
Seit fast 15 Jahren ist MAGA Teil der internationalen Clubszene – angefangen hinter den Kulissen eines Clubs in Kapstadt bis hin zu weltweiten Touren und eigenen Releases. Mit seinem Kollektiv Scenarios, das er gemeinsam mit Emanuel Satie, Tim Engelhardt und Sean Doron betreibt, hat er sich eine kreative Plattform geschaffen, die weit über klassische Labelstrukturen hinausgeht und sich in den letzten Jahren zu einem der meistgehypten Imprints der Szene entwickelt hat – nicht zuletzt durch Releases wie „Hotline“, „Touch Of Love“, „Knockout“ oder „Body To Body“, an denen MAGA maßgeblich beteiligt war. Aktuell deutet vieles auf eine neue Phase hin: musikalisch rückt er wieder näher an seine House-Wurzeln, während Releases wie „Moving On“, neue Kollaborationen und internationale Shows den nächsten Schritt markieren. Im Gespräch gibt der Franzose Einblicke in seinen Werdegang, seine Arbeitsweise und das, was ihn heute als Künstler antreibt.
Wie würdest du dich heute als Künstler beschreiben – jenseits von Genres und Labels?
In letzter Zeit bewegt sich mein Sound ganz natürlich wieder stärker in Richtung House – grooviger, direkter, ein bisschen roher, was sich wie eine Rückkehr zu meinen Wurzeln anfühlt. Gleichzeitig entferne ich mich etwas von der melodischeren Richtung, die ich zuvor verfolgt habe, ohne sie komplett aufzugeben. Was mich heute wirklich definiert, ist genau dieses Gleichgewicht. Im Studio arbeite ich daran, eine klarere Identität herauszuarbeiten, aber als DJ liebe ich es nach wie vor, eklektisch zu bleiben – den Raum zu lesen, Energien zu verändern und mich nicht auf einen Sound festlegen zu lassen.
Was für einen Weg hat dich an diesen Punkt deiner Karriere geführt? Du bist ja schon lange im Game – inklusive eigener Club-Erfahrung.
Ich habe eigentlich auf der anderen Seite des DJ-Pults angefangen, damals in Kapstadt in Südafrika, wo ich einen Club betrieben habe. Dort habe ich langsam realisiert, dass ich selbst hinter den Decks stehen möchte. Inzwischen lege ich seit fast 15 Jahren auf. In den frühen Jahren meiner Karriere hatte ich mehrere Residencies in verschiedenen Locations und habe unzählige Stunden gespielt – das hat mir wirklich geholfen, meine Identität zu entwickeln und ein tiefes Verständnis für die Kunst des DJings aufzubauen. Alles, was ich sagen kann, ist, dass ich unglaublich dankbar bin, dieses Leben führen zu dürfen – um die Welt zu reisen, das zu tun, was ich liebe, und mich komplett der Musik zu widmen.
Deine Musik verbindet oft emotionale Tiefe mit starker Club-Energie – wie hat sich diese Balance entwickelt?
Für mich geht es darum, Musik zu machen, die Spuren hinterlässt – egal ob es ein Underground-Track, ein Club-Tool oder ein Sunrise-Moment ist, jeder Track hat seine eigene Geschichte. Mit der Zeit habe ich verstanden, dass Musik ohne Emotion keine Verbindung schafft – und ohne Energie bewegt sie die Menschen nicht. Die Balance entsteht durch Intention. Bevor ich einen Track beginne, frage ich mich immer, was er bewirken soll, wenn er schließlich veröffentlicht wird.
Was treibt dich im Studio am meisten an – Intuition, Konzept oder Dancefloor?
Das Konzept ist für mich wahrscheinlich das Wichtigste. Es gibt eine Richtung vor und führt zu einem tieferen Verständnis dessen, was ich erschaffe. Von dort übernimmt die Intuition im Studio, und der Dancefloor ist immer irgendwo im Hinterkopf – aber alles beginnt mit einer klaren Idee.
Welche Rolle spielt Storytelling in deiner Musik?
Ich mag es, wenn Menschen Referenzen in meiner Musik erkennen, wenn sie mir sagen, dass sie sie an etwas erinnert oder dass sie eine bestimmte Richtung darin spüren. Das bedeutet, dass die Botschaft ankommt. Für mich ist genau das das Ziel: etwas zu schaffen, das Menschen interpretieren können, zu dem sie eine Beziehung aufbauen und das sie sich zu eigen machen.

Du arbeitest in verschiedenen Kollaborationen und Projekten – worauf achtest du bei kreativen Partnern?
Ich suche nach Kollaborationen, die wirklich mit mir resonieren und sich einzigartig anfühlen. Für mich geht es um eine echte Verbindung – musikalisch wie menschlich. Wenn diese Chemie da ist, bringt sie alles automatisch auf ein neues Level und schafft etwas, das man alleine nicht erreichen könnte.
Scenarios ist ein zentraler Teil deiner Identität geworden – was war die ursprüngliche Idee dahinter und wofür steht es heute für dich gemeinsam mit Emanuel, Tim und Sean?
Scenarios ist aus dem Wunsch entstanden, mich mit Menschen zu umgeben, von denen ich lernen kann – Künstlern, die mich herausfordern und mir helfen, mich sowohl kreativ als auch persönlich weiterzuentwickeln. Mit Emanuel, Tim und Sean ist daraus ganz natürlich mehr als nur ein Projekt geworden. Es ist ein Kollektiv enger Freunde, die die gleiche tiefe Leidenschaft für Musik und eine gemeinsame Vision teilen. Heute steht es für einen Raum, in dem wir uns gegenseitig vorantreiben, gemeinsam wachsen und etwas erschaffen, das größer ist als wir selbst.
Mit Releases wie „Moving On“ wirkt es so, als würdest du eine neue Phase einläuten – was sagt dieser Track über deinen aktuellen Stand aus?
Du hast das genau richtig verstanden – das markiert tatsächlich eine neue Phase für mich, deshalb freut es mich, dass du das ansprichst. Wie ich schon erwähnt habe, bewege ich mich gerade ganz natürlich wieder stärker in Richtung House, und „Moving On“ ist ein klares Statement dieser Entwicklung. Es ist ein noch stärkeres Bekenntnis zu diesem Sound. „Moving On“ ist für mich der Weg, komplett zurück in den House-Sound zu gehen – mit einer zeitlosen, von den 90ern inspirierten Energie. Es ist simpel, ehrlich und bewusst – und spiegelt genau wider, wo ich heute als Künstler stehe.
Ganz aktuell hast du gemeinsam mit Emanuel eine Kollaboration mit dem englischen Sänger Ali Love. Was macht dieses Projekt für dich besonders?
Ali Love ist in jeder Hinsicht ein absolutes Genie, und es ist eine große Ehre, mit ihm zu arbeiten. Die Idee war, gemeinsam etwas zu schaffen, das wirklich zu seiner Welt passt. Emanuel und ich leben in Lissabon und sind im Studio so etwas wie „Partner in Crime“. Mit ihm konnte ich etwas mit echter Bedeutung und Tiefe entwickeln. Am 29. April wird es wieder ein Scenarios Showcase im Pacha auf Ibiza geben, wo wir den brandneuen Track mit Ali Love performen werden. Es ist ein ganz besonderer Track, und das Pacha ist förmlich der perfekte Ort, um ihn zu präsentieren.
Du bewegst dich aktuell auch in unterschiedlichen Kontexten – vom „Take Me Higher“-Remix auf Armada bis zum „A GIRA“-Remix für Unfazed auf Spinnin’ stehen einige sehr interessante Projekte an.
Das stimmt, ja. Ich habe einen Remix von „Take Me Higher“ von Mischa Daniels gemacht – einer der besondersten Tracks, die ich jemals remixen durfte. Es ist einer der Tracks, durch die ich mich in meinen frühen Jahren in House-Musik verliebt habe. Erick Morillo war derjenige, der mich damals darauf gebracht hat, daher gibt es eine sehr persönliche Verbindung zu diesem Remix. In gewisser Weise ist es auch eine Hommage an ihn – etwas wieder aufzugreifen, das mich geprägt hat, und ihm heute meine eigene Interpretation zu geben. Der Remix von „A GIRA“ von Unfazed passt ebenfalls sehr gut zu dieser Phase. Wir haben daran als komplettes Scenarios-Kollektiv gearbeitet, was ihn noch besonderer macht. Ich spiele schon seit Jahren in Brasilien, und irgendwie hat es sich wie der richtige Moment angefühlt, dieser Community etwas zurückzugeben. Da gibt es eine echte Verbindung. Und der Vocal – ich liebe ihn einfach. Er trägt so viel Emotion und Identität in sich, was den gesamten Prozess noch bedeutungsvoller gemacht hat.
Scenarios wächst aktuell stark, in den kommenden Wochen stehen einige Showcases an. Was macht für dich den Kern einer Scenarios-Nacht aus?
Dieses Jahr ist ein großes für uns. Wir geben unser Debüt im Hï Ibiza gemeinsam mit meinem guten Freund Andrea Oliva, der kürzlich eine wunderschöne Version von „HINO“ auf Scenarios veröffentlicht hat – darauf freuen wir uns sehr. Außerdem feiern wir am 2. Mai unser Debüt in Istanbul im Klein Phönix, was ebenfalls sehr spannend ist. Und am 30. August kehren wir mit einigen großen Überraschungen nach Lissabon zurück – also bleibt gespannt.
Wenn du auf alles schaust, was gerade passiert – Releases, Ibiza, internationale Shows – was möchtest du als Künstler langfristig aufbauen oder ausdrücken?
Ehrlich gesagt ist es genau das, was ich seit den letzten 15 Jahren aufbaue: mir selbst und meinem Gefühl treu zu bleiben. Es geht darum, mich mit Menschen zu umgeben, die die gleiche Liebe zur Musik teilen, und etwas zu erschaffen, das über den Moment hinaus Bestand hat. Für mich ging es immer darum, zeitlose Musik zu machen – nicht einfach Trends zu folgen.
Aus dem FAZEmag 170/04.2026
Text: Triple P
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