
Sie ist eine Künstlerin, die sich ihre eigene Sprache konsequent erschaffen hat. Ihre Musik ist nicht nur Sound, sondern Teil eines umfassenden Universums aus Mythen, Games und Science-Fiction. In ihren Tracks begegnen sich die Erzählungen des Arawak-Volkes aus dem Amazonas, griechische und deutsche Mythen, cineastische Bilder und futuristische Klangarchitekturen. Dabei geht es ihr nicht um die bloße Kombination, sondern um organisches Wachstum aus Spannungen und Gegensätzen. „Meine Kunst wächst organisch aus diesen Spannungen heraus, immer verwurzelt in meinen eigenen Erfahrungen. Mythologien, Sprachen und Erinnerungen treten in Dialog und werden zu etwas Eigenem“, beschreibt sie ihren Ansatz. Ihre kommende EP „Between the Worlds“ ist genau das: eine Reise durch Zwischenräume, zwischen Club und Kino, Mythos und Cyberpunk, zwischen Vergangenheit und Zukunft.
„Für mich war es nie nur eine Mythologie. Ich habe viele Wurzeln und aus jeder entsteht eine Verbindung“, erzählt Korinth. Ein Teil dieser Wurzeln liegt im Amazonas, „Geschichten des Arawak-Volkes, deren Erzählungen eng mit Natur und Erde verwoben sind. Besonders spannend finde ich Mythen, in denen Tiere als Vermittler zwischen Mensch und Natur auftreten.“ Ein anderer Teil liegt „in der griechischen Tradition, wo ich über meinen Nachnamen Korinth direkt in die Antike hineinreiche“.
Im Zentrum ihrer Arbeit steht das Gaia-Konzept. „In der griechischen Mythologie ist Gaia die Urmutter, die Erde selbst. In meiner Arbeit steht sie für die Verbindung zur Natur und für die Gesetze, nach denen alles lebt.“ Für Korinth ist Gaia ein Symbol für Originalität und Widerstandskraft: „Konzepte können nachgemacht werden, aber wer aus der Tiefe schöpft, bleibt Quelle. Mein echter Nachname Korinth erinnert mich daran, dass diese Verbindung real ist.“ Ein weiteres Element ist Sprache. Korinth integriert Wörter der fast ausgestorbenen Lokono-Sprache: „Für mich ist sie wie ein lebendiges Archiv. Wenn ich ihre Wörter in meine Stücke integriere, mache ich etwas hörbar, das sonst verschwinden würde. Das ist Widerstand gegen Vergessen und gleichzeitig ein Akt von Liebe.“ Neben Mythen prägen Games und Science-Fiction ihre Ästhetik. „Science-Fiction ist für mich ein Portal in andere Realitäten. Games dagegen lassen uns eintreten, Entscheidungen treffen, Welten gestalten. Dieses Prinzip übertrage ich auf Musik. Sounddesign ist für mich Worldbuilding. Jeder Synthesizer-Moment ist einzigartig, fast wie ein eigenes Geschöpf.“
So konkretisiert sich auch die neue EP. „‚Between the Worlds‘ ist wie mein eigenes Leben – gewachsen im Underground-Club, filmisch wie ein Kinoerlebnis, durchzogen von Mythos und mit einer cyberpunkhaften Realität. Epische Synthflächen treffen auf intime Vocals, fragile Stimmen auf futuristische Texturen. Meine erste Show mit diesem Konzept habe ich am 12. Mai 2023 in der Volksbühne Berlin präsentiert – ein Hybrid aus Club, Film, Gamesound, Mythologie und Science-Fiction. Im Moment arbeite ich an einer längeren Version dieses Sets, mit der ich bald auch wieder auf die Bühne gehen möchte.“
Dass ihre Musik cineastisch wirkt, ist Absicht. „Ein Song ist für mich ein Gesamtkosmos. Stimme, Text und Bild gehören zusammen, aber jede Ebene hat ihre eigene Kraft. Zusammen bilden sie eine Einheit, eine Szene, die man hören, sehen und erinnern kann.“ Trotz der konzeptionellen Stärke haben auch handfeste Erfolge Gewicht. „Der Goldstatus hatte für mich eine große symbolische Bedeutung. Boris Brejcha war der Erste, der ‚Gravity‘ zusammen mit mir umgesetzt hat. Mir hat der Goldstatus gezeigt, dass Originalität sich durchsetzt, auch wenn man unabhängig bleibt. Es war Bestätigung und Motivation, meinen Weg unbeirrbar weiterzugehen. Wer aus der Tiefe schöpft, wird sichtbar.“
Ihr neuer Song „Blacklit“, der im September erscheint, knüpft daran an. „Für mich steht er für das Gefühl, nicht immer dazuzugehören oder dazu zu passen und trotzdem das eigene Licht zu bewahren. Es geht darum, nicht in die Unsichtbarkeit zu verschwinden, sondern weiterzugehen und zu leuchten, egal wie dunkel die Umgebung ist.“ Der Titel hat biografische Bezüge: „Er erinnert mich an eines meiner ersten Tattoos aus meiner Jugend, ‚There Is A Light That Never Goes Out‘ von The Smiths. Zusammen mit dem Film ‚Fight Club‘ und der Figur Marla Singer bedeutet ‚Blacklit‘ für mich: unabhängig zu bleiben, aufzutauchen, wenn es dunkel wird, wieder zu verschwinden, bevor man dich greifen kann, und dabei das eigene Licht nicht zu verlieren.“
Aus dem FAZEmag 163/09.2025
Text: Triple P
www.instagram.com/laurakorinth