstdarstellung in sozialen Medien. Die Folgen sind nicht selten tödlich.
Reiseautor Kirk Field beschreibt das Phänomen in seinem Buch „Planes, Trains & Amphetamines: Clubbing Holiday Confessions“. Seit über 25 Jahren beobachtet er britische Urlauber im Ausland.
Er schreibt: „Einige Hoteliers bestehen mittlerweile darauf, dass Gäste, die ausdrücklich einen Balkon wünschen, eine Verzichtserklärung unterschreiben.“ Field verweist auch auf politische Maßnahmen:
„Im Jahr 2023 kündigte die Balearen-Regierung Pläne an, Urlauber mit einer Geldstrafe von 36.000 € zu belegen, wenn sie beim sogenannten Balconing erwischt werden.“ Ziel sei es, Touristen durch empfindliche Strafen von riskantem Verhalten abzuhalten – mit zweifelhaftem Erfolg.
Der Autor schildert drastische Beispiele: 2019 versuchte ein junger Brite, einen Unfall am Hotelpool auf verschüttetes Wasser zu schieben – dabei kursierte gleichzeitig ein Video, das ihn betrunken bei einem waghalsigen Sprungversuch zeigte. „Er traf weder den Baum noch die Zahlung – und musste die 37.000 € am Ende selbst zahlen.“
Field kritisiert auch die Motivation hinter solchen Aktionen: „Kein Sommer vergeht, ohne dass ein britischer Urlauber beim sogenannten ‚Balconing‘ entweder stirbt oder sich lebensverändernde Verletzungen zuzieht – sei es durch einen Unfall oder mit Absicht.“ Viele Fälle entstehen unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen.
Auch auf politischer Ebene wird das Problem diskutiert. José Antonio Ferragut, Tourismusbeauftragter von Sant Antonio, wurde 2021 von der Diario de Ibiza gefragt, wie sein ideales Urlaubspublikum aussehe.
Seine Antwort: „Solche, die keine Notdienste in Anspruch nehmen und wissen, wie man einen Balkon benutzt.“ Der aktuelle Todesfall wird den Druck auf Behörden und Hoteliers weiter erhöhen.
Die Frage, wie sich solche Unfälle in Zukunft verhindern lassen, bleibt drängend. Ob strengere Gesetze, bauliche Veränderungen oder Aufklärungskampagnen – eines ist klar: Ein weiteres Opfer wie Gary Kelly darf es nicht geben.
Quelle: Frankfurter Rundschau
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