KRAFTWERK BOING – Foto (c): Peter Boettche

KRAFTWERK BOING – Foto (c): Peter Boettcher


In einem Zeitalter, indem es bereits alles zu geben scheint, klingt die Hilfe von künstlicher Intelligenz zum Erschaffen neuer Musik eigentlich erstmal nicht schlecht. Maschinelles Lernen und KI helfen bereits Komponisten dabei, Neues zu erschaffen bzw. übernehmen die Arbeit komplett, während der Künstler auf der Couch lümmeln kann. Klingt erstmal ziemlich scheisse, denn die Kreativität und der menschliche Charakter, die hinter unserer Lieblingsmusik steckt, würde dabei verloren gehen. Zudem werden wir in der heutigen Zeit von modernster Technik an allen erdenklichen Ecken bombardiert. Ist denn kein Leben mehr ohne möglich?

So creepy die Zukunft für mich auch sein mag, mit all ihren metallischen und künstlichen Features, so faszinierend ist sie zugleich. Sie bietet uns Möglichkeiten, die wir uns nicht hätten erträumen lassen. Oder vielleicht doch? Bereits im Jahr 1927 gab Fritz Lang mit seinem Film „Metropolis“ erste Einblicke in eine Welt, in der Androide vorkommen. Damals noch eine Illusion, doch heute werden diese bereits in verschiedenen Branchen genutzt. In der Medizin ist die künstliche Intelligenz bereits jetzt schon unverzichtbar, mit ihrer Hilfe sind minimalistische Eingriffe möglich, wo vorher ganze Bereiche aufgeschnitten werden mussten. Also könnte das doch auch was Gutes für unsere geliebte elektronische Musik bedeuten? Teils, teils.

Den kreativen und teilweisen kranken Kopf eines Menschen kann definitiv keine Maschine ersetzen. Komme was wolle. Jedoch ist die Technik mittlerweile soweit, dass sie uns Tools als Hilfestellung bietet, um uns bei der Arbeit zu unterstützen. Mit neuesten Softwares und Programmen, welche künstliche Intelligenz nutzen ist es mittlerweile ein Leichtes für Musiker, ihre Arbeit von Computern komponieren lassen. Kann auf der einen Seite nach der größten Scheisse klingen, die man jemals zu Ohren bekommen hat, andererseits offenbart es den richtigen Künstlern ganz neue Wege. Spontan fällt mir da der überaus talentierte Ingenieur und Produzent Moritz Simon Geist alias Sonic Robots ein, der mithilfe seiner selbstgebauten Roboter verschiedene Instrumente nachahmt. Maschinen lernen einfach schneller, das ist so. Zudem muss man bei ihnen nur den Akku aufladen, wenn die Batterien leer sind. Ein Mensch braucht Schlaf, Essen, Koffein und so andere Dinge, um Leistung zu erzielen.

Vielleicht noch kein klarer Durchbruch, aber mit Sicherheit eine nützliche Hilfestellung bietet die Seite Rave DJ. Eine Webseite, die mit Hilfe von AI-Technologie die unterschiedlichste Musik aus dem Internet zusammenmischt – entweder als Mix oder als Mashup. Algorithmen machen es möglich, dabei können Songs aus Youtube oder Spotify gewählt werden. Wir haben es getestet und das Resultat lässt sich hören! Mithilfe der Funktion konnten wir unsere Playlist Faze Fourty als Set umformen lassen. Einziges Manko: es nimmt einige Zeit in Anspruch, das Set mixen zu lassen, somit ist Geduld gefragt. Außerdem ist das Set sehr kurz. Ungefähr 50 Minuten waren nötig, danach war der Mix fertig.

Auch der von Google erschaffene NSynth (neuronaler Synthesizer) ist ein nützliches Werkzeug für Musiker. Es handelt sich um einen lernfähigen, intelligenten Algorithmus, der die Eigenschaften von Sounds mithilfe eines tiefen neuronalen Netzwerks erlernt und daraus völlig neue Töne zaubert. Dabei geht er über das reine Mischen der Klänge hinaus und erzeugt einen völlig neuen Klang auf der Grundlage der akustischen Eigenschaften der Originaltöne. Wie das ganze dann aussehen könnte, seht ihr im folgenden Video.

Welche Auswirkungen die Weiterentwicklung der KI auf die Musikindustrie hat, lässt sich nur erahnen. Klar ist jedoch, dass Künstler niemals überflüssig werden. Denn hinter jeder Maschine, steckt ein kreativer Kopf, der sie erschaffen hat. Musik die wir lieben, erzählt uns Geschichten aus dem Leben und woher soll die ein Roboter herbekommen?

 

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