
Eine neu veröffentlichte Liste auf Instagram sorgt derzeit für Aufsehen in der elektronischen Musikszene. Sie zeigt, welche DJs prozentual die meisten Fake-Follower auf ihren Social-Media-Kanälen haben.
Besonders auffällig: Bei gleich drei Artists machen Fake-Profile über 70 Prozent ihrer Followerschaft aus – Kasia, Vikhtor und Tita Lau führen das Ranking damit an.
Auch weitere bekannte Namen der Szene tauchen in der Liste auf. Darunter befinden sich Patrick Mason, Indira Paganotto, Mau P, Hugel, Gordo und Vintage Culture – allesamt DJs mit großer medialer Präsenz und internationalem Booking-Kalender.
In den Kommentarspalten unter dem Post wird heftig diskutiert: Während einige Kollegen wie Camelphat, Lalena, Kollektiv Turmstrasse und Valentina Pegorer mit Ironie reagieren, zeigen sich andere schockiert über die Enthüllungen.
Der Vorwurf wiegt schwer, denn Fake-Follower sind in der Branche kein Kavaliersdelikt. Sie beeinflussen, wie Künstler wahrgenommen werden – nicht nur von Fans, sondern vor allem von Veranstaltern und Labels.
Eine hohe Followerzahl suggeriert Relevanz, Erfolg und Nachfrage. In einem Markt, in dem Sichtbarkeit entscheidend ist, kann das den Unterschied machen zwischen einem Headliner-Slot auf dem Festival und leerem Terminkalender.
Einige greifen deshalb lieber zum schnellen Wachstum durch gekaufte Follower, anstatt mühsam über Jahre eine organische Community aufzubauen. Oft steckt dahinter nicht nur Eigendruck, sondern auch der Rat von Agenturen oder Social-Media-Strategen, die zu solchen Maßnahmen raten, um den Algorithmus zu beeinflussen oder Sichtbarkeit zu pushen.
In einem Umfeld, das zunehmend von Zahlen abhängt, wirken ein paar tausend Fakes auf den ersten Blick wie ein kluger Schachzug. Technisch gesehen funktioniert das Geschäft über sogenannte „Zombie Accounts“ – inaktive oder automatisierte Profile, die in großen Mengen von speziellen Diensten erstellt und verkauft werden.
Manche Anbieter nutzen auch Klickfarmen, bei denen reale Menschen dafür bezahlt werden, Accounts zu erstellen, Profilen zu folgen oder Beiträge zu liken. Die Dienste lassen sich einfach über eine Websuche finden. Bereits für wenige Euro bekommt man dort Pakete mit beispielsweise 1.000 Instagram-Followern.
Doch der kurzfristige Push bringt langfristige Risiken mit sich. Fake-Follower erzeugen zwar kosmetisch den Anschein von Beliebtheit, doch sie liefern keine echte Interaktion. Die Engagementrate sinkt, was auf Dauer die Glaubwürdigkeit untergräbt – bei Fans ebenso wie bei der Industrie.
Wer auf diese Weise Karriere machen will, spielt mit seiner Reputation und möglicherweise auch mit künftigen Chancen. Techno-Urgestein Dave Clarke meldete sich ebenfalls in den Kommentaren zu Wort.
Mit einem Rückblick auf frühere Praktiken meint er: „Alles begann mit Facebook, sogar Festivals machten es, eines in den Niederlanden hatte viele zehntausend Follower aus Mexiko, es hatte keine Fangemeinde und keine Aktivitäten dort.“
Er ergänzt: „Man wurde von der Presse dafür geoutet, was bedeutete, dass es eine legitime ‚Werbe‘-Ausgabe und ein Geschäftsinstrument (Techno) wurde.“ Sein Statement wirft einen ernüchternden Blick auf eine Praxis, die offenbar schon lange Teil des digitalen Musikmarketings ist.
Hier die gesamte Top 15:
1. Kasia 80,71%
2. Vikhtor 75%
3. Tita Lau 72,93%
4. Indira Paganotto 65,49%
5. Aaron Sevilla 61,53%
6. Mau P 57,84%
7. Blond:ish 52,71%
8. Toni Alvarez 52,47%
9. Melanie Ribbe 51,14%
10. DJ Twins 48,01%
11. Vintage Culture 45,81%
12. Bora Uzer 38,88%
13. Gordo 38,77%
14. Hugel 37,64%
15. Maga Official 36,63%
View this post on Instagram
Das könnte dich auch interessieren: