Lee & Sun


„Colorful People“ hieß die erste gemeinsame Single von odezza lee und Jay Sun im Mai 2014, zwei Acts die bereits seit Jahren in der Szene aktiv sind. Nur wenige Monate später folgte mit „Eule“ das Debütalbum des Duos, welches sich über Wochen in den deutschen Albumcharts hielt. Nach unzähligen Remix-Aufträgen und weiteren Releasen kam im Sommer 2015 Anna Prokop als feste Sängerin dazu und machte aus dem Duo ein Trio. Mit dem Zuwachs änderte sich auch die gesamte Arbeitsweise und machte aus der ursprünglichen DJ-Gruppierung eine elektronische Live-Band. Nun ist ihr neuer Langspieler ‚Pure‘ auf Soundatraq erschienen.

Wie seid ihr zur Musik gekommen und welche Künstler haben euch bislang inspiriert und geprägt?

Angefangen hat alles in den 90er Jahren mit dem Aufkommen der elektronischen Musik und der immer weiter voranschreitenden Etablierung der Musikkultur der Dance-Musik hin zum Mainstream. Synthesizer haben uns da schwer beeindruckt. Im Grunde ist unser weg dadurch sehr geprägt worden. Sei es in den Anfängen durch Künstler wie Mauro Picotto bis hin zur heutigen Zeit, die bei uns mit Künstlern unterschiedlichster Art von Dapayk bis hin zu The XX eine große elektronische Bandbreite abdeckt. Aufgrund des Altersunterschiedes fing bei Anna alles etwas später an, verlief aber absolut parallel. Grundlegende Inspiration für unsere Musik entspringt allerdings aus unserem alltäglichen Leben. Wir fangen Situationen und Momente sowohl textlich, wie auch musikalisch ein und bringen sie in ein für uns passendes Gewand.

Wie wichtig war die Szene in Wolfsburg und Umkreis für euer Künstlerdasein?

Sehr wichtig. Immerhin sind wir hier, bis auf unsere Sängerin Anna, aufgewachsen und schon früh hat man durch Veranstaltungen in der Stadt, welche seit je her elektronisch geprägt sind, einen Faible für den hämmernden 4/4 Takte bekommen. Ebenfalls der Start als Musiker und DJs erfolgte in unserer kleinen Stadt und hat uns die grundlegend geholfen die Entscheidung zu treffen, Musik nicht mehr loszulassen.

Im Dezember 2014 erschien bereits euer erstes Album – wie hat sich euer Sound seitdem verändert?

Massiv bis komplett. Während die ‚Eule‘ noch ein wirkliches housiges Club-Album aus den Anfängen unserer Zusammenarbeit war und vorrangig lange Versionen enthielt, ist es jetzt doch deutlich kommerzieller und nicht mehr ausschließlich für einen Club ausgelegt. Wir haben deutliche Anteile House-Musik in Richtung Elektro-Pop abgegeben. Zudem, und das ist wohl der wichtigste Unterschied, sind wir seit Mitte des letzten Jahres zu dritt, haben eine zauberhafte Sängerin dazu gewonnen und dadurch viel mehr Glanz in unsere Hütte geholt.

Produktionstechnisch – gab es nun bei „Pure“ merkbare Unterschiede zu eurem ersten Album?

Ja, sogar sehr drastische. Wir haben den gesamten Produktionsprozess heute nicht mehr rein auf ein fertiges Lied am Ende ausgelegt, sondern an uns mehr und mehr den Anspruch gestellt, alles auch live Aufführen zu können und dadurch immer wieder für Variationen sorgen zu können. Mittlerweile arbeiten wir am Beginn der Produktion auch oft gar nicht mehr mit einer DAW, sondern mit vielen externen Geräten Marke Elektron, Clavia Nord etc. um unsere Sounds nun wirklich live spielen zu können. Das ist selbstverständlich auch eine Folge aus dem musikalischen Wandel mit Anna als Sängerin und resultiert ebenso aus unserer Vorprägung. Julian spielte lange Schlagzeug, Anna singt und spielt Gitarre und ich, Nico, spiele seit meinem 6. Lebensjahr Klavier und Keyboard. So war relativ schnell klar, dass die reine DAW Arbeit uns auf Dauer nicht befriedigen wird. Unser gesamter Anspruch hat sich gedreht.

Gibt es auf dem Album Kollaborationen (wie z.B. mit Adrian Bonacker) und wie sind diese zustande gekommen?

Grundlegend kommen diese durch das Rooster unserer Agentur ‚Soundagenten‘ zustande. Wir sind ein bunt zusammen gewürfelter Haufen aus allen Himmelsrichtungen mit einer gemeinsamen Leidenschaft: Elektronische-Musik. Das bringt uns häufiger zusammen, sei es für Events oder eben Produktionen. So kamen schon die Gemeinschaftsprojekte auf dem letzten Album zustande. Ebenso sind auch andere unserer Künstler an dem Album beteiligt ohne direkt in eine Kollaboration eingebunden zu sein. Im speziellen fällt uns da Sascha Wallus ein, der immer das gesamte Mixdown-Thema betreut und damit wirklich viel um die Ohren hat. Wir brauchen oft sehr lange, bis wir zufrieden sind.

Was sind eure Pläne für die kommenden Wochen und Monate?

Erst einmal werden wir uns erholen. Im Rahmen der Produktion merkt man immer gar nicht, wie anstrengend es ist und fällt danach in ein kurzes „ICH BRAUCH DRINGEND ERHOLUNG“ Loch. In der Phase stecken wir jetzt alle drei gerade. Dennoch sind wir unglaublich wild darauf, dass endlich alle unser Werk hören können und sich hoffentlich genauso daran erfreuen wie wir. Also erstmal etwas Ruhe bevor es dann mit den Aufnahmen zu unseren Musik-Videos losgeht.

Der Sommer steht bevor, gibt es Highlights in Sachen Shows?

Am 30.04. haben wir in unserer Heimat Wolfsburg ein Jubiläum.10 Jahre Springsounds, das ist eine Veranstaltung in einem alten, zum Kulturzentrum umgebauten, Hallenbad. Hier werden wir erstmals das gesamte Album als live Konzert spielen. Unsere Agentur plant gerade eine kleine Tour für den (Spät-) Sommer. Also werden wir uns hoffentlich bald in weiteren Städten sehen. Schaut dafür gerne mal auf www.soundagenten.com vorbei. Wir freuen uns auf Euch!