Guten Wein blind zu kaufen, ist ungefähr so einfach wie online eine neue Jeans zu bestellen.
Für den Wein-Beginner eröffnet sich hierbei ein Sammelsurium aus Ländern, irgendwelchen Rebsorten; dann sind auch noch manche Weine eine Vermischung aus ganz vielen anderen Rebsorten, die natürlich aus einem ganz bestimmten Jahr stammen und nur an diesem und jenem speziellen Hang gewachsen sind. Ok – klingt kompliziert.

Dabei macht Weinprobieren unheimlich viel Spaß!

Man kann dabei nur gewinnen – und zwar, seinem eigenen Geschmack immer näher zu kommen oder ihn ganz neu zu entdecken. Das Trio um Stéfanie, Mounzer und Ludmilla macht es sich zur Aufgabe, euch diesen Zugang einfacher zu gestalten: mit der ersten Wein-Erlebnisgastronomie in Deutschland.

In der Bochumer Innenstadt soll es beginnen. Jeder Gast erhält eine digitale Verzehrkarte, die nach einem Prepaid-Prinzip funktioniert. Nun kann er/sie die unterschiedlichsten Weine aus einem riesigen Sortiment probieren und das in verschiedenen Größen, sei es als kleinen Probierschluck oder ein großes Glas. Dies wird ermöglicht mithilfe von sogenannten Weindispensern, die mit der Guthabenkarte bedient werden können. Wer möchte, kann sich so z.B. auch an eine ganz besondere oder teure Flasche geschmacklich heranwagen, ohne die ganze Flasche kaufen zu müssen.

Wer zum Schluss alles kreuz und quer probiert hat, und gerne wissen möchte, wie nochmal der Wein hieß, der ihm/ihr so gut geschmeckt hat, kann einfach mithilfe der Karte und dem Smartphone in seiner/ihrer „Trink-Historie“ nachschauen, was er/sie alles für Weine probiert hat und den Favoriten dann auch ganz einfach direkt online bestellen und zu sich nach Hause liefern lassen.

Soweit die Theorie – doch dann kam Corona und der Start wurde anstelle der begehbaren Weinbar in Bochum erst einmal online vorgenommen.
Wir sprechen mit Mounzer El-Chakif, einem der drei Köpfe hinter lekork.de.

Hi Mounzer, wie kam es zu der Idee, lekork.de zu gründen?

Steffi war die Erste, die eine Weindispenser-Bar im Urlaub in Riga kennengelernt hatte und war direkt superbegeistert von diesem Konzept. Ohne darüber zu reden, hatte Ludmilla ein paar Monate später eine Weinbar mit dem gleichen Konzept in Toulouse besucht und war ebenfalls total begeistert. Irgendwann haben die beiden sich darüber unterhalten und so kam es zu der Idee: Warum gibt es so etwas nicht in Deutschland und wie und mit wem könnte man so etwas in Deutschland umsetzen?! So kamen die beiden auf ihren guten Freund, mich, zu und präsentierten mir das Ganze in einer Art Pitch. Eine Woche später waren wir gemeinsam in London und haben sieben Bars besucht, der Rest ist Geschichte.

Lekork ist eine super Idee, interessierte Menschen unkompliziert und völlig autark an guten Wein heranzuführen. Doch dann kam Corona und alles real Erlebbare wurde digital. Wie führt ihr Menschen an Geschmackserlebnisse heran?

Die Idee ist Ende 2018 entstanden und wir haben Anfang 2020 gegründet. Sprich, da war Corona noch nicht allgegenwärtig. Wir wollten uns aber von vorne herein sehr digital aufstellen und den Weingenuss unkompliziert online verlängern. Alle Infos zu den Weinen kann man sich über einen QR-Code aufs Handy ziehen. Wir haben selbstgeschriebene Blogeinträge als kleinen Ratgeber für noch Unentschlossene. Man kann sich am nächsten Tag seine Trink-Historie anschauen und sich direkt über die Anwendung seinen neuen Lieblingswein supereasy nach Hause bestellen. So hatten wir uns das vorgestellt, doch dann kam Corona und wir mussten den Turn schaffen. Von „das Analoge digital zu verlängern“ zu das „Digitale analog zu verlängern“. Wir haben das Internet so gesehen zum Weintresen umfunktioniert und bieten unseren Kunden regelmäßig direkten Kontakt zu unseren Winzern, in Form von Weintastings. Primär machen wir das über Zoom-Calls, damit der Austausch auch echt rüberkommt. Erstaunlicherweise sind diese Tastings für unsere Konsument*innen auch ein richtiges „Happening“. Fast jede/r bereitet sich gemäß unseres Tasting-Guides vor, in dem wir unter anderem auch Snackempfehlungen aussprechen, und lädt gemäß aktueller Corona-Reglung einen weiteren Haushalt dazu ein. Wir beziehen in den Tastings alle Teilnehmer mit ein, indem wir in die jeweiligen Haushalte schalten und uns so direktes Feedback und eventuelle Fragen einholen.

Corona hat auch die Trinkgewohnheiten neu aufgestellt. Sehr viele Brauereien klagen über Einbruch und Wegfall der großen Events. Wie sieht es bei den Weinhändler*innen aus?

Da wir erst im November 2020 mit unserem Onlineshop live gegangen sind, haben wir einen „normalen“ Ablauf noch nicht kennengelernt. Grundsätzlich sind wir aber alle sehr optimistisch aufgestellt und sehen eher Herausforderungen und Möglichkeiten als Probleme. Wir hatten schon in unserem ersten Online-Tasting einen Teilnehmer aus München, der zufällig auf Instagram auf uns gestoßen ist. Zu dem Zeitpunkt hatten wir gerade einmal ein paar Postings gemacht, um in erster Linie unser privates Netzwerk anzusprechen. Dass sich das dann schon so schnell bis nach München verbreitet hat, hat uns schnell ermutigt, das ganze Thema national und weniger regional zu sehen und dementsprechend breiter und weiter aufzustellen. Unser Learning ist, dass man durch die digitalen Zoom-Tastings noch näher an seine Verwenderschaft rankommt. Durch das Einschalten der Kamera haben wir einen Einblick in das private Wohnzimmer, was ja auch zu einer Art Vertrauensverhältnis führt. Durch unsere selbstgeschriebenen Blogeinträge, durch die Erfahrungen und Geschichten, die wir in den Tastings über uns preisgeben, sind wir recht nahbar für unsere Kund*innen. Wir haben es jetzt schon geschafft, eine sehr coole Community, mit Mitgliedern aus ganz Deutschland zu bilden und das, denke ich, ist eine der größten Veränderungen der Trinkgewohnheit. Die Leute wollen wieder wissen, wer der Mensch hinterm Tresen ist und keiner von den 75.000 Konsument*innen auf einem Festival sein, der/die gegebenenfalls von einem genervten Barkeeper*in bedient wird. 

Die Zielgruppe für Wein verjüngt sich, wie stellt ihr euch darauf ein?

Gar nicht. Unser Konzept beinhaltet auch und vor allem, die jüngere Zielgruppe zu erreichen. Wir möchten jungen Leuten in einer superentspannten Umgebung den Zugang zum guten Wein so einfach wie möglich machen. Das Ganze in einer sehr hippen und coolen Bar, die so aufgebaut ist, dass sich der/die Besucher*in frei und eigenständig bewegen kann. Wenn man möchte, kann man sich alle Wein-Infos direkt auf das Handy ziehen, und ebenfalls sehr bequem via Smartphone die Verzehrkarte aufladen. Im Onlinebereich wollen wir unsere Weine unkompliziert und sehr locker und verständlich erklären. Wir wollen den Konsument*innen mit unseren Blogeinträgen Basics vermitteln und das Thema Wein ganz neu aufrollen und als coolen neuen Lifestyle etablieren.

Stell dir vor, du stehst bald selber in der Le Kork Weinbar und möchtest jemanden an neue Weine heranführen. Welche Fragen stellst du ihm oder ihr, um eine passende Empfehlung abzugeben?

Zunächst würde ich den Gast erst einmal eigenständig das Konzept erleben lassen, denn das Schöne bei uns ist: Du bist dein eigener Sommelier und gehst auf eigene Weinentdeckungsreise. Denn der beste Ratschlag ist: Wein schmeckt – oder schmeckt nicht. Ich würde ihm/ihr raten, sich mittels Probierschlucken durch die verschiedensten Weine durchzuprobieren und er oder sie wird ganz schnell merken, welcher Wein ihm schmeckt und welcher nicht. So war es auch bei mir, als wir damals nach London geflogen sind und ich das Konzept zum ersten Mal kennengelernt habe. Ich hatte vorher absolut keinen Plan, welcher Wein mir schmeckt. Danach war ich um viele Erlebnisse und vor allem um eine Erkenntnis reicher: Shiraz ist voll mein Ding, und vor allem Shiraz aus Argentinien. Und dabei ging es mir nicht einmal darum, große Weinkenntnisse mitzunehmen. Aber das kommt ganz automatisch – eine Sache, die ich besonders feiere an diesem Konzept. Wenn der Gast aber dennoch Rat braucht, sind wir natürlich für ihn da. Dann würde ich als Erstes fragen, wie die Stimmung und die Erwartungshaltung an den Abend ist. Will er oder sie den ganzen Abend in der Le Kork Bar verbringen oder geht es danach eventuell noch weiter. Danach noch kurz abchecken, wie viel Erfahrung der Gast mit Wein hat, ob eine Rebsorte präferiert wird und ob eher leichte, frische Weine oder doch eher schwerere, vollere Weine gerne getrunken werden. Dann würde ich erst eine Empfehlung aussprechen. Aber der persönliche Mood des Gastes ist meiner Meinung nach am wichtigsten.

Was ist aktuell deine Geheimwaffe, die du ungesehen als Mitbringsel auf eine Corona-konforme-Party mitbringst?

Ich würde tatsächlich aktuell drei Weine aus unserem Sortiment mitbringen. Einen Rosé, nämlich den Charlotte de Berry von Lergenmüller, als Aperitif. Dann den Daydrinking White, da dieser so unfassbar easy und leicht schmeckt und einem immer superviel Spaß macht. Und der dritte im Bunde ist mein neuer Favorit: der Sexy MF von Katharina Wechsler. Tatsächlich auch ein Rosé, aber kein typischer. Eiswürfel ins Glas und sich dann von diesem komplexen Naturwein verführen lassen.

In diesem Sinne: Santé und danke fürs Interview.

Wir wünschen euch, dass ihr sehr bald eure echte Weinbar in Bochum aufmachen könnt!

 

www.lekork.de

Mit dem Code faze15 bekommt ihr im lekork.de-Onlineshop 15 Prozent Rabatt.