Während man vor einigen Jahren schlichtweg ein guter DJ sein musste, um im elektronischen Zirkus erfolgreich zu sein, gehört dieser Tage schon einiges mehr dazu. Im besten Falle ist man ein guter Produzent und DJ bzw. Live-Act zugleich, doch bei dieser Kombination trennt sich immer mehr die Spreu vom berühmten Weizen. Zu denen, die es schaffen, gehört Matt Sassari: Der aus Marseille stammende junge Künstler vereint beide Welten in Perfektion und kann trotz junger Karriere bereits auf Output auf Labels wie Terminal M, Intec, Tronic, Sci + Tec, Relief und anderen zurückblicken. Szene-Größen wie Carl Cox, Adam Beyer, Joseph Capriati, Chris Liebing und Nicole Moudaber singen regelmäßig Lobeshymnen auf den Franzosen.

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Lass uns von vorne anfangen: Wie wurdest du Musiker und welche Acts haben dich beeinflusst?


Meine Geschichte beginnt im Alter von 14. Ich war in einer Football-Academy-Ausbildung, um Fußballer zu werden. Erst als ich den ersten Club von innen sah, übernahm elektronische Musik mein Leben. Nach ungefähr acht Jahren im Studio, wo ich meine Skills auf Ableton perfektioniert hatte, ging es auch in Sachen Auflegen so richtig los. Ich fühlte mich zutiefst inspiriert, wenn ich einen Künstler live erlebte, so zum Beispiel bei Anthony Rother, Stephan Bodzin, Rodriguez Jr. oder auch Dense und Pika, Tiger Stripes, Carlo Lio und The Junkies.

Du bist einer der angesagtesten Shooting-Stars im Moment. Wie sahen deine ersten Schritte aus, was ist nach deinen ersten Veröffentlichungen passiert?

Danke für die netten Worte! Ich würde sagen, dass meine ersten Schritte darin bestanden, die richtigen Techniken in der Produktion und die richtige Mischung zu finden, um so meinen eigenen Sound zu finden. Wie ich schon sagte, dauerte es fast acht Jahre, bis ich meinen Sound auf Ableton auf so einem Level hinbekommen habe. Irgendwann machte es klick. Danach begann ich, Musik zu Labels wie Potobolo Records zu schicken und eine Fanbase aufzubauen. Nach einigen Veröffentlichungen kam einer meiner Tracks in die Beatport-Charts, was dann wiederum Anfragen von Labels wie Deeperfect mit sich brachte. Dieser Schritt war der Schlüssel in meiner Karriere, weil plötzlich die Aufmerksamkeit der großen Labels und Künstler gegeben war. Danach war die „Fired Up“-EP auf Carl Cox‘ Intec Digital essenziell, würde ich sagen. Die EP war sehr erfolgreich und #2 in den Beatport-Techno-Charts. Natürlich auch wegen der großartigen Unterstützung von Carl selbst. Danach hatte ich die Chance, den Klassiker „La La Land“ von Green Velvet zu remixen, was ebenfalls ein großer Erfolg war. Meine letzte Zusammenarbeit mit Patrik Berg auf Monika Kruses Terminal M war ein großes Ding für mich. Es war unglaublich, zu sehen, wie viele Künstler die Tracks spielen, und auch die Reaktionen im Publikum waren enorm, besonders auf dem Awakenings Festival, wo Carl Cox, Adam Beyer und Nicole Moudaber die EP spielten.

Und du hast nahezu alles in Eigenregie gemacht, wie ich gelesen habe. Korrekt?

Korrekt. Es ist eine Mischung aus Anfragen, dem Senden von Demos und dem Aufbau von Beziehungen mit Künstlern und Label-Managern. Mein Ansatz ist es, meine Sachen nach Fertigstellung immer an die für mich aktuell größten Labels zu schicken. Seit einiger Zeit begleitet mich ein Management, das sich nun auf das nächste Level konzentriert. Ich bin sehr gespannt, wie die Zukunft aussieht.

Du bist nicht nur ein guter Akteur auf der Bühne, sondern auch ein guter Produzent. Diese Kombination ist selten. Was ist dein Geheimnis, dass du beide Welten so professionell bedienst?

Ich persönlich definiere mich primär als Produzenten. Deshalb spiele ich live, wenn ich auf einem Konzert auftrete. Ich fühle mich viel wohler bei Ableton, da ich täglich damit in Berührung bin. Über Ableton Live ist es möglich, sich perfekt auszudrücken. Ich ziehe es vor, ein Hybrid-Live-Set zu spielen, weil ich auch gerne Tracks von anderen Leuten spiele statt nur meine eigenen.

Carl Cox, Adam Beyer, Dubfire – alles Namen, die dich im großen Stil supporten. Wie fühlt es sich an, Teil dieses Innercircles zu sein?

Es ist ein tolles Gefühl. Ich habe eine Menge gutes Feedback zu all meinen Veröffentlichungen bekommen, was mich wirklich voranbringt. Wenn jemand sagt „Mega, ich werde es spielen“ und du am nächsten Wochenende ein Video von dem Künstler siehst, in dem er den Track spielt – das ist ein sensationelles Gefühl! Als Produzent ist es sehr hilfreich für das Vertrauen und die Motivation, wenn deine persönlichen Legenden deine Tracks so gut finden. Auch die Unterstützung der Resident-DJs ist sehr wichtig für mich, weil diese ebenso einen grandiosen Job abliefern, Woche für Woche.

Zuletzt ist deine „Discovery“-EP auf Monika Kruses Terminal M zu einem wahnsinnigen Hit mutiert. Erzähl uns von der Geschichte und der Idee hinter der EP!

Ich habe großen Respekt vor Monika und mag den Sound von Terminal M wirklich sehr. Ich wollte seit Jahren auf dem Label veröffentlichen, hatte aber bis jetzt noch nie die richtigen Tracks dafür. Die Geschichte hinter der Kollaboration ist, dass Patrik Berg ein guter Freund ist, mit dem ich gemeinsam die „We Are Together“-Residency im Tanzhaus West habe. Nach dem Austausch einiger unveröffentlichter Tracks begannen wir, an einer EP zu arbeiten, die wir dann an Monika schickten. Sie war sofort in die EP verliebt. Ich bin wirklich froh, dass ich auf Terminal M nun auch etwas für mich Untypisches veröffentlichen konnte.

Was waren deine bisher größten Shows, welche Höhepunkte gab es, die du nie vergessen wirst?

Das ist eine wirklich schwierige Frage! Ich denke, meine größte Show bislang war in Thailand beim Wonderland Festival. Es war eine tolle Party mit Leuten, die völlig in einem Flow waren. Auch „We Are Techno“ in Uruguay war eine tolle Erfahrung, aber ehrlich gesagt hängt es immer vom Setting ab. Bei Terraza in Athen spiele ich beispielsweise jedes Jahr. Die Venue fasst nur 200 Leute, aber ich liebe die Atmosphäre. Es muss nicht unbedingt groß sein, um Spaß zu machen.

Lass uns über die Zukunft sprechen. Was steht in den nächsten Wochen und Monaten an?

Zwei EPs sind gerade aktuell. Am 16. Juli habe ich auf Moan Recordings etwas eher Housiges und Grooviges veröffentlicht, am 7. September bin ich mit Patrik Berg zurück auf Carl Cox‘ Intec Digital mit zwei Techno-Tracks. Abgesehen davon habe ich eine Menge unveröffentlichtes Material, das von Leuten wie Adam Beyer gespielt wird. Mal sehen, was damit passiert. (lacht)

Du hast eine Residency im Tanzhaus West, einem Club in Deutschland mit langer Tradition. Wie kam es dazu?

Tim Berg hat mich einst für die „We Are Together“-Reihe gebucht – nach diesem Booking wurden wir Freunde und er fragte mich, ob ich an einer Residency Interesse hätte. Eine Mischung aus toller Stimmung und netten Leuten – da habe ich natürlich angenommen! Jetzt sind es bereits zwei Jahre und ich denke, da folgen noch einige mehr.

Zu guter Letzt noch etwas Allgemeines. Ich habe das Gefühl, Techno löst die allgegenwärtige Deep-House-Welle aktuell ab. Wie siehst du das?

In der Tat, das sehe ich genau so. Und es ist witzig, weil noch vor zehn Jahren viele Freunde von mir sagten, wie wahnsinnig ich doch sei, diese Musik zu hören. Und heute machen sie selbst Techno. Die elektronische Musikszene ist durch Plattformen wie Spotify, Apple Music und auch durch Mainstream-Chart-Erfolge viel zugänglicher geworden. All das dient als Einstieg in die elektronische Musik, die es den Zuhörern ermöglicht, Genres und Subgenres zu entdecken, zum Beispiel Techno. Auf der Event-Seite gibt es eine große Anzahl an Festivals, Marken und Clubnächten, die das Genre unterstützen, und auch mit Social-Media-Plattformen wie Instagram und diversen Influencern hat es Techno geschafft, zur „coolen Lifestyle-Sache“ zu werden. All das sagen zu können, ist großartig, dann ein Plus an Leuten in der Szene bedeutet mehr Partys, mehr DJs, mehr Produzenten, mehr Ideen und mehr Künstler.

Aus dem FAZEmag 078/08.2018
www.facebook.com/Matt.Sassari
Text: Triple P