Jasmin Blust – „Ein Traum nach dem anderen wurde Wirklichkeit“

Foto: Marie Vogt

Von der Newcomerin zur festen Größe auf den großen Bühnen – Jasmin Blust hat in nur wenigen Monaten gezeigt, dass ihr kometenhafter Aufstieg kein Zufall ist. Dies haben wir in Interviews mit ihr bereits durchleuchtet. Spätestens seit ihrer Auszeichnung als „FAZEmag Breakthrough Artist 2025“ in unserem Jahrespoll zählt die sympathische DJ und Produzentin aus Offenburg zu den spannendsten Acts im Bereich Melodic-Techno und Progressive-House. Ihr energiegeladener, emotionaler Sound hat sie in diesem Jahr auf die Mainstages von Sea You, Ruhr-in-Love, Smag Sundance und dem Mülheim Summer Open-Air geführt. Dazu kamen zwei ausverkaufte Indien-Touren und ihr Debüt bei Ultra Resistance in Kroatien – Meilensteine, die ihre internationale Entwicklung eindrucksvoll unterstreichen.

Auch abseits der großen Festivals setzt Jasmin Akzente: Mit ihrer ersten Residency im Karree Club in Freiburg schafft sie sich eine feste musikalische Heimat, während sie im Studio an neuen Releases arbeitet, die 2026 erscheinen sollen. Für den FAZEmag-DJ-Mix im November zeigt sie nun, was ihren Sound so besonders macht – eine Mischung aus euphorischer Energie, melodischer Tiefe und echter Leidenschaft. Im Interview spricht Jasmin über ein Jahr voller Highlights, ihre Rückkehr ins Studio und warum sie 2026 mit noch mehr eigener Musik durchstarten will.

Jasmin, du wurdest im Februar beim FAZEmag als Breakthrough Artist 2025 gefeiert – seitdem ist unglaublich viel passiert. Wie würdest du selbst dieses Jahr in einem Satz beschreiben?

Ein Jahr, das sich angefühlt hat, als würde ein Traum nach dem anderen plötzlich Wirklichkeit werden.

Du hast eine sensationelle Sommersaison hinter dir – mit großen Mainstage-Shows bei Sea You, Ruhr-in-Love, Smag Sundance und dem Mülheim Summer Open-Air. Welcher Moment ist dir dabei besonders im Gedächtnis geblieben?

Tatsächlich möchte ich keine einzige Show missen. Jede war auf ihre Art etwas ganz Besonderes. Wenn ich eine herausheben müsste, dann das Sea You Festival in Freiburg. Sea You ist ohnehin eines meiner absoluten Lieblingsfestivals. Ich war selbst privat schon zweimal dort, und umso krasser war für mich das Gefühl, plötzlich bei meinem Debüt als DJ direkt auf der Mainstage zu stehen. Ich weiß noch genau, wie ich 2022 in der Crowd stand mit dieser riesigen Bühne vor mir. Ben Böhmer hatte gerade live gespielt – und ich war einfach komplett geflasht vom Vibe und dem Sonnenuntergang. Als ich dann drei Jahre später selbst dort oben stand, war das schwer zu realisieren. Dazu kam, dass meine ganze Familie und viele meiner Freunde dabei waren – ich hatte alle auf der Stage um mich herum. Das Sea You Festival ist gerade einmal eine knappe Stunde Autofahrt von meiner Heimatstadt entfernt. Es war ein unglaubliches Erlebnis, nicht nur für mich, sondern auch für alle, die diesen Moment mit mir geteilt haben.

Dein Debüt bei Ultra Resistance war sicher ein Highlight. Wie hast du diesen Moment erlebt, und was bedeutet dir dieser Schritt in deiner Karriere?

Ja, Ultra Resistance in Kroatien – was soll ich sagen. Es begann schon damit, dass ich nachts um vier Uhr wach geworden bin und irgendwie das Gefühl hatte, dass etwas passiert ist. Ich schaute auf mein Handy und dort war die Bestätigung für die Show gleich mit dem Flyer, auf dem mein Name stand. Ich habe die Nachricht bestimmt zehnmal gelesen, um sicherzugehen, dass sie wirklich echt ist. Ich verfolge die Resistance-Events schon ewig, kenne viele Artists, die dort auftreten – und plötzlich selbst auf diesem Line-up bei Resistance zu stehen, war einfach surreal. Ich dachte, ich hätte schon viele unglaubliche Momente erlebt, aber dieser hat nochmal alles getoppt. Dann begann das wochenlange Warten, bis es endlich so weit war. Das Festival selbst ist absolut beeindruckend. Ich konnte mit meinem Artist-Bändchen auch auf die große Ultra-Mainstage, wo zu dem Zeitpunkt z.B. Hardwell, Afrojack und Martin Garrix auftraten. Von dort oben diese gigantische und pulsierende Crowd zu sehen, das ist schon der Wahnsinn. Meine Show bei Resistance war magisch – und das Foto davon ist bis heute mein Handy-Hintergrund, weil es mich jedes Mal an diesen Moment erinnert.

Foto: Marie Vogt

Du warst gleich zweimal in Indien auf Tour – das ist außergewöhnlich. Wie kam es dazu, und was hat dich dort musikalisch oder menschlich besonders beeindruckt?

Meine erste Tour war bereits im Februar. Dort war ich an einem Wochenende in Kalkutta, Bangalore und Delhi. Alle drei Shows waren sehr erfolgreich, sodass irgendwann die Anfrage kam für eine zweite Tour im August in Goa, Hyderabad und nochmals Delhi. Es war einfach ein riesiges Erlebnis: die Kultur, die Menschen, das Essen, die Energie. Die Leute dort spüren die Musik wirklich – sie leben sie. Und das ist für mich immer wieder faszinierend zu sehen: Musik braucht keine Sprache. Egal, wo auf der Welt man spielt – sie verbindet einfach.

In diesem Sommer warst du fast nonstop unterwegs. Wie schaffst du es, bei so vielen Shows deine Energie, Kreativität und Präsenz zu bewahren?

Stimmt – der Sommer war wirklich intensiv. Ich war jedes Wochenende unterwegs und bin einfach unglaublich dankbar für jede einzelne Show. Wenn ich dann nach dem Wochenende zu Hause bin, komme ich in meiner Heimatstadt runter – verbringe Zeit mit Freunden, besuche meine Katze Luis, bin bei meiner Familie. Das gibt mir unheimlich viel Kraft. Diese Ruhephasen sind mein Ausgleich. Und gleichzeitig lade ich bei jeder Show auch wieder auf – das ist das Schöne. Ich komme nach einem Wochenende meist nicht erschöpft, sondern voller Energie und Ideen zurück.

Du hast jetzt auch deine erste Residency im Karree Club. Was macht diesen Ort für dich so besonders, und wie gestaltest du deine Nächte dort musikalisch?

Meine Residency im Karree Club in Freiburg bedeutet mir sehr viel. Ich bin ansonsten viel außerhalb meiner Heimatregion unterwegs. Umso schöner ist es, jetzt hier eine feste Base zu haben und den Leuten aus der Region meinen Sound näherzubringen. Trotz der Entfernung von fast einer Stunde von Offenburg nach Freiburg fühlt es sich fast ein bisschen wie ein Heimspiel an. Und gleichzeitig ist es eine tolle Möglichkeit, meinen Sound an einem Ort regelmäßig zu zeigen und mich kreativ auszutoben. Musikalisch bleibt’s natürlich energiegeladen – Melodic-Techno, mit viel Emotion, aber immer auch etwas Überraschendem. Und ja – die nächste Residency am 29. November ist schon in Planung.

Nach dem Festivalsommer geht es für dich wieder zurück ins Studio. Woran arbeitest du aktuell, und dürfen wir bald neue eigene Produktionen erwarten?

Ja, absolut! Durch die vielen Shows inklusive der gesamten Planung und Reisen im Sommer war das Studio etwas zu kurz gekommen – aber das wird jetzt alles nachgeholt. Es stehen schon einige Projekte in der Pipeline, und ich freue mich riesig, bald neue Musik mit euch zu teilen. Ein paar der neuen Tracks habe ich sogar schon live getestet – und die Reaktion war großartig. Es gab teilweise sogar direkt Nachfragen, was das denn für ein Track war, oder DJ-Kollegen haben plötzlich auf das Display meiner CDJs geschaut. Mehr möchte ich noch nicht verraten, da wir die nächsten Schritte noch mit Warner Music abstimmen werden.

Dein Sound bewegt sich zwischen Melodic-Techno und Progressive-House – welche Einflüsse und Künstler*innen inspirieren dich aktuell am meisten?

Es gibt viele Artists, die mich inspirieren. Im Melodic-Techno-Bereich sind das nach wie vor Korolova, Miss Monique, Anyma, Kevin de Vries und Artbat – ihr Sound und ihre Energie sind einfach next Level. Gleichzeitig finde ich Artists wie John Summit total spannend. Ich habe ihn vor Kurzem live auf Ibiza gesehen – er kombiniert verschiedene Genres, bringt eine unfassbare Energie rüber, und man merkt, dass er einfach Spaß hat. Auch Meduza mit ihrer neuen Live-Show war für mich sehr inspirierend – da sieht man, wie viel Kreativität gerade in der Szene steckt. Ich spiele aber auch viele Tracks von noch eher weniger bekannten Produzenten. Ich bekomme mittlerweile sehr viele Tracks weit vor Veröffentlichung zum Testen zugeschickt.

Deine Sets sind bekannt für ihre emotionale Tiefe und Energie. Wie bereitest du dich auf einen Mix – wie unseren FAZEmag-DJ-Mix – vor?

Gerade bei so einem Mix möchte ich zu 100 Prozent ich selbst sein. Ich überlege mir vorher, welche Tracks ich unbedingt einbauen möchte – und wenn das Setup steht, lasse ich mich komplett treiben. Ich mixe dann intuitiv, lasse mich von der Musik leiten, baue die Spannung nach Gefühl auf. Ich will, dass man beim Hören das gleiche Gefühl hat wie auf einer meiner Shows – dass man für eine Stunde alles um sich herum vergisst. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Wenn du dem Jahr 2026 entgegenblickst – was sind deine Ziele, Träume oder vielleicht auch Herausforderungen, die du dir selbst gesetzt hast?

Ich bin unfassbar hyped auf 2026. Die ersten Festivals stehen schon. Ich habe glücklicherweise viele Re-Bookings – und im nächsten Jahr oft mit noch besseren Playtimes. Ich kann es kaum abwarten, bis die neue Saison startet. Außerdem will ich im nächsten Jahr mehr eigene Musik veröffentlichen, noch mehr Menschen erreichen – auch international – um so weiter zu wachsen. Ich habe gelernt, dass die besten Dinge passieren, wenn man das tut, was sich richtig anfühlt. Also genau das mache ich weiter – Schritt für Schritt, mit ganz viel Freude und Vertrauen.

Aus dem FAZEmag 165/11.2025
Text: Triple P
Foto: Marie Vogt
www.instagram.com/jasminblustmusic