Mit Motor verbindet man seit Jahren bratzigen Sound, der direkt auf die Tanzflächen zielt und große Rave-Versprechen einzuhalten weiß. Auf passenden Labels wie Novamute, Dim Mak oder Shitkatapult erschienen EPs und Alben. In der Modewelt, wie auch bei Film, Fernsehen und Videospielen wird ebenfalls regelmäßig auf Motor-Tracks zurückgegriffen. Auch live überzeugt der Act. Die Bezeichnung „explosiv“ kommt dem Geschehen auf der Bühne ziemlich nahe.

Zu den Fans des Projekts von Bryan Barton und Olivier Grasset zählen längst auch die ganz großen Stars wie Depeche Mode, Nitzer Ebb und Gary Numan, die das Duo schon als Vorgruppe verpflichteten. Man konnte also schon ahnen, dass es auch im Studio zur fruchtbaren Zusammenarbeit kommen würde. Dennoch verblüfft einen das brandneue Motor Album, geht es doch etwas weg vom motortypischen Sound und öffnet sich Songstrukturen und Gesang. Eine neue Heimat bietet das von Chris Liebing neu gegründete Label CLRX. Der Titeltrack von „Man Made Machine“ wurde Ende März als erste Single ausgekoppelt und hat Martin L. Gore höchstpersönlich an den Vocals. Dieser spielte für das Gesamtwerk auch eine besondere Schlüsselrolle. „Es war der Sommer 2009 und wir waren als Hauptsupportact bei Depeche Modes `Tour of the Universe‘ dabei. Am dritten Tag fühlte sich Dave Gahan krank und sagte eine Handvoll Dates ab. Wir hatten also plötzlich nichts zu tun und flogen nach Berlin zum Musikmachen. Das Album war nicht als Vocalalbum geplant, aber als wir während der weiteren Tour dann Martin `Man Made Machine‘ gegeben hatten, dachten wir darüber nach, noch mehr mit Vocals zu machen und so kam eins zum anderen.“, erzählt Bryan. Auswirkungen auf die Produktionsweise hatte der neue Einschlag allerdings nicht. „Wir schufen die Musik immer noch mit denselben Instrumenten und Sequenzern. Der einzige Unterschied war, dass wir nun mit mehr Stimmen arbeiten mussten. Auf früheren Alben verwendeten wir ja auch schon welche auf der Hälfte der Songs. Die Produktion dieser Platte war aber größer und komplexer. Das bedeutete eine neue Herausforderung für uns.“ Bei Persönlichkeiten wie Gary Numan, Billy Ray Martin, Douglas McCarthy, Reni Lane und eben Herrn Gore kann man sich das durchaus vorstellen.

„Eigentlich haben die Gäste auf dem Album uns ausgesucht. Wir trafen in Manchester auf den Manager von Gary Numan, als wir dort spielten. Es war seine Idee, Gary für unser nächstes Album zu gewinnen. Wir stimmten natürlich sofort zu. Die Zusammenarbeit mit Martin passierte klarerweise durch die gemeinsame Tour. Nachdem wir einige Tracks mit Sängern gemacht hatten, suchten wir für das neue Album dann auch eine Sängerin, um dem Werk mehr Dynamik zu geben. Billie Ray Martin war unsere erste Wahl, denn uns hat vor ein paar Jahren ihr Gesang auf einem DJ Hell Track sehr beeindruckt und wir hatten immer schon vor, mit ihr zu arbeiten. Reni Lane wurde uns von Arjan Writes vorgeschlagen, einem bekannten Musikblogger. Ich traf ihn in New York und er nahm mich mit zu einem Konzert von ihr. Sie hat eine sehr eigene Stimme, die viel seidiger und sanfter ist, verglichen mit der kraftvollen, souligen Stimme von Billie Ray Martin.“ Bei einem Album wie „Man Made Machine“, das sich doch ziemlich von den Vorgängern abhebt, besteht natürlich die Gefahr, mit einem Richtungswechsel zu verschrecken. „Wir hatten anfangs tatschlich Angst, unsere Fanbase zu verlieren, aber die Reaktionen auf erste Demos waren großartig und wir entschieden uns dafür weiterzumachen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir drei cluborientierte Alben veröffentlicht. Und mit Martin L. Gore als Gast auf den Demos dachten wir einfach, wir sollten es durchziehen. So haben vielleicht auch die anderen 99 Prozent auf der Welt eine Chance, unsere Musik zu hören.“

Motor – „Man Made Machine“ ist auf CLRX erschienen

www.wearemotor.com
www.clr.net