
Wenig überraschend glaubt Mikey Shulman, CEO von Suno AI, dass künstliche Intelligenz Menschen Musik näherbrächte. Für sein Interview mit dem Venture-Capital-Podcast 20VC, in dem er behauptete, dass Menschen „keinen Spaß“ am Musikmachen hätten, heftig kritisiert.
Zusammen mit der anderen generativen KI-Plattform Udio, die es Nutzern ermöglicht, Tracks über schriftliche Textanweisungen zu erstellen, die der Software vorgeben, was sie produzieren soll, wird Suno AI derzeit von den großen Labels Sony, Universal und Warner verklagt.
Grund für die Klage ist der Vorwurf, dass die Systeme mit Daten von nicht lizenzierter Musik trainiert wurden, die ohne Zustimmung verwendet wurde, was zu Urheberrechtsverletzungen in Höhe von rund 150.000 Dollar führte.
„Wir wollten nicht nur ein Unternehmen aufbauen, das die derzeitige Generation von Musikschaffenden um 10 % schneller macht oder das Musikmachen um 10 % erleichtert. Wenn man die Art und Weise beeinflussen will, wie eine Milliarde Menschen Musik erleben, muss man etwas für eine Milliarde Menschen bauen“, so Shulman gegenüber 20VC.
„Es geht also in erster Linie darum, jedem die Freude am Musikmachen zu vermitteln, und das ist ein großer Unterschied zu heute“, fuhr er fort. „Es macht nicht mehr wirklich Spaß, Musik zu machen […] Man braucht viel Zeit, man muss viel üben, man muss ein Instrument oder eine Produktionssoftware wirklich gut beherrschen. Ich denke, dass die meisten Leute die meiste Zeit, die sie mit dem Musikmachen verbringen, nicht genießen.“
“It’s not really enjoyable to make music now… it takes a lot of time, it takes a lot of practice, you have to get really good at an instrument or really good at a piece of production software. I think the majority of people don’t enjoy the majority of time they spend making… pic.twitter.com/zkv73Bhmi9
— Mike Patti (@mpatti) January 11, 2025
Interviewer Harry Stebbings fragte daraufhin, ob das Szenario mit dem Laufen vergleichbar sei, das viele Menschen anfangs als schwierig empfinden, dann aber verfolgen, verbessern und lieben lernen.
„Die meisten Leute hören auf, weil es schwierig ist“, antwortete Shulman. „Ich denke, dass die Leute, die Sie kennen, die laufen, eine sehr voreingenommene Auswahl der Bevölkerung sind, die sich in den Laufsport verliebt hat.“
Shulmans Äußerungen stoßen anschließend innerhalb der Medien- und Kreativbranche auf deutliche Kritik. Unter anderem wird ihm mangelndes Verständnis für Menschen und Kunst schaffen vorgeworfen.
Andere Kritiker weisen darauf hin, dass es immer mehr Beweise dafür gibt, dass Tech-Unternehmer der menschlichen Kreativität wenig oder gar keinen Wert beimessen und dass KI-Unternehmen zu immer „verschlungeneren Erzählungen“ greifen, um die Einführung ihrer Innovationen in immer weitere Lebensbereiche zu begründen.
Auch einige Künstler scheinen die Meinung Shulmans nicht zu teilen. Schon 2016 sagte Sven Väth mal in einem Interview mit dem Frankfurter top magazin: „Das Internet hat uns nicht glücklicher gemacht. Ich finde es schon wichtig, dass man etwas Neues schafft. Das braucht aber die richtigen Rahmenbedingungen.“
„Die Musik kommt auch nicht von irgendeinem Sonnenuntergang, sondern vom verfickten Arbeiten, beim Dasitzen und sein Handwerk tun. Da kommt das Beste bei raus“, bemerkte auch sein Kollege Paul Kalkbrenner schon 2011 gegenüber Planet Interview.
Laut einer aktuellen Studie könnten Arbeitnehmer im Musiksektor in den nächsten vier Jahren bis zu 25 % ihres Einkommens durch künstliche Intelligenz (KI) verlieren. Im Vereinigten Königreich fordert die All-Party Parliamentary Group on Music Maßnahmen der Regierung zum Schutz der Künstler.
Man muss nicht lange im Internet recherchieren, um Zitate von Künstlern zu finden, die auch Shulmans Aussage widerlegen, Musikschaffen würde keine Freude bereiten. Vor allem der emotionale und therapeutische Ansatz scheint etwas zu sein, den das Generieren von Musik mittels KI wohl eher selten abbilden dürfte.
Schon Jazz-Musiker Art Blakey merkte einmal an: „Ich bin kein Heuchler, ich mache Fehler auf der Bühne. Und meine Fehler sind laut. Aber das ist der Spaß an der Musik. Man lernt“ und sogar Weltmusiker Ed Sheeren schlägt in eine ähnliche Kerbe.
So sagte er mal: „Wenn ich am Boden zerstört bin oder mich irgendwie niedergeschlagen fühle, ist es jedes Mal so, dass es mir besser geht, sobald ich einen Song darüber schreibe. Dadurch hat man wenigstens eine positive Erfahrung aus einer negativen Sache herausgeholt.“
Quelle: DJ Mag
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