Mark Reeve kritisiert schlechte Bezahlung für Producer

DJ und Produzent Mark Reeve hat mit einem offenen Statement auf Facebook eine Debatte über die Bezahlung von Künstlern im elektronischen Musikbusiness angestoßen.

Er berichtete von einer Abrechnung für Tantiemen eines Tracks, der wochenlang an der Spitze der Beatport-Charts stand. Trotz eines 50/50-Splits mit dem Label sei die Summe so gering, dass sie nicht einmal seine monatlichen Stromkosten decke.

„Wie kann das sein? Wie soll ein Produzent seine Kosten mit so wenig Einkommen bezahlen?“, fragte Reeve. Er selbst könne durch gut gebuchte Shows im Sommer und Winter seine Ausgaben stemmen, doch vielen Kollegen fehle diese Möglichkeit.

Ohne Bookings stünden zahlreiche Produzenten vor der Herausforderung, ihre Studiokosten überhaupt tragen zu können. Reeve zeigte zwar Verständnis dafür, dass Labels in Promotion, Covergestaltung und Mastering investieren, kritisierte aber, dass diese Kosten häufig höher seien als die Einnahmen der Releases.

Sein Vorschlag: Labels sollten ihre Ausgaben reduzieren, um Produzenten mehr Anteile zu lassen. Früher habe veröffentlichte Musik automatisch zu Bookings geführt, heute stehe die Musik nur noch an zweiter Stelle.

Er forderte, dass Labels und Künstler gemeinsam ein neues System entwickeln, das beiden Seiten nützt. Andernfalls würden viele Produzenten bald verschwinden. Auch Streaming-Plattformen wie Spotify sowie Beatport müssten dringend höhere Auszahlungen leisten. „Es ist einfach lächerlich, was am Ende dabei herauskommt!“, so Reeve.

Unterstützung erhielt er von DJ-Kollege Bart Gyurkovics, der die veränderten Geschäftsmodelle beleuchtete. Während man früher Tausende Euro jährlich für Vinyl oder CDs ausgeben musste, koste Streaming heute nur noch einen Bruchteil.

Gleichzeitig sei die Lebensdauer von Tracks extrem kurz, viele Veröffentlichungen erschienen erst nach monatelangem Clubeinsatz. Zudem hätten sich die Rollen verschoben: Früher hätten Gigs den Albumverkauf angekurbelt, heute entscheide die Online-Präsenz über die Bookings.

Auch DJ Andrewboy brachte eine Perspektive ein. Labels verlangten oft zwei Tracks pro Release, wobei fast immer nur einer ernsthaft promotet werde. Er plädierte dafür, sich stärker auf einzelne Singles zu konzentrieren, um die Sichtbarkeit der Produzenten zu erhöhen.

Dieses Modell habe sich im Streaming-Zeitalter ohnehin etabliert, da häufige Einzelveröffentlichungen den Künstler präsenter machten und neue Einnahmequellen erschließen könnten.

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