In den vergangenen drei Jahren bemerkte die gebürtige Ukrainerin, die ihren Lebensmittelpunkt bereits seit Jahren nach Barcelona verlagert hat, welche Auswirkungen modulare Synthesizer auf sie bzw. ihre Kunst haben. Von einem Interview von Hans Zimmer bestätigt, widmete sich Bondar bei ihrem dritten und neuesten Werk „Industrial Symphony“ gänzlich diesem Thema. Generell ist dieses Feld kein neues für Julia, führt sie mit Partner und Freund Andreas Zhukovsky das Brand Endorphin.es, das weit mehr als nur ein Label ist. Die Marke ist zugleich Company für modulare Synths sowie audiovisuelle Produktionen. Ihr Equipment wird von Akteuren wie Daniel Miller, James Holden oder Aphex Twin benutzt. „Industrial Symphony“ ist am 16. September sowohl auf Vinyl als auch digital erschienen.

Und so reiht sich der Langspieler mit seinen sieben Tracks nach „Blck_Noir“ aus 2018 und „In My Neighbourhood“ aus 2019 in Julias Album-Diskografie. Einen Unterschied zwischen den drei Veröffentlichungen sieht sie eindeutig in ihrer Arbeitsweise: „Ich denke, in Sachen Klang kann man auf allen Alben große Ähnlichkeiten hören, da ich immer noch fast die gleichen Instrumente benutze. ,Blck_Noir’ war dabei quasi der allererste Versuch, meine Stimme als Musikerin zu finden. Ich habe zwei Jahre lang daran gearbeitet und alle meine chaotischen Skizzen organisiert. Was sich für mich jetzt geändert hat, ist meine Art und Weise aufzunehmen und mich einer gewissen Struktur anzunähern. Das beweist, wie sehr die gleichen Instrumente so derartig unterschiedlich empfunden werden können. Ohne meine ersten Werke hätte ich nie die Chance, mein musikalisches Bewusstsein und Können zu schärfen. Manchmal kann es aber auch zu einem Hindernis werden, da ich glaube, dass Musik zuerst aus dem Herzen kommen sollte, nicht nur aus dem perfekt trainierten Ohr stammend.“

Ihre Liebe zu modularen Synthesizern wurde, wie bereits eingangs erwähnt, durch niemand Geringeren als Hans Zimmer neu entfacht. Dieser arbeitete seinerzeit mit ebensolchen, da er sich echte Musiker zu seinen Anfangszeiten nicht leisten konnte: „(…) und um mehr Stimmen zu erzeugen, musste er einfach immer mehr Oszillatoren und Filter hinzufügen.” Sie begann also, ihr System als eine Art Orchester anzusehen und jedes Modul darin als ein loyales Mitglied des Teams wahrzunehmen: „Dieser Gedanke von Hans Zimmer hat bei mir eine tiefe Resonanz gefunden. Mein System hat mich nie im Stich gelassen und ist nie zu spät zur Probe gekommen. Die Tatsache, dass ich allein 98 Prozent meiner Tracks in einer Live-Situation reproduzieren kann, hat mich dazu bewogen, mein Album ,Industrial Symphony’ zu nennen. In meinem Fall dirigiere ich alle gut synchronisierten Stimmen. Ganz zu schweigen davon, dass ich in der Lage bin, ziemlich einzigartige Klänge zu erzielen, die dennoch frisch und modern klingen.“

Ein mindestens genauso ambitioniertes Bestreben verfolgt Julia auch mit ihrem Partner und ihrem Brand: „Im Laufe der Jahre haben wir uns den Namen und das Vertrauen von Musikern auf der ganzen Welt erarbeitet. Wir sind stolz darauf, einige sehr große Namen in der Branche zu haben, die unsere Instrumente verwenden. James Holden, Richie Hawtin und Robert Henke haben sich zum Beispiel wegen des Shuttle-Control-Moduls gemeldet, da sie alle Ableton Live für Produktionen und Aufführungen verwenden. Richard Aphex schrieb mir eine persönliche Nachricht, in der er sagte, dass ihm unser Material gefällt. Dominique Delacroix von Toxic Avenger verwendet auch einige unserer frisch entwickelten Module. Ich weiß mit Sicherheit, dass der Furthrrrr-Generator niemals das Rival-Konsolen-Rack verlässt. Der größte Teil der Synthesizer-Teile von Nicolas Bougaieffs ,Cognitive Resonance’ auf der relaunchten NovaMute wurde mit unserem Shuttle-System hergestellt. Trotzdem haben wir noch so viele Pläne und Ideen für die neu zu schaffenden Instrumente.” Generell half ihr das Musizieren auf Eurorack, um zu verstehen, wie der Fluss noch verbessert werden kann, in dem neue Designlösungen angeboten werden: „Deshalb nahmen meine dummen Experimente auf Eurorack am Anfang eine ernsthafte Wendung. Ich hatte nicht gerade die Idee, ein Plattenlabel zu gründen. Es kam ganz natürlich, als ich mich nicht auf die Bedürfnisse anderer Labels einstellen und hören wollte, dass meine Musik nicht passt. Also beschlossen wir, ein eigenes Label zu gründen und anderen Künstlern volle Freiheit zu geben. Daneben hat Andreas eine Leidenschaft für die Videografie. Er hat die Serie dieser wunderbaren Fotos für das Cover von ,Industrial Symphony’ geschossen und das Video für das Outro ,Inner’ gemacht. Er macht sehr professionelle und ästhetisch ansprechende Videos, und viele Leute haben sich an ihn gewandt mit der Bitte, für sie Videos zu drehen. Aus diesem Grund haben wir das Projekt gerahmt und es ,Endorphin.es Production’ genannt. Denn die Hauptorientierung ist, ein kreatives Studio für visuelle Kunst zu sein, um die Musik zu ergänzen.“

Neben Julias Background aus Mode und Fashion sind Inspiration und persönliche Selbstreflexion weitere, nicht zu verachtende Motoren ihres Schaffens: „Ich erinnere mich noch an den Satz aus dem Dokumentarfilm über Alexander McQueen: ,Niemand entdeckte Alexander McQueen, McQueen entdeckte sich selbst.’ Ist es nicht so? Er ist sehr gut auf jeden einzelnen Menschen anwendbar. Warte nicht darauf, dass jemand kommt und dich ,rettet’. Nur du kannst dich selbst entdecken, nur durch deine harte Arbeit und das Überwinden von Hindernissen. Das ist das Schöne an jeder persönlichen Reise. Und so sehe ich das auch.“

 

 

Aus dem FAZEmag 104/10.2020
Text: Triple P
Bandcamp: https://juliabondar.bandcamp.com/album/industrial-symphony
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