In neuem Glanz: Reissues von Heldon und Flying Lotus

Heldon – Agneta Nilsson (Heldon IV) (Urus Records, 1976)

Mit „Agneta Nilsson“ (Heldon IV) vertieften Heldon 1976 ihren eigenwilligen Kurs zwischen elektronischer Avantgarde, Progressive Rock und experimenteller Klangforschung. Unter der Leitung von Richard Pinhas entwickelte sich das Projekt in dieser Phase zunehmend zu einem Labor für hypnotische Synthesizerflächen, repetitive Strukturen und bewusst reduzierte Arrangements, wodurch viel Raum für Atmosphäre und Intensität entstand. Besonders prägend ist die mehrteilige Komposition „Perspective“, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Statt klarer Songformate entfaltet sich hier ein dichtes Geflecht aus Klangschichten, in dem Stillstand und Bewegung zugleich stattfinden. Gitarren, Elektronik und rhythmische Elemente greifen ineinander und erzeugen eine Spannung, die eher körperlich als melodisch wirkt. Gerade diese kompromisslose Herangehensweise machte Heldon zu einer wichtigen Referenz für spätere Entwicklungen in Ambient, Industrial und experimenteller Elektronik.

Zum 50. Jubiläum des Albums gibt es nun ein auf 500 Exemplare limitiertes Reissue, das am 22. Mai via Bureau B erscheint.

bureau-b.com

Flying Lotus – 1983 (Plug Research, 2006)

Mit der Neuauflage seines Debütalbums „1983“ wird ein frühes Kapitel in der Karriere von Flying Lotus neu beleuchtet. Ursprünglich 2006 erschienen, markiert das Album den Ausgangspunkt eines künstlerischen Weges, der später zu stilprägenden Werken wie „Cosmogramma“, „Until The Quiet Comes“ und „You’re Dead!“ führte. Anlässlich des Record Store Day im April ist das Werk nun remastert auf Vinyl erschienen und parallel erstmals in dieser Form auf Streaming-Plattformen verfügbar – ein symbolischer Moment auch für sein eigenes Label Brainfeeder. Entstanden in der privaten Atmosphäre des Kinderzimmers seiner Großmutter, zeigt „1983“ bereits jene kreative Handschrift, die Steven Ellisons späteres Schaffen prägen sollte. Die Tracks verbinden Hip-Hop-Ästhetik, Jazz-Einflüsse und komplexe rhythmische Strukturen zu dichten Klangcollagen, die sich bewusst jenseits klassischer Beat-Formeln bewegen. Besonders die rhythmische Offenheit, inspiriert unter anderem von brasilianischer Musik und der Produktionsweise von J Dilla, deutet früh auf einen Künstler hin, der elektronische Musik als Experimentierfeld versteht.

Das Reissue zu „1983“ ist am 18. April via Ninja Tune erschienen.

ninjatune.net