Mein erstes Mal – mit Losoul

 

Peter Kremeier alias Losoul gehört seit den frühen 90ern zu den prägenden Figuren der deutschen House- und Technoszene. Zwischen Playhouse, Panorama Bar und Robert Johnson hat er sich mit seinem eigenständigen Sound einen Namen gemacht und eine üppige Diskografie aufgebaut, die unter anderem mit Remixen für Sven Väth, Blaze, Hans Nieswandt, Jay Haze und Alessandro Crimi bestückt ist. Für unsere Rubrik „Mein erstes Mal“ blickt er auf die Anfänge seiner Laufbahn zurück.

Meine erste Platte:

Piefke und Pafke und die Jungs aus der Dunkelkammer – „Und es geht ab“ (1982). Ich hatte schon als Kind viel Musik durch Freunde und meine Eltern um mich herum. Da gab’s Klassik, Jazz, Soul und frühe Rap-Sachen sowie natürlich 60er-/70er-Popmusik, die im Radio lief. Ich hatte gerade die Grundschule hinter mir. Diese Platte nahm die Neue Deutsche Welle, die sich gerade im kommerziellen Hype befand, aufs Korn – und ich fand das damals cool.

Mein erster Club-Gig:

Das war 1992 im Der Mensch verläßt die Erde, einem kleinen Café-/Bar-/Club, den Bekannte von uns betrieben.

Ich bin in Köln aufgewachsen, bin aber 1989 mit meiner Familie nach Wiesbaden gezogen. Dort hatte ich Leute aus verschiedenen Subkulturen kennengelernt (z. B. das Superbleep Soundsystem u. a. mit S-Max), und wir waren von verschiedenen Genres beeinflusst – eben Hip-Hop, House, Techno, Acid, Breakbeat/Jungle, Alternative Rock, Psychedelic Rock, Punk, Dub usw., die wir auf kleineren Partys gespielt haben. So wurden wir zur Eröffnung des oben genannten Clubs gebucht.

Meine erste Gage: 

Ca. 50 bis 100 DM

Mein erstes Idol:

Ich habe nie einzelne Leute nachgemacht – weder aus Bewunderung noch als Parodie oder aufgrund von Verdrängungsvorstellungen. Dafür wollte ich immer zu sehr eigene Ideen zusammenbringen und, wenn möglich, auch repräsentieren. Ich war von Funk, Soul, Jazz sowie frühem US-Hip-Hop und -House beeinflusst, zudem an europäischen elektronischen Experimenten zwischen Indie und Pop interessiert, allgemein vor allem an Grooves. Ich hatte in den 80ern angefangen, Platten zu sammeln und vereinzelt mit Freunden auf Partys in der Schule oder privat aufgelegt.

Mein erstes Release:

„Silhouette Electronique“ (mit R. Villalobos und T. Menguser) auf Placid Flavour (1994).

Ricardo hatte in den frühen 90ern ja Partys in und um Darmstadt gemacht, und wir hatten auch einige Male zusammen gespielt. Ich hatte meine Produktionen regelmäßig Leuten vorgespielt, und 1994 hatte ich diesen Psychedelic-Techno-Jam aufgenommen. Moritz von Superbleep hatte ihn Ricardo vorgespielt. Ricardo hatte schon ein paar Veröffentlichungen auf einem lokalen Label, und so kam ein V.A.-Release mit ihm und dem Labelbetreiber zustande.

Mein erstes Interview:

Groove Magazin (1997)

Mein erstes DJ-Equipment:

Monacor MPX-6000 Mixer (Mitte der 80er) mit Tapedeck und geliehenen Plattenspielern

Mein erstes Studiogear:

Commodore Amiga 500 (Mitte der 80er), später mit Sampler-Modul und Trackersoftware, Yamaha MT44 4-Spur-Recorder (1988), Anfang der 90er Roland S330 Sampler und Atari ST mit Cubase

Mein erster peinlicher Moment auf der Bühne:

Nadel von der laufenden Platte genommen, während andere DJs um mich herumstanden.

Meine erste künstlerische Krise:

Richtige Krisen gab es kaum, eher Veränderungen oder neue Aufgaben, die sich einem stellten. Enttäuschungen, Vertrauensbrüche, Unvereinbarkeiten, Auseinanderleben – all das hat bis heute dazu geführt, dass man besser weiß, worauf es ankommt, und die Schwierigkeiten im Nachhinein nicht mehr viel bedeuten.

Losouls neues Album „Broken English Dubs” erscheint am 5. Oktober via Logistic Records.

Aus dem FAZEmag 174/08.26
instagram.com/losoul_is