Lilly Palmer – Die Zukunft ist jetzt

Musik ist Freiheit – dieses Credo hat sich Lilly Palmer bereits früh in ihrer noch recht jungen Karriere als Leitsatz gewählt. Mit Freiheit meint sie die Tatsache, Gefühle auszudrücken, zu verarbeiten bzw. zu transformieren und dabei eine Verbindung zu ihrer immer größer werdenden Audienz herzustellen. Dies gelingt ihr zweifelsfrei, gilt sie dieser Tage doch als eine der populärsten Künstlerinnen in der Republik. Ihre stilistische Mixtur aus kraftvollem, energiegeladenem Techno sowie melancholisch anmutenden, deepen Sounds mit fesselnden Melodien schafft dabei einen unverkennbaren Vibe, sowohl in Clubs als auch auf Festivals und digital.

Belegt wird dies durch beeindruckende Zahlen. Zum Zeitpunkt dieses Interviews zählt ihr Instagram-Account 904.000 Follower*innen mit einer Reichweite von bis zu 100 Millionen Impressionen. Pro Monat. Tendenz stark steigend. Auf Spotify folgen ihr rund 134.000 Hörer*innen. Diese Zahlen machen sich auch auf anderen Gebieten bemerkbar, so wurde sie 2020 beim DJ-Mag-Voting auf Platz 32 der „Best Female DJ Worldwide“ gekürt. Zu ihrem kometenhaften Erfolg tragen dabei nicht nur ihre energiegeladenen Shows bei, sondern auch ihre Produktionen.

Lilly Palmers Diskografie listet Labels wie etwa ihr eigenes – Spannung Records –sowie Senso Sounds, Off Recordings, Natura Viva, SpaceMonki und auch Drumcode. Auf letzterem Imprint debütierte die aus dem Nürnberger Umland stammende Palmer im Dezember 2020 mit ihrer Single „Amnesie“ im Rahmen der „Various Artists – A-Sides“. Mit der EP „We Control“ erscheint im April ihre erste eigene EP auf dem Prestige-trächtigen Imprint von Adam Beyer. Am 25. Februar erscheint bereits eine Single aus dem Release ausgekoppelt.

Wir haben mit ihr gesprochen – über Anfänge, Herausforderungen, Authentizität, Emotionen, Erfolg und eine äußerst vielversprechende Zukunft.

 

Lilly, geboren bist du bei Nürnberg. Du hast allerdings auch viele Jahre in Zürich gelebt. Erzähle uns über deine Roots und deine Kindheit, die du als Teil einer Pfarrersfamilie erlebt hast.

In der Tat, ich bin in einer kleinen Stadt bei Nürnberg geboren und mit acht Monaten als Baby aufgrund des Todes meiner leiblichen Mutter zu meiner nun „emotionalen“ Familie gekommen, zunächst als Pflegekind und dann wurde ich später auch adoptiert. Meine Kindheit war auf jeden Fall auch geprägt durch den Fakt, dass mein „neuer“ Papa Pfarrer ist – jedoch eventuell nicht, wie man sich das direkt vorstellt (lacht). Ich bin zwar an sich religiös erzogen worden, jedoch so liberal, wie es nur geht, sodass mein Vater schon fast eine kleine Berühmtheit unter meinen Freunden wurde. Angefangen bei einem eigenen „Zockerzimmer“ in unserem Pfarrhaus, mit Playstation, Nintendo 64 und lebensgroßen Aufstellern von unseren Lieblingshelden wie Lara Croft und „Resident Evil“s Alice bis zu seiner Vorliebe für heidnische Death-Metal-Musik aus Skandinavien war und ist er der coolste Pfarrer-Papa, den man haben kann. Meine Mutter ist dagegen vielmehr die Künstlerin und hat, so glaube ich, etwas mehr versucht, mir die „seriöseren“ kulturellen Dinge der Welt mitzugeben (lacht).

Angefangen aufzulegen hast du erst vor rund sechs Jahren. Wie bist du mit Musik im Allgemeinen in Verbindung gekommen? In der Kindheit hast du fünf Jahre Klavier gespielt, Techno hast du mit 17 Jahren entdeckt.

Meiner Mutter war es damals sehr wichtig, dass ich wenigstens ein Instrument richtig lerne, und ich hatte mich für das Klavier entschieden. Auch wenn es mich früher manchmal nervte, bin ich jetzt sehr froh darüber, da ich dadurch so viel im Allgemeinen über Musik gelernt habe. Bevor ich meine ersten Erfahrungen mit Techno machte, war ich ein riesiger Fan von Rock und Metal. AC/DC, Jethro Tull, Guns N‘ Roses und T-Rex waren meine Lieblingsbands. Meine Freunde haben mich dann mal zu einer Minimal-Techno-Nacht nach Nürnberg in den „Hirsch“ und in die „Rakete“ mitgenommen, wo ich von dieser neuen Welt total geflasht wurde. Die Lichter, dieser Vibe und auch, wie außergewöhnlich mir das alles vorkam, wie jeder dort für sich selbst, versunken tanzte. Es prägte mich nachhaltig und ich war quasi sofort süchtig danach, wusste es nur noch nicht.

Wie, glaubst du, hat sich deine Umgebung auf deine musikalische Sozialisierung ausgewirkt? In Zürich haben dich Leute wie Adriatique, Shiffer etc. maßgeblich beeinflusst.

Ich denke, dass die jeweilige Umgebung einen großen Einfluss auf jede Künstler*in hat. In Zürich waren es die melancholischen und sehr ernsten Melodien, die mir noch immer Gänsehaut bereiten. In Berlin, wo ich später gewohnt habe, dann der harte, kompromisslose Techno im „Berghain“ und „Tresor“, der mir einfach unglaublich Spaß macht und eine Energie in mir freisetzt, die ich liebe und die mich manchmal sogar auch an die Härte des Metal erinnert, den ich als Teenager so mochte. Diese zwei Richtungen sind wie in meiner DNA verankert, wobei ich heutzutage eindeutig mehr zur härteren Richtung tendiere.

Lass uns vorne beginnen – in Zürich ging es bei dir zunächst in Bars und kleinen Clubs los.

Ja, das stimmt. Die Entscheidung, es wirklich ernsthaft als DJ zu versuchen, fiel mir lange sehr schwer. Ich spielte schon ein paar Mal mit dem Gedanken, jedoch hatte ich nur wenige richtige Freunde aus der Szene, die mir dabei geholfen hätten, und mein damaliger Freund war aus Gründen der Eifersucht überhaupt kein Fan von der Idee. Es nervt mich im Nachhinein auch richtig, dass mir das nicht einfach egal war, sondern ich tatsächlich aus diesem Grund lange zögerte, es zu versuchen. Nach der Trennung war ich dann zum Glück endlich gelöst von diesem falschen Denken. Mein damaliger Beruf als selbstständige Ernährungsberaterin ließ mir noch genügend Zeit, um mich intensiv mit dem Auflegen zu beschäftigen. Nach circa acht Monaten des Übens und hauptsächlich Podcasts-Mixens hatte ich dann die Möglichkeit, in einer Bar in Zürich aufzulegen. Für mich war das damals schon eine kleine Sensation und unglaublich aufregend, dass ich nun die Kontrolle über die Musik in diesem kleinen Laden hatte. Für circa eineinhalb Jahre konnte ich in verschiedenen Bars und kleinen Clubs in Zürich meine ersten Erfahrungen sammeln. Natürlich wollte ich sobald wie möglich endlich auch größere Gigs spielen, aber ich wusste, dass dieser Entwicklungsprozess einfach absolut notwendig war, um zu verstehen, was einen guten DJ wirklich ausmacht.

Wie verlief danach die Entwicklung zum Techno, den du ja heute zu deinem Markenzeichen gemacht hast?

Nachdem ich mehr und mehr Auftritte, auch in größeren Clubs bekommen hatte, wurde mir irgendwie automatisch klar, dass Deep House und Melodic-Techno einfach nicht mehr 100 Prozent meiner Energie beim Auflegen entsprachen und ich die besten Reaktionen und Nächte hatte, wenn ich ein bisschen mehr Gas gab. Ich denke aber auch, dass dies etwas mit dem allgemeinen Trend zu härteren Klängen zu tun hat, ich weiß noch, wie ich vor drei bis vier Jahren 129 bpm als echt schnell empfand. Mittlerweile haben sich viele Künstler*innen in eine schnellere Richtung entwickelt, und das merkt man dann ja auch bei den Produktionen.

Für viele DJs und Musiker*innen bleibt es ein Traum, aus ihrem Hobby auch einen Beruf mit Fundament zu machen. Was hat deiner Meinung nach bei dir den Unterschied gebracht?

Ich glaube, dass es heutzutage wirklich extrem auf das perfekte Gesamtpaket ankommt. Dazu zählt für mich: deine Skills, deine Leidenschaft, deine Produktionen, der Ort, wo du wohnst, dein Team hinter dir, dein Aussehen, dein Vitamin B, dein Marketing, deine Fähigkeit, unter Druck zu funktionieren, wie organisiert du bist, ob du das gewisse „Etwas“ hast und vor allen Dingen, ob es authentisch ist, was du machst und wofür du stehst. Ich denke, wenn man die geilsten Techno-Produktionen der Welt hat, es aber keiner mitbekommt weil man sie nicht vermarkten kann, wird es wahrscheinlich schwer mit einer großen Karriere.

Aber auch wenn du sehr gut aussiehst, aber dein Talent und deine Skills nicht ausreichen und der Promoter merkt, dass die Leute nur einmal kommen und nicht wieder, dann war’s das auch. Ich würde bei meiner Karriere sagen, dass sehr viele dieser Teile des Gesamtpakets stimmen und vor allem ein Mega-Team hinter mir den großen Unterschied macht. Mein Manager Karl, der seit zwölf Jahren einer meiner besten Freunde ist, teilt mit mir den unglaublich starken Willen und die Motivation, meine bzw. schon fast „unsere“ Karriere nach vorne zu bringen, und das schafft zusammen eine magische Energie, die uns konstant antreibt und die auch andere Menschen fühlen und davon ein Teil sein wollen. Ich glaube auch, dass es mir sehr gut gelingt, ein gewisses Gefühl von Freiheit, Spaß und Ausgelassenheit beim Auflegen an meine Fans rüberzubringen.

Wie viele Frauen in der Szene wirst auch du leider nicht von regelmäßigen eigenartigen Kommentaren verschont. Wie siehst du persönlich dieses Thema in der noch immer vorherrschenden Männer-Domäne „DJ?

Ich sehe das seit den Anfängen in meiner Karriere mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite kriege ich die negativen Seiten immer wieder zu spüren, da man als Frau viel mehr be- und verurteilt wird, teilweise leider auch sehr sexistisch, und oft fallen auch einfach unsinnige Kommentare, die ich bei männlichen Kollegen noch nie gelesen habe. Als kleines Beispiel: Ich habe schon unzählige Male unter meinen Livestreams, die ich tagsüber im Sonnenlicht gefilmt habe, gelesen, dass das Equipment ja gar nicht unter Strom stehe, weil man die Lichter der Knöpfe nicht sehen könne und ich daher das ganze Set pre-recorded hätte und mich dann fake dazu bewegen würde. Ich hatte aber auch schon DJs bzw. Promoter, die sich nicht anständig mir gegenüber verhalten haben, z.B. wurde ich mal von einem Promoter direkt nach dem Abholen auf den Mund geküsst. Als ich dann klarmachte, dass ich das nicht will, wurde mir mein Geld für das Booking nicht ausgezahlt. Zeit für die Manager-Keule von Karl (lacht). Auf der anderen Seite bin ich mir aber auch der Vorteile als Frau in diesem Business bewusst: Ich bin eben eine Ausnahme und kriege meistens mehr Aufmerksamkeit als ein „weiterer Mann“ in dieser Männerwelt. Was ich gar nicht mag, ist, wenn ich für „Female DJ“-Nächte angefragt werde. Ich will im normalen Programm stattfinden, egal, ob ich eine Frau oder ein Mann bin, einfach nur abhängig davon, wie gut ich bin. Durch diese Erfahrungen bin ich im Allgemeinen in der Szene eher vorsichtig, wem ich vertraue und mich wirklich gegenüber öffne. Ich bin aber sehr froh um meine in den letzten Jahren entstandenen Freundschaften in der Community, auch mit vielen DJs, die ich immer schon extrem geschätzt habe, menschlich wie auch musikalisch.

Dein Manager pflegt scheinbar zu sagen: „Ich liebe es, Hasskommentare unter deinen Beiträgen zu sehen, wenn der Hass jemals aufhört, mache ich mir Sorgen, denn das bedeutet, dass das, was du tust, langweilig geworden ist.“ Erzähle uns mehr über diese Einstellung.

(lacht) Ja, am Anfang waren Hasskommentare natürlich hart für mich. Aber mittlerweile habe ich gelernt, dass man es nicht jedem recht machen kann, und dass man, wenn man sein Ding durchzieht, immer jemanden dabei hat, dem es nicht passt. Mein Manager meint damit, dass Erfolg auch immer Neider mit sich zieht und es daher gar nicht ohne Hate geht. Die heutige anonyme Welt im Internet macht es für manche Menschen auch viel leichter, gemeine Dinge zu sagen. Ich nehme das überhaupt nicht mehr ernst.

Im Studio hast du mit deinem Freund Egbert einen ordentlichen Prozess hingelegt. Erzähle uns von eurer gemeinsamen Arbeit bis zu deinem mittlerweile autarken Arbeiten.

Zu Beginn jeder neuen Produktion steht die Idee. Meistens habe ich gerade neue Tracks gehört, die mir gefallen, und wir lassen uns davon inspirieren oder ich habe ein neues Plug-in oder neue Sounds gefunden, welche wir unbedingt ausprobieren wollen. Nachdem wir dann all die Elemente aufgebaut haben, kreieren wir ein Layout, das ich dann auch erst einmal im Club austeste. Danach habe ich einiges an Feedback, anhand dessen wir den Track anpassen und finalisieren können. Egbert ist dabei das „technische Genie“, das meinen oft etwas „emotionaleren Input“ unglaublich schnell umsetzen kann. Vieles kann ich mittlerweile auch selbst, aber man muss auch fairerweise sagen, dass die Erfahrung eines Egberts, der dies schon seit Jahrzehnten macht, noch ein Stückchen von meiner entfernt ist (lacht). Ich hatte immer schon einen sehr ehrlichen Umgang mit dem Thema Produzieren und habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich nicht alleine produziere, da es für mich gar keinen Grund gibt, da irgendetwas zu verbergen. Ich finde, jede und jeder in unserer Branche muss das für sich selbst entscheiden, wie er oder sie damit umgeht, wenn nicht selbst produziert und die Hilfe anderer benötigt wird. Ich möchte auch gar nicht darüber richten, ich kann nur für mich selbst sagen, dass es definitiv nicht okay für mich wäre, an meinen Titeln nicht mitzuarbeiten.

 

 

Eine gute Einstellung. Was sind deine favorisierten Tools in Sachen Soft- und Hardware?

Wir produzieren eigentlich nur mit Software, Egbert ist ein großer Fan von FL Studio, weil für ihn damit, im Vergleich zu anderen DAWs, die Arbeitsweise die schnellste ist. Für Leads verwenden wir zum Beispiel sehr gerne den Tyrell N6 und Repro. Bazille für das analoge Feeling, Omnisphere für das Sphärische und ambiente Klänge und natürlich eine Menge an Effect VSTs, wie z.B. Valhalla Vintage und Valhalla Room Reverb, Fabfilter Pro Q, L, Saturn, Waves J37 Tape, Standard Clip und das FL-Studio-Stock-Plug-in Maximus. Alle Vocals in meinen Tracks spreche ich selbst ein, und im Studio verwenden wir die Adam-A7X-Lautsprecher und auch das „SUBPAC“, um die tiefen Frequenzen mehr zu spüren.

Mit „Spannung“ führst du auch dein eigenes Label, im November ist dort zuletzt „Temptation“ erschienen. Wie ist dort die Philosophie und was hast du für 2022 geplant?

Die Idee, mein eigenes Label zu starten, hatte ich schon länger, jedoch fehlte mir erst noch die Zeit, mich wirklich mal hinzusetzen und mir das Konzept genauer zu überlegen – und dann kam Corona. Das war für mich der perfekte Zeitpunkt, um „Spannung“ zum Leben zu erwecken. Den Namen „Spannung“ habe ich deswegen ausgewählt, weil es einerseits für den Spannungsaufbau eines DJ-Sets steht, mit all den Ups und Downs, die man einbaut und mit denen man die Spannung halten will, und gleichzeitig auch für die Bedeutung der „elektrischen Spannung“, die für mich sehr gut zu elektronischer Musik und Techno passt. Bis jetzt habe ich nur eigene und Tracks von Egbert rausgebracht inklusive eines Remixes für die Warp Brothers. Meine momentane Philosophie ist, nur Singles zu releasen, damit jeder sorgfältig ausgewählte Track volle Aufmerksamkeit bekommt. Für 2022 haben wir aktuell drei Releases geplant. Einen neuen von mir, eine Wahnsinns-Single von den Warp Brothers und einen Track von Egbert, der „NRG“ heißt. Und ich kann euch nur eins versprechen, diese Nummer geht so ab, dass ich die Veröffentlichung kaum erwarten kann. Zusätzlich bin ich auch bereit dazu, neue Künstler*innen an Bord zu nehmen. Zwei neue Releases von neuen Acts auf „Spannung“ würden gut in den Rahmen der Veröffentlichungspolitik passen. Das können sowohl etablierte Namen sein als auch Newcomer*innen mit dem gewissen Etwas im Sound, der zu mir und „Spannung“ passen muss. Kann ich eine Nummer nicht in meinen Sets spielen, dann kann ich sie auch nicht signen.

Social Media sind ein wichtiges Tool, um heutzutage erfolgreich zu sein. Bei unserem ersten Interview im Frühjahr 2020 hattest du berichtet, wie essenziell Instagram und Co. für dich sind. Wie hat sich das Thema in den letzten zwei Jahren entwickelt – gerade in Hinblick auf die Pandemie?

Durch die Pandemie sind Social Media noch viel wichtiger geworden. Für uns Künstler*innen war das Internet eine der letzten Möglichkeiten, mit unseren Fans in Kontakt zu bleiben, auch viele Clubs haben ja probiert, diese Zeit mit Livestreams zu überbrücken. Mir machen Social Media auch einfach Spaß, aber sie werden das echte Erlebnis eines „Raves“ mit dem Bass im Bauch und dem Schweiß von der Decke nicht ersetzen können.

Die Pandemie rund um Covid-19 zieht sich nun schon zwei Jahre, wie bist du generell damit umgegangen? Einige Künstler*innen waren in der Zeit sehr produktiv und inspiriert, andere haben den Kopf in den Sand gesteckt.

Die ersten zwei Monate waren für mich am härtesten. Diese Ungewissheit und radikale Änderung meines Lebens – von 100 auf null – waren sehr anstrengend und beängstigend. Irgendwann habe ich dann gemerkt, es wird wahrscheinlich nicht schnell besser und ich muss irgendwie weitermachen. Dann habe ich angefangen, mich komplett auf die Produktion von Livestreams zu konzentrieren, insgesamt zwölf, und konnte dadurch auf Social Media sehr viel Aufmerksamkeit gewinnen. Alle meine Livestreams zu produzieren, war ein spannendes Abenteuer, was mir sehr viel gegeben hat und meinen Fans hoffentlich auch. Den Rest der Zeit haben wir vornehmlich im Studio verbracht, um meinen Sound weiterzuentwickeln und zusammen mit meinem Manager an Strategien gearbeitet, welche Optionen wir haben und wie wir reagieren, wenn es wieder losgeht oder eben auch nicht. Deswegen sind wir recht gut durch die Pandemie gekommen und waren beim Relaunch der Szene sehr gut aufgestellt.

Dieser Tage erscheint ein Release auf Drumcode, in wenigen Wochen eine ganze EP. Erzähle uns von deiner Connection zu Adam und auch etwas mehr zum Release.

Ich verstehe mich sehr gut mit Adam und seinem Team, speziell durch die Drumcode-Events konnten wir uns nach dem ersten Release „Amnesie“ auf der Drumcode-„A-Sides Vol. 10“ vor eineinhalb Jahren noch besser kennenlernen. Als ich „We Control“ über den Festival-Sommer 21 gespielt habe, wurde schnell klar, dass dieser Track den meisten Impact bei den Fans hinterlassen hatte, ich hatte noch nie so viele Nachfragen nach einer Track-ID wie bei „We Control“. Die EP ist, wie ich finde, sehr vielseitig. „Plasma“ ist härter, schneller und raviger, „Don´t look back“ sehr energetisch und frech und „Resistance“ eher mysteriös und für mich der klassische Drumcode-Sound. Ich freue mich auf jeden Fall riesig auf das Pre-Release von „We Control“ auf Spotify am 25. Februar und den vollen EP-Release am 8. April!

Lass uns über dein Leben außerhalb der Musik sprechen – du wohnst mittlerweile in den Niederlanden, bist gerne in der Natur und gehst kiten.

Genau, vor vier Jahren bin ich von der Schweiz in die Niederlande gezogen und lebe nun in einer kleinen Küstenstadt zwischen Amsterdam und Den Haag. Die Nähe zur Natur und vor allem das Meer sind der perfekte Kontrast zu dem hektischen DJ-Leben am Wochenende. Ich würde eigentlich sogar gerne noch abgeschiedener wohnen, am liebsten am Waldrand irgendwo mit meiner eigenen kleinen Tierfarm.

Was hast du generell für 2022 – das Jahr der Hoffnung – geplant? Sowohl beruflich als auch privat.

Wenn mir dieses verflixte Virus nicht nochmal in die Quere kommt, dann wird dies sicherlich das beste Jahr meiner Karriere, viele der berühmtesten Festivals sind bestätigt, die ich bis jetzt natürlich noch nicht verraten darf, aber es wird großartig. Privat hoffe ich, dass ich ein wenig mehr Zeit mit meinen Eltern verbringen kann, eventuell kommen sie auch mit zu ein paar Gigs – ein Pfarrer im Techno-Club, das wäre doch was … (lacht)

 

Aus dem FAZEmag 120/02.2022
Text: Triple P
www.instagram.com/lilly_palmerdj