
In Deutschland stoßen Ermittler zunehmend auf professionelle Drogenlabore, die von internationalen Kartellen betrieben werden.
In einem aktuellen Beitrag der Berliner Morgenpost wird das Problem allumfassend dargestellt. Ein Fall aus Niedersachsen zeigt beispielsweise, wie organisiert diese Strukturen inzwischen arbeiten und wie gezielt Fachkräfte aus Südamerika eingesetzt werden.
In einer Scheune im Raum Göttingen entdeckten Beamte wiederum ein improvisiertes Labor. In dem fensterlosen Keller fanden sie Chemikalien wie Ethylacetat, Aceton, Calciumchlorid und Salzsäure sowie Atemschutzmasken und Arbeitsmaterialien. Zwei sogenannte „Köche“ waren eigens aus Kolumbien angereist.
Das Kokain gelangte zuvor per Schiff nach Europa, allerdings in ungewöhnlicher Form. Es war mit Kalk vermischt und in 45-Kilo-Säcken verpackt, wobei der Anteil an Kokain nur etwa sieben Prozent betrug. Diese Methode erschwert die Entdeckung durch Zollkontrollen erheblich.
Auch andere Tarnmethoden kommen zum Einsatz: Schmuggler verstecken Drogen als Paste in Zahnpastaverpackungen, flüssig getarnt als Rasierschaum oder verarbeitet in Materialien wie Holzlatten oder Grillkohle.
Medien berichteten Ende März auch international von einem Fall im britischen Hafen von Southampton, wo Behörden in einer Bananenlieferung fast eine Tonne Kokain sicherstellten (FAZEMag berichtete).
Vor dem Verkauf muss das Kokain jedoch aus dem Gemisch extrahiert werden. Dafür richten die Täter lokale Labore ein. In Niedersachsen erhitzten die „Köche“ das Material, mischten Chemikalien hinzu und filterten es – unter anderem mit einem Herrenhemd und einem Fliegengitter.
Die Täter arbeiteten laut Berliner Morgenpost abgeschottet. Sie wurden aus Unterkünften täglich zum Labor gebracht, um im Dorf nicht aufzufallen. Bei Problemen griffen sie sogar auf Kontakte in Kolumbien zurück. Eine gefundene Preisliste zeigt, dass ein Gramm für 100 Euro verkauft werden sollte.
Behörden reagieren mit verstärkten Kontrollen und der Auswertung verschlüsselter Kommunikation. Dennoch bleibt der Kampf schwierig, da Kartelle ihre Methoden ständig anpassen und neue Routen nutzen. Die Aufklärungsquote ist zuletzt leicht gesunken.
Parallel dazu nimmt die Zahl der Drogenlabore deutlich zu. Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der entdeckten Anlagen mehr als verdoppelt. Das Bundeskriminalamt meldet zudem erstmals sogenannte Kombilabore, in denen verschiedene Substanzen produziert werden.
In solchen Anlagen entstehen neben Kokain auch Amphetamine, MDMA oder Cathinon. In einem Fall fanden Ermittler über 1000 Liter Chemikalien, andernorts wurden 177 Kilo MDMA sichergestellt oder Materialien für mehrere Tonnen Amphetamin entdeckt.
Ein weiteres Problem sind die Abfälle dieser Produktion. Chemikalien werden oft illegal entsorgt und gelangen in Böden und Gewässer. Viele Labore befinden sich zudem nahe der niederländischen Grenze, wo ein bedeutendes europäisches Drehkreuz für Drogenhandel liegt.
Quelle: Berliner Morgenpost
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