jori_hulkkonen (c) NOORA ISOESKELI
Jori Hulkkonen gehört seit zwei Jahrzehnten zum harten Kern der internationalen House- und Technoszene. Als Produktionsschwergewicht beweist er immer wieder die Größe des kleinen finnischen Völkchens in Sachen elektronischer Musik. Unter anderem bei so renommierten Labels wie F Communication, Turbo und My Favorite Robot war und ist er unter verschiedenen Künstlernamen und mit diversen Projekten wie Sin Cos Tan, Third Culture and Nuclear Winter Garden sehr umtriebig. So sehr, dass sein letztes Album, „Man From Earth”, unter seinem eigenem Namen mittlerweile fünf Jahre zurückliegt. Nun meldete er sich mit dem Longplayer „Oh But I Am“ zurück, der am 28. September auf My Favorite Robot Records erschien. Oh yeah, he is back – mit zwölf Tracks, beeinflusst von Italo Disco, 80er-Pop und House. Mal sehen, welche zehn Wegweiser möglicherweise diesen Mix inspiriert haben: „Ich hab mich für zehn Alben entschieden, weil ich das Album als Format liebe“, kündigte er an. Also bitte:


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Pet Shop Boys – Behaviour (Parlophone, 1990)
Dieses Jahr sinds 25 Jahre, dass das Album auf den Markt kam. Für mich ist es die ultimative Pop-Platte. Sie ist nicht perfekt, hat sogar einige Songs, die man 2015 überspringen kann. Aber sie kam zur rechten Zeit, und meine Beziehung zu ihr ist sehr tief und persönlich.

Carl Craig – More Songs About Food And Revolutionary Arts (Planet E, 1997)
Eine weitere Platte, die nicht makellos ist, aber das Timing war genau richtig. Ich stand gerade am Anfang meiner internationalen Karriere, und auf diesem Album schwingt alles mit, was ich musikalisch erreichen wollte.

Billy Mackenzie – Transmission Impossible (One Little Indian, 2004)
Eine posthume Kollektion von Songs, die mehr oder weniger Demos waren, die nie fertig gestellt wurden, bevor sich
Mackenzie tragischerweise 1996 das Leben nahm. Aber genau so wie sie sind, sind diese gekürzten Songs fantastisch, weil sie Raum lassen für das, was meiner Meinung nach eine der großartigsten Stimmen der Popgeschichte ist.

Scotch – Evolution (High Fashion Music, 1984)
Italo Disco hatte einen gravierenden Einfluss auf mich, aber dieses Genre bestimmen eher Singles als Alben. Das hier ist die Ausnahme.

Underworld – Dubnobasswithmyheadman (Junior Boy’s Own, 1993)
Ein bisschen ist es wie mit Italo Disco, ich habe House nie als Albumgenre gesehen. Warum ich so
viele Alben mache? Keine Ahnung. Vielleicht mag ich einfach die 46 Herausforderung. Aber dieses Album kommt damit davon. Als ich die-sen Sommer mit der Tiga-Liveshow auf Tour war, habe ich tatsächlich auf einigen Festivals zusammen mit Underworld gespielt und muss sagen, dass die Songs von diesem Album auch heute noch herausragend sind.

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Metronomy – The English Riviera (Because Music, 2011)
Meine Lieblingspopgruppe des neuen Jahrtausends. Außerdem auch die bestaussehende Band weit und breit.

Scott Walker – Tilt (Fontana, 1995)
Scott Walker ist ziemlich großartig. Mit Ausnahme von Bowie kenne ich keinen Künstler, der so eine lange Karriere hingelegt hat, ohne durchschaubar zu werden. Ein fantastisches Beispiel, wie man als Künstler würdig altert.

John Foxx – Metamatic (Virgin, 1980)
Eine Scheibe, die vor 35 Jahren produziert wurde, aber immer noch futuristischer klingt als 99 Prozent dessen, was heute an Techno rauskommt. Ich fühle mich sehr privilegiert, dass ich an einigen Aufnahmen mit John arbeiten durfte.

John Maus – Love Is Real (Upset! The Rhythm, 2007)
Neben dem frühen Ariel Pink-Material repräsentiert John Maus eine völlig neue Herangehensweise an das DIY-Musikbusiness. Lo-Fi-Produktion trifft auf kantiges Songwriting, und die Live-Shows sind verrückt. Einer der wahren Helden des neuen Jahrtausends.

Kuusumun Profeetta – Jatkuvasti Maailmaa Pelastamaan Kyllästynyt Supersankari (Ektro Records, 2002)
Finnischer Progressive-/Folk-Act, die vielleicht beste Liveband, die ich je sah. Dieses Zeug hat einen echten Eindruck bei mir hinterlassen, als es vor 15 Jahren erschien. Zeitlos.

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Exklusive Premiere: Phantom – Over (Jori Hulkkonen Remix)
Jori Hulkkonen veröffentlicht Ende September „Oh But I Am“
www.jorihulkkonen.com

Foto: Noora Isoeskeli