
Marten Hørger gehört zu den wenigen deutschen DJs, die es geschafft haben, gleichzeitig Festival-Mainstages, Underground-Clubs und Streaming-Plattformen weltweit zu erobern. Während andere Artists sich klaren Genres zuordnen lassen, bewegt sich der Stuttgarter seit Jahren spielerisch zwischen House, Bass, Electro und Club-Eskalation. Genau diese Mischung hat ihn in den vergangenen Jahren zu einem der gefragtesten Acts der internationalen Szene gemacht. Ob Tomorrowland, EDC Las Vegas, Burning Man oder ausverkaufte Clubshows in den USA, Australien und Europa – Hørger liefert überall denselben energiegeladenen Sound, der rohe Club-Energie mit modernen Festival-Vibes verbindet.
Mit Kollaborationen an der Seite von Artists wie David Guetta, Tchami, Dillon Francis, Sonny Fodera oder Habstrakt hat er sich längst einen festen Platz in der globalen Dance-Szene erspielt. Gleichzeitig wirkt Hørger trotz Millionen Streams, weltweiter Tourneen und riesiger Bühnen erstaunlich bodenständig. Vielleicht auch, weil bei ihm vieles noch immer sehr familiär wirkt – sowohl im direkten Umfeld als auch im Umgang mit Fans und Community. Statt kalkulierter Coolness vermittelt der Stuttgarter lieber echte Euphorie, Humor und genau die „Good Vibes“, für die ihn seine Fans feiern.
2026 markiert nun das nächste große Kapitel seiner Karriere. Gemeinsam mit David Guetta launchte er vor Kurzem das gemeinsame Projekt „Men Machine“, das bereits mit den ersten Shows und Releases international für Aufmerksamkeit sorgt. Parallel dazu tourt Hørger nahezu ohne Pause um die Welt und arbeitet an mehr neuer Musik als jemals zuvor. Trotzdem scheint er sich einen ganz eigenen Umgang mit dem Wahnsinn des Musikbusiness bewahrt zu haben – inklusive eines Lebens nach deutscher Zeitzone, egal auf welchem Kontinent er sich gerade befindet.
Im großen Cover-Interview spricht Marten Hørger über kreative Routinen, Schlafmangel auf Tour, die Entstehung von „Men Machine“, den Einfluss seiner Familie und warum gerade monotone Alltagssituationen oft die besten Ideen hervorbringen. Außerdem erzählt er, weshalb direktes Feedback aus der Crowd für ihn bis heute unverzichtbar ist, wie sehr ihn die „Feel your glo“-Kampagne inspiriert hat – und warum Glück für ihn heute wichtiger ist als Zahlen, Streams oder Hypes.
2026 scheint bislang ein ziemlich intensives Jahr für dich zu sein. Wie würdest du die letzten Monate persönlich und musikalisch zusammenfassen?
Um ganz ehrlich zu sein: Seitdem ich mich erinnern kann, wird einfach jedes Jahr noch besser als das davor. Total crazy. Aber speziell die letzten Monate waren besonders turbulent. Wie ihr vielleicht gesehen habt, haben David Guetta und ich gerade unser neues Projekt Men Machine zusammen mit unserer ersten EP gelauncht. Das alles, während ich parallel auf Worldwide-Tour war und zum ersten Mal Songs auf Fishers Catch & Release Records rausgebracht habe. So gut!
Worauf freust du dich in diesem Jahr noch am meisten – gibt es Projekte, Releases oder Momente, auf die du besonders hinfieberst?
Ich habe mir Anfang des Jahres ein paar Wochen Auszeit genommen, um nur an Musik zu arbeiten. So haben wir jetzt mehr Songs als jemals zuvor ready. Genau diese Sachen live zu spielen über die kommenden Monate – darauf freue ich mich persönlich am meisten.
Mit „Men Machine“ beginnt jetzt ein komplett neues Kapitel mit David Guetta. Wie kam es dazu – und warum fühlt sich dieses Projekt für dich anders an als frühere Zusammenarbeiten?
David und ich sind sehr viel in Kontakt, seitdem wir uns 2019 kennengelernt haben. Unser erster gemeinsamer Song kam dann 2023 raus. Aber das Men-Machine-Projekt ist nochmal komplett anders, weil es wirklich als gemeinsames Projekt gedacht ist, bei dem wir uns kreativ austoben können. Ich mag ihn wirklich unfassbar gern. Und Musik mit Freunden zu machen, ist wirklich das Schönste, was es gibt.
Eure ersten gemeinsamen Shows und IDs sorgen bereits für viel Aufmerksamkeit. Hast du das Gefühl, dass sich dein Sound aktuell erneut verändert?
Der Sound verändert sich ja die ganze Zeit. Und ich fühle immer mehr die Einflüsse von Electro und den 80ern in den Sets der ganz Großen, aber auch in den Sets der Underground-DJs. Das ist auch genau der Vibe, den wir aufgreifen.
Du spielst riesige Festival-Mainstages, aber auch intime Clubs. Was fasziniert dich heute mehr: totale Eskalation oder echte Nähe zur Crowd?
Ich liebe es, dass ich beides haben darf, weil mich beides echt glücklich macht.
Viele verbinden deine Musik mit „Good Vibes“. Wie wichtig ist dir diese positive Energie auch abseits der Bühne im Alltag?
Ich bin sehr emotional, auch wenn das nicht immer nur positiv für mich ist. Und ich funktioniere auch nur, wenn rund um mich herum gute Vibes sind. Deswegen arbeiten mein Team und meine Familie auch immer hart daran, dass rund um mich herum im Idealfall den ganzen Tag die Sonne scheint. 🙂

Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass du – egal wo auf der Welt du gerade bist – deine Uhr nie umstellst und immer in deutscher Zeit bleibst, um mit deiner Familie connected zu sein. Stimmt das wirklich?
Das ist wirklich so. In dem Leben, das ich gerade führen darf, ist tatsächlich Schlaf das größte Problem. Es hat sich herausgestellt, dass es für mich am besten ist, das ganze Jahr – egal wo auf der Welt wir sind – in der deutschen Zeitzone zu leben. Wenn es in Stuttgart 22:00 Uhr ist, gehe ich ins Bett und schlafe dann im Idealfall acht Stunden. Mein Team organisiert meinen Alltag dann so, dass dieser Plan aufgeht. Mein Tour-Manager Flo ist dann vor Ort wach und erledigt alles, was erledigt werden muss.
Du bist international erfolgreicher denn je, wirkst aber gleichzeitig sehr bodenständig. Was hilft dir dabei, nicht komplett in diesem schnelllebigen Musikzirkus verloren zu gehen?
Meine Familie zu Hause interessiert sich tatsächlich weniger für „meine Arbeit“ – und das tut mir ganz arg gut. Gleichzeitig hänge ich viel mit Leuten rum, die mich schon kannten, bevor meine Karriere passiert ist. Ich habe gar keine Chance abzuheben. 🙂
Die Kampagne „Feel your glo“ beschäftigt sich mit alltäglichen Momenten als Inspirationsquelle. Gibt es bei dir ganz bestimmte Routinen oder monotone Situationen, aus denen tatsächlich neue Ideen entstehen?
Das Monotonste für mich ist die „Anreise“ zu den Shows – sozusagen das Pendeln. Aber oft ist es genau das, was dann die coolsten Ideen für meine Musik triggert. Genau in diesen Momenten und Situationen entstehen oft die besten Songs. Das ist auch das, was mich an der Kampagne voll abgeholt hat.
In der Kampagne geht es viel um Perspektivwechsel und Community-Input. Wie wichtig ist dir dieses direkte Feedback heute noch – sowohl online als auch live im Club?
Beim Auflegen und Musikmachen geht es immer darum, Menschen glücklich zu machen. Ohne direktes Feedback würde kein DJ-Set funktionieren. Und ohne das Feedback der Menschen da draußen hätten viele von uns keine Idee, was wir im Studio tun sollen. Ich inklusive.
Wenn du heute neue Musik produzierst: Denkst du noch in Genres oder nur noch daran, wie sich ein Track anfühlen soll?
Mittlerweile geht es mir nur noch darum, dass es bei mir die richtigen Emotionen auslöst. Dann nehme ich den Song mit auf die Shows. Wenn er dann live auch die richtigen Emotionen auslöst, mache ich ihn fertig.
Wenn du kurz innehältst und auf die letzten Jahre blickst: Gibt es etwas, worauf du abseits von Zahlen, Streams und Festivals besonders stolz bist?
Auch auf die Gefahr hin, dass das jetzt cheesy klingt: Ich bin sehr stolz darauf, dass ich glücklich bin, mein Umfeld glücklich ist und die Menschen, die auf die Shows kommen, glücklich nach Hause gehen. Alles andere ist nur Schall und Rauch.
Aus dem FAZEmag 172/06.2026
Text: Triple P
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