JOIX – Deepness & Dualität

Mit „Science“ und „Fiction“ erschafft JOIX zwei musikalische Gegenpole, die sich gegenseitig ergänzen und dennoch bewusst kontrastieren. Während der erste Teil seines Konzeptalbums von dunklen Atmosphären, wissenschaftlichen Texten und synthetisch verfremdeten Vocals geprägt war, öffnet sich „Fiction“ einer helleren, melodischeren und spielerischeren Seite. Zusammen formen beide Releases ein Spannungsfeld, das exemplarisch für den Sound des Deep-Techno-Künstlers steht.

„Ich wollte diesmal ganz bewusst auch beim Release diese Polarität aufzeigen“, erklärt JOIX. „Dieses Spannungsfeld zwischen warm und kalt, hell und dunkel, leer und voll, Kopf und Bauch.“ Genau diese Gegensätze ziehen sich durch seine Musik und verleihen ihr jene besondere Tiefe, die seine Produktionen seit Jahren auszeichnet. Dabei versteht sich „Fiction“ nicht einfach als Fortsetzung, sondern vielmehr als Gegenstück zu „Science“. „Science hatte seinen Schwerpunkt auf den wissenschaftlichen Texten und der synthetischen Verformung der Vocals eingebettet in einer eher bassbetonten dunklen Atmosphäre“, sagt er. „Die Tracks von ‚Fiction‘ kommen ohne Vocals aus und sind sowohl vom Arrangement als auch der Melodik her dadurch leichter gehalten, weil die Sprachinformation fehlt. Ich fand es spannend, das so gegenüberzustellen.“

Schon der Opener „Lion’s Gate Portal“ wirkt wie der Eintritt in eine andere Welt. Weite Flächen, lebendige Bässe und fanfarenartige Sounds eröffnen einen Track, der zwischen hypnotischer Ruhe und subtiler Spannung pendelt. Die Inspiration dafür entstand während sogenannter „Portaltage“. „Dabei handelt es sich um astrologische Ereignisse, bei denen die Sonne im Löwen steht und der Stern Sirius aufsteigt“, erklärt JOIX. „Ich bin zwar nicht sehr esoterisch, aber die zugesprochene Energie der Öffnung und Auflösung von physischer und spiritueller Welt hat gut zu meiner damaligen Stimmung gepasst.“ Für ihn war das „der perfekte Einstieg in das hellere ‚Fiction‘“. Auch „Furtur 2“ zeigt eine andere Seite seines Sounds. Acid-Elemente treffen hier auf psychedelische Roadtrip-Energie und improvisierte Synthesizer-Passagen.

Besonders wichtig war ihm dabei der spontane Ansatz im Produktionsprozess. „Es hat Spaß gemacht, einfach auf ‚Record‘ zu drücken und im Anschluss mit diesen Live-Aufnahmen zu arbeiten, statt das zu programmieren“, erzählt er. Gerade diese unperfekten und organischen Momente machen für ihn den Reiz elektronischer Musik aus. Überhaupt spielt der handwerkliche Aspekt bei JOIX eine zentrale Rolle. Während KI-Tools und automatisierte Produktionsprozesse zunehmend Einzug in die Musikproduktion halten, setzt er bewusst auf einen entschleunigten Ansatz. „Wir erleben gerade einen großen Wandel durch KI“, sagt er. „Ich fand es wichtig herauszustellen, dass man nicht alles rein wirtschaftlichen Aspekten unterwerfen muss, um Output und Produktivität zu steigern.“ Stattdessen gehe es ihm darum, sich in Prozesse zu vertiefen, Umwege zu gehen und sich Zeit zu nehmen – „getreu dem Motto: Der Weg ist das Ziel.“

Diese Haltung spiegelt sich auch im Sound von „Fiction“ wider. Trotz futuristischer Klangwelten wirken die Tracks nie steril, sondern besitzen eine warme, fast menschliche Tiefe. „Diese Balance macht für mich tatsächlich den Hauptreiz bei elektronischer Musik aus“, erklärt JOIX. „Ich probiere diese Ausgewogenheit auch bei meinen Tracks zu finden und auszudrücken.“ Passend dazu verfolgt er auch bei der Veröffentlichung einen unabhängigen Weg. Die limitierte Doppel-Vinyl-Version von „Science“ und „Fiction“ wird über ein Crowdfunding finanziert – für JOIX ein bewusstes Experiment. „Es geht mir darum herauszufinden, wie groß das Interesse an so einer Doppel-Vinyl ist und ob meine Idee auf Resonanz stößt, die über das temporäre Streaming der Tracks hinausgeht.“ Am Ende verbinden „Science“ und „Fiction“ trotz aller Unterschiede dieselbe Grundidee. „Ich glaube, beide tragen eine spürbare Deepness in sich“, sagt JOIX. „Durch ihre Polarität entsteht ein Spannungsfeld, das sich gut ergänzt und ein schlüssiges Gesamtbild formt. “Genau darin liegt die besondere Stärke dieses zweiteiligen Projekts: Es funktioniert nicht nur als Clubmusik, sondern als atmosphärische Reise zwischen Wissenschaft, Fantasie und emotionaler Tiefe.

Hier geht es zu JOIX‘ Kickstarter-Kampagne 

Aus dem FAZEmag 172/06.2026
Text: Triple P
www.instagram.com/joixmusic