
Ein improvisierter 40m²-Bauraum, illegale DIY-Raves, Anzeigen, Stress mit dem Bauamt und einer NPD-Politikerin – der Mauerpfeiffer Club und die dazugehörige UBAR in Saarbrücken blicken auf eine bewegte und spannende Geschichte zurück. Anlässlich des 16-jährigen Jubiläums haben wir mit Inhaber Tim Grothe die wilden Anfangsjahre resümiert und uns Einblicke zum Status quo der saarländischen Institution eingeholt.
Tim, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Am 1.11. habt ihr euer 16. Jubiläum gefeiert. Nimm uns mit durch diese besondere Nacht.
Eine verrückte, wunderschöne Nacht. Es ist jedes Mal berührend zu sehen, wie sich alte und neue Gesichter mischen. Alle Floors waren offen, jede Ecke hatte ihre eigene Atmosphäre, aber das Wichtigste war dieses Gefühl von Gemeinschaft. Egal, wo man stand – man spürte sofort: Das ist mehr als Nachtleben. Das ist eine große Familie, die sich seit Jahren trägt. Solche Nächte erinnern uns daran, warum wir das alles machen.

16 Jahre Clubbestehen — das war früher durchaus normal, heute gilt man damit schon fast als Urgestein. Wie fühlt ihr euch?
Ehrlich gesagt: ein bisschen stolz, ein bisschen erschöpft und sehr dankbar. 16 Jahre sind in der heutigen Clublandschaft keine Selbstverständlichkeit. Mir fallen nur wenige Clubs ein, die so lange bestehen und sich dabei selbst treu geblieben sind – aus unserer Großregion gar keiner. Rückblickend fühlt es sich an wie zwei Welten: die wilden DIY-Anfänge mit Baustellen-Raves und die heutigen Herausforderungen mit steigenden Kosten. Trotzdem blicken wir positiv nach vorn. Wir wissen, wofür wir stehen: Räume, in denen Menschen frei sein dürfen – mit guter Musik. Solange wir das bieten können, machen wir weiter.

Was macht den Mauerpfeiffer besonders – nicht nur für Saarbrücken, sondern für die Region?
Wir waren nie nur ein Club. Der Mauerpfeiffer & Unsichtbar ist ein Ort aus Menschen, Freundschaft, Selbstbau und echter Liebe zur Musik. Alles ist organisch gewachsen. Der Club ist ein Raum, in dem du sein kannst, wer du bist. Bei uns tanzen Generationen Seite an Seite. Und unsere Anlagen waren immer das Herzstück – wir verlieren uns selbst gerne in der Tiefe der Bässe.
Der Club war zu Beginn fast schon winzig. Zum Jubiläum hatten nun fünf Floors offen. Erzähl uns mehr zum Ausbau des Clubs über die Jahre.
Wir wollten am Anfang keinen Club gründen – das ist einfach passiert. Wir starteten mit einem 40-m²-Raum plus 18-m²-Keller, ohne Genehmigung. Die Baustellen-Raves sind eskaliert, danach hatten wir Anzeigen, Hater und das Bauamt am Hals. Also mussten wir legalisieren und umbauen – finanziell war das nur durch regelmäßige Veranstaltungen möglich. Dann wurde es politisch: Eine NPD-Politikerin interessierte sich für ein Gebäude in unserer Reihe. Das konnten wir nicht zulassen und übernahmen es – plus ein Tattoostudio. Ab da war alles Dauerbaustelle. Wir bauten, erweiterten, verbanden. Über den Garten haben wir irgendwann alle Gebäude zusammengeführt. So wurden aus einem kleinen Raum fünf Floors, ein Garten und diverse Bereiche.

Ein paar Worte zum regelmäßigen Electronic-Programm und zu den Highlights in nächster Zeit?
Elektronisch sind wir breit aufgestellt: Techno, Hard-Techno, House, Trance, experimentell. Mit fünf Floors können wir testen und wachsen. Wichtig ist die Mischung aus überregionalen Acts und lokalen Talenten. In den nächsten Wochen freuen wir uns besonders auf unsere härtere Reihe „Cadmium“ und auf Björn Torwellens „Revolution Raw“ – roher, ehrlicher Techno. Wir buchen nach Haltung, nicht nach Hype. Der Januar 2026 wird besonders – mehr verrate ich noch nicht.

Der Mauerpfeiffer, beschrieben in einem Moment, einem Bild oder einer Situation?
Du kommst morgens aus dem Keller, läufst durch den Garten, atmest durch, die aufgehende Sonne kitzelt dich, überall diese Energie. Menschen, die sich sicher fühlen. Freiheit, Nähe, Chaos – alles gleichzeitig. Und dann triffst du zufällig einen Freund, der genauso lange da ist wie du, ihr euch aber sieben Stunden nicht gesehen habt. Genau das ist der Mauerpfeiffer.
Aus dem FAZEmag 166/12.2025
www.mauerpfeiffer.de
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