
Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Knöpfchendreherei. Fans des Modularsystems kennen das Gefühl. Man beginnt mit einem simplen Patch und plötzlich öffnet sich ein ganzes Universum aus Möglichkeiten. Genau darum geht es in dieser Folge: Fünf Module/Geräte, die nicht einfach nur Klang erzeugen, sondern Bewegung, Variation und Inspiration in Dein System bringen.
Den Anfang macht der Shakmat Ballista Blast, der trotz seiner kompakten 12HP eine komplette Synth-Voice darstellt. Digital trifft hier auf analog und genau diese Mischung macht den Reiz aus. Drei Sound Engines stehen zur Verfügung. Im Classic-Modus arbeiten Sägezahn und Rechteck durch eine analoge Filtersektion, die wahlweise nach Acid oder eher rund und blubbernd klingt. Der Wavetable Mode erweitert das Ganze um digitale Spektren, die durch dieselbe analoge Signalkette laufen und dadurch erstaunlich organic wirken. Richtig spannend wird es aber im FM-Bereich. Mehrere Operatoren lassen sich über die Makro-Regler formen und liefern alles von glitzernden Obertönen bis zu agressiven Texturen. Dazu kommen Envelope, Random Generator, Velocity Eingang und ein Preset-System mit 100 Speicherplätzen. Kurz gesagt: Ballista Blast ist kein Spezialwerkzeug, sondern ein kompletter Klangmotor für deine modularen Patches.

Ein ganz anderes Konzept – aber in der Kombi mit Ballista super funktional – verfolgt hingegen Shakmat Bishop’s Miscellany MK2. Hier geht es nicht um den Klang selbst, sondern um das Verhalten von Sequenzen. Das Modul nimmt bestehende Pattern und verändert diese über Wahrscheinlichkeiten und Variationen. Es lassen sich aber auch eigene Pattern recorden, beispielsweise aus einem anderen Sequencer. Eine einfache Bassline beginnt so, plötzlich zu atmen. Noten tauchen auf oder verschwinden wieder. Kleine rhythmische Verschiebungen sorgen für Groove. Das Entscheidende dabei ist die musikalische Kontrolle. Das Modul zerstört deine Pattern nicht, sondern entwickelt sie weiter. Gerade im Techno-Kontext entstehen so Muster, die sich über Minuten hinweg verändern, ohne dabei ihre DNA zu verlieren.

Beim AJH Synth Triple Cross Xfader wird es nun performativ. Ein Crossfader gehört zu den unscheinbaren Werkzeugen im Rack, kann aber enorme Wirkung entfalten. Drei unabhängige Crossfader ermöglichen es, Signale oder Modulationen ineinander zu überblenden. Zwei Oszillatoren können miteinander morphen, Filtercharaktere lassen sich dynamisch wechseln oder Modulationsquellen werden gegeneinander ausgespielt. Besonders spannend wird es, wenn CV ins Spiel kommt. Dann beginnt der Patch sich kontinuierlich zu verwandeln und der Sound wirkt fast wie ein lebender Organismus.
Auch das AJH Chance Delay verfolgt den Gedanken der kontrollierten Unvorhersehbarkeit. Ein Delay gehört normalerweise zu den berechenbaren Effekten. Hier entscheidet jedoch eine Wahrscheinlichkeitssteuerung darüber, wann Echos auftreten und wie sie sich verhalten. Das Ergebnis sind rhythmische Strukturen, die sich ständig verändern. Ein einfach gepatchter Trigger auf der Percussion kann plötzlich von flüchtigen Echo-Spuren begleitet werden oder Synth-Stabs entwickeln komplexe Muster. Das Chance Delay arbeitet weniger als klassischer Audio Effekt, sondern als kreativer Mitspieler im Patch.

Zum Schluss wird es mit dem Addac Mixology Pedal richtig interessant für alle, die gerne mit Effektketten experimentieren. Das Pedal funktioniert im Kern als Dual-Effekt-Router und eröffnet eine ganze Palette an Misch- und Routingmöglichkeiten. Zwei Effektwege lassen sich flexibel organisieren, entweder seriell oder parallel, und sogar die Reihenfolge der Ketten kann gewechselt werden. FX1 vor FX2 oder umgekehrt funktioniert ohne lästiges Umstecken. Das Eingangssignal lässt sich über einen Gain-Regler oder ein Expression-Pedal kontrollieren und wird anschließend gleichzeitig auf Dry, FX1 und FX2 verteilt. Besonders spannend wird es beim Mix: Die Rückwege der beiden Effekte können gegeneinander geblendet werden, ebenso wie das Verhältnis zwischen Wet- und Dry-Signal. Auch hier kann ein Expression-Pedal übernehmen. Damit wird das Mixology Pedal zu einem performativen Werkzeug, mit dem sich Effektlandschaften in Echtzeit formen lassen. Wer mit Delays, Reverbs oder Verzerrern arbeitet, bekommt hier eine sehr musikalische Möglichkeit, ganze Effektarchitekturen dynamisch zu steuern.

Wir wünschen Euch frohes patchen und viel Spaß beim Knöpfchen drehen. Bis zum nächsten Mal!
Aus dem FAZEmag 170/04.2026
Text: Frank Sonic