Länder, Menschen, Abenteuer – mit Fur Coat in Venezuela

Mit Releases auf Label-Institutionen wie Balance, Last Night On Earth, Systematic, Watergate und seinem eigenen Imprint Øddity Records zählt Sergio Muñoz alias Fur Coat zu den populärsten Electronic-Interpreten Venezuelas. Wir haben dem DJ und Producer einige Fragen zu seinem Heimatland gestellt.

Wo bist du aufgewachsen?
Ich wurde in Caracas geboren und wuchs in Alto Prado auf – mit dem Ávila-Gebirge als täglichem Blickfang. Caracas ist voller Energie, Kontraste und Kreativität. Ich war neugierig auf die verschiedenen Viertel, die Menschen und die Vielfalt des Landes. All das hat meinen Blick auf die Welt und meine Identität als Artist geprägt.

Eine typische Eigenschaft der Venezolaner?
Unsere Wärme und Offenheit. Wir kommen gern bei Essen, Musik und Gesprächen zusammen, und selbst bei ersten Begegnungen entsteht oft schnell Nähe. Gastfreundschaft gehört für uns einfach dazu.

Was ist der Nationalstolz des Landes?
Seine Menschen und seine Natur. Von der Karibikküste und Los Roques über die Anden und den Amazonas bis zum Salto Ángel bietet Venezuela eine enorme Vielfalt. Besonders machen das Land aber Kreativität, Herzlichkeit und Widerstandskraft seiner Menschen.

Drei Dringe, die man unbedingt unternehmen muss, wenn man das Venezuela besucht?
Los Roques und Isla Margarita besuchen: kristallklares Wasser, Strände, Seafood und lokale Küche. Außerdem sollte man Arepas, Cachapas, Tequeños, Empanadas und tropische Früchte probieren. Und man sollte Zeit mit den Einheimischen verbringen – ihre Herzlichkeit macht eine Reise erst wirklich aus.

Und etwas, das man auf gar keinen Fall tun sollte?
Venezuela nur nach Schlagzeilen zu beurteilen. Das Land besteht aus viel mehr als seinen Problemen.

Dein Lieblingsgericht?
Venezolanisches Essen bedeutet Tradition, Familie und Teilen. Meine Favoriten sind Asado Negro und Pabellón Criollo. Sie stehen für tiefe Aromen, Geschichte und das Gefühl, zuhause zu sein. Arepas gehören natürlich ebenfalls zu unserer Identität.

Drei elektronische Artists aus Venezuela, die man auf dem Schirm haben sollte?
Arca, Argenis Brito und Miguel Noya. Arca hat elektronische Musik, Sounddesign und künstlerischen Ausdruck radikal erweitert. Argenis Brito respektiere ich sehr für seinen Zugang zu Minimal und elektronischer Musik. Miguel Noya verdient international mehr Anerkennung: Seine Arbeit mit Ambient, Synthesizern und elektronischer Experimentierfreude war in Venezuela wegweisend.

Wie hat Venezuela deine eigene Musik geprägt?
Venezuela hat mir Kreativität, Widerstandskraft und den Mut beigebracht, meinen eigenen Weg zu finden. Als ich anfing, war die elektronische Szene nicht so global vernetzt wie heute. Wir mussten selbst suchen, entdecken und Chancen schaffen. Diese Mentalität ist Teil meiner Identität geworden. Wo auch immer ich spiele, ein Stück Venezuela ist immer dabei.

Wie würdest du die elektronische Szene im Land beschreiben?
Sie entstand aus Leidenschaft und echter Liebe zur Musik, nicht aus Trenddenken. DJs, Crews, Clubs und Partys verschiedener Generationen haben sie geprägt – von Boogie Nights und Capuleto Boys bis zu Orten wie La Belle Epoque, Santa La Diabla, The Flowers, Almodo Bar, Be und später Deep. Diese Szene wurde von Menschen aufgebaut, denen die Musik wirklich wichtig war.

Eine bekannte venezolanische Redewendung?
„Echándole pichón.“ Das bedeutet, sein Bestes zu geben, sich anzustrengen und unter allen Umständen einen Weg nach vorne zu finden. Für mich beschreibt das den venezolanischen Geist perfekt. 

„Hold Me Close“, die neue Single von Fur Coat und ELIF, ist am 24. Juli via Last Night On Earth erschienen.

Aus dem FAZEmag 174/08.26
instagram.com/furcoatmusic