„Come Touch The Sun“ – so hieß das erste Album von Mo’ Horizons, das 1999 erschien, die Single-Auskopplung „Foto Viva“ dürfte wohl einigen älteren Semestern hier noch im Ohr klingen. An die jüngeren Semester: anhören! Aber bitte auch das neue Album „Musik Sun Love“ von Ralf Droesemeyer und Mark „Foh“ Wetzler, das sie im 20. Jahr ihres Bestehens veröffentlicht haben – gemeinsam mit unzähligen Gästen aus aller Welt, wie sie es regelmäßig machen und so international ist eben auch ihr Sound: eine Mischung aus Latin, Soul, Downbeats, Reggae, Cumbia, Samba und Balkanbeats. “Mo’ Horizons sind zwar keine politische Band, doch auf ‘Music Sun Love’ arbeiten wir so viele unterschiedliche musikalische Stile ein und haben so viele Musiker aus aller Welt an Bord, das ist schon bemerkenswert. Das kam alles von selbst, und so sollte es sein! Die Menschen sollten die Kultur ihrer Nachbarn entdecken und lernen, statt darüber nachzudenken, Mauern zu bauen und die Grenzen zu schließen“, erklärt uns Droesemeyer und erzählt uns auch noch seine fünf liebsten Anekdoten aus 20 Jahre Mo’ Horizons.


I.
„Vor vielen Jahren machte mein Bruder Urlaub am Roten Meer in Ägypten, schnorchelte da so rum, sieht am Meeresboden etwas schimmern, taucht runter und sieht eine CD. Er nimmt sie mit hoch und staunt nicht schlecht: handgeschrieben stand „Mo‘ Horizons“ drauf …“

II.
„Ebenfalls vor vielen Jahren: ein DJ-Gig in Rio in Brasilien. Sonne, Meer, Beachbar und – denkste, Puppe! Unser Gig war Downtown in einem Kellerclub. Nicht optimal, aber so what? Auch ok! Das Problem? Es kam niemand zum Tanzen. Warum? Der Eintritt war sehr hoch und direkt um den Club herum lief zeitgleich ein Festival mit großen brasilianischen Stars – und das for free. Super Planung …“

III.
„Unsere griechische Insel-Hopping-Live-Tour 2002. Einer der Gigs führt uns auf die kleine Insel Hydra. Hydra was, Hydra wo? Kannten wir alle nicht und am Hafen dann eine tolle Überraschung: Hydra ist autofrei! Prima – aber oje, das ganze Live-Equipment schleppen? Roadies hatten wir natürlich keine. Aber: Die Eselkarren standen bereit und wir mussten nicht mal laufen …“

IV.
„Ein DJ-Gig in Rimini in Italien – extrem gut bezahlt! Als wir mit dem Auflegen dran waren, ist noch nicht viel los im Club und Foh spielt den ersten Warm-up-Song, was allerdings direkt den unzufriedenen Clubbesitzer auf den Plan ruft: „Different music, House music!“ Hossa, das war uns neu, normalerweise werden wir ja für unseren Sound gebucht, eben gerade keine House music. Aber man will ja auch kein Spielverderber sein … und diese Gage … Also lege ich den zweiten Song schon mal mit 120 bpm auf, eine gute Clubnummer im House-Tempo, das wird den Capo, den Cheffe schon milde stimmen, vielleicht sogar zum Mitwippen verleiten. Der dritte Song? Keine Ahnung, den hat schon ein anderer DJ aufgelegt – wahrscheinlich House.(lacht) Die Geduld des Clubbesitzers war mit dem zweiten ‚Nicht-House-Song‘ am Ende und dieser Gig ging in unsere Geschichte ein als der mit der besten Gage pro Song ever.

V.
Auf einer unserer Australien-Touren – Jamiroquai war der Headliner – gab es after the Show eine Aftershow – somewhere, gute Musik … Jamiroquai tanzt ausgelassen auf einem hohen Tisch, fällt fast herunter. Egal, alle happy, Sommer, Drugs and Rock’n’Roll. After the Aftershow draußen dann ein Affe auf einer Laterne: tanzend, extrovertiert, voll drauf – oh nee, es ist Jamiroquai. Lustig? Ja, aber mit etwas Fremdscham, Gradwanderung zur Peinlichkeit. Das, was er intus hatte, wollten wir – nicht!

Am 10. Mai erschien das neue Album „Musik Sun Love“ von Mo Horizons auf Agogo.

www.agogo-records.com
Foto: Simon Florentz