Mord? Drogen? Techno-DJ stirbt bei Polizei-Einsatz auf Ibiza

Der Tod des italienischen DJs Michele Noschese, bekannt unter dem Künstlernamen GODZI, erschüttert die internationale Clubszene.

Der 35-Jährige starb in den frühen Morgenstunden des 19. Juli auf der Partyinsel Ibiza bei einem Polizeieinsatz in seinem Haus in Santa Eulalia. Während die spanische Polizei einen Herzstillstand als Todesursache nennt, werfen Freunde und Angehörige schwere Vorwürfe gegen die Einsatzkräfte der Guardia Civil auf.

Nach Angaben der spanischen Behörden wurden die Beamten alarmiert, weil Nachbarn von Bedrohungen berichteten. Vor Ort fanden sie Noschese laut RaiNews offenbar unter Drogeneinfluss und in einem Zustand von Halluzinationen vor.

Während des Einsatzes soll er zu krampfen begonnen haben. Trotz sofortiger Reanimationsversuche starb er noch am Einsatzort. Die Polizei führt seinen Tod auf einen Herzstillstand zurück.

Ganz anders schildern Freunde des DJs die Situation. Laut ihnen soll Noschese von den Polizisten schwer geschlagen worden sein. Auch sein Vater, Giuseppe Noschese, erhebt schwere Vorwürfe: „Die Polizei kam, wurde mir gesagt, und schickte alle hinaus. Sie blieb mit meinem Sohn allein zurück, der an Händen und Füßen gefesselt war.“

Weiter erklärte er: „Er scheint besonders schwer geschlagen worden zu sein.“ Der Vater, selbst Arzt, spricht offen über seine Zweifel an der offiziellen Version. Im Interview mit Tg1 sagte er: „Meine Familie und ich suchen weder Rache noch die Schuldigen, wir suchen Gerechtigkeit.“

Er reiste noch am 19. Juli abends nach Ibiza, nachdem Freunde ihn telefonisch vom Tod seines Sohnes unterrichtet hatten. Dort hörte er, dass es einen Aufruhr bei einem privaten Treffen mit Freunden gegeben habe, bei dem Musik gemacht, gegessen und getrunken wurde.

Die Polizei habe dann eingegriffen und Noschese gefesselt und offenbar massiv geschlagen. Die Guardia Civil äußerte sich bislang nur spärlich. Giuseppe Noschese kritisierte das Schweigen: „Kein Wort von den spanischen Medien über Micheles Fall“, sagte er der Corriere della Sera.

„Ich will die Wahrheit darüber, was passiert ist. Die Guardia Civil hat mich erst auf Druck der spanischen Regierung kontaktiert.“ Der Körper seines Sohnes wurde direkt in die Leichenhalle gebracht, ohne zuvor ins Krankenhaus transportiert worden zu sein.

Eine Autopsie wurde bereits am Morgen nach dem Vorfall durchgeführt. Laut dem Vater jedoch „ziemlich hastig“. Ein eigener Gutachter der Familie sei am darauffolgenden Tag eingetroffen, um zusätzliche diagnostische Informationen einzuholen. Ziel sei es, zu klären, warum ein gesunder junger Mann so plötzlich starb.

„Wir hoffen auf ein Ergebnis, das meinem Sohn Gerechtigkeit widerfahren lässt“, sagte Giuseppe Noschese. „Wir wollen lediglich verstehen, wie sich das Ereignis abgespielt hat und warum mein Sohn, der sich bester Gesundheit erfreute, so tragisch ums Leben kam. Wir bitten um eine plausible Erklärung.“

GODZI war in der europäischen Clubszene kein Unbekannter. Der DJ und Produzent aus Neapel spielte regelmäßig Sets in London, Lugano und anderen Städten. Stilistisch bewegte er sich zwischen House, Tech House und Minimal.

Auch im Studio war er aktiv: Seine EPs erschienen unter anderem auf CLU Recs, Cumani Records und Distance Music. Inzwischen hat der Vater offiziell Beschwerde eingelegt. Er fordert eine unabhängige Untersuchung.

Das italienische Außenministerium und das Konsulat in Barcelona unterstützen die Familie bei den laufenden Ermittlungen. Der Generalkonsul soll sich persönlich auf Ibiza ein Bild von der Lage machen.

Die Todesumstände von Michele Noschese werfen viele Fragen auf. Noch ist unklar, ob tatsächlich übermäßige Polizeigewalt zum Tod geführt hat oder medizinische Gründe ausschlaggebend waren.

Quelle: Resident Advisor

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