
Seit Jahren genießt das Docklands Festival in Münster eine hohe Wertschätzung bei Euch. Aus diesem Grund haben wir mit dem Organisator des Docklands Festivals Thomas Pieper ein Interview geführt. Da wir schon einmal dabei waren, haben wir ihn auch noch hinsichtlich seiner anderen Aktivitäten im Münsteraner Nightlife befragt.
- Rückblickend auf 2025: Was waren für Dich Höhepunkte des Docklands Festivals, der Dockland-Saison und des Fusion-Programms?
Solche Fragen sind ganz schwierig zu beantworten, weil Höhepunkte für mich persönlich fast ausschließlich mit den Performances der jeweiligen Künstler*innen zu tun haben und weniger mit den wirtschaftlichen Erfolgen unserer Veranstaltungen. Da wir wiederum fast ausschließlich Künstler*innen buchen, die wir musikalisch sehr schätzen, könnte ich jetzt locker 20 Darbietungen nennen. Ich versuche es aber euch zu liebe gerne einzudampfen:
Beim Docklands Festival habe ich mich natürlich sehr über Solomun gefreut, der schon viel zu lange nicht mehr bei uns war und eine Hammer Performance abgeliefert hat. Auch das b2b von ÂME live und DJ Holographic war herausragend.
Am Dockland gab es wahnsinnig emotionale Momente, wie z.B. die erste Comeback Show von Monika Kruse. Dann Marlon Hoffstadt, der in Sachen Stimmung und Vibe einen Abriss geliefert hat, den ich so noch nicht erlebt habe. Last but not least die Rückkehr von Bad Boy Bill, den ich über ein Jahrzehnt nicht mehr gesehen hatte und der nicht nur ein alter Weggefährte von mir ist, sondern auch einer dieser Freunde, die man aus den Augen verliert, nach Jahren wieder trifft und wo es nach einer Sekunde wieder klick macht. Als Bill dann das Pult übernommen hat und sein Intro startete, konnte ich tatsächlich meine Tränen nicht zurückhalten.
Im Fusion Club bleiben vor allem das großartige Set zu unserem 30jährigen Firmenjubiläum im April von ÂME DJ und eine unfassbare Performance von BEN KLOCK am 2.10., anlässlich unseres KAMPLAND Clubfestivals, hängen.
- Solomun spielte in diesem Jahr das Closing auf der Mainstage. Wie wichtig war der Auftritt von Solomun für die internationale Strahlkraft des Festivals und wie war die Resonanz auf das Docklands 2025?
Das kann ich nicht genau bemessen, aber allein die Tatsache, dass Freund*innen aus ganz Europa vorbeigekommen sind, zeigt Mladens herausragendes Standing in der elektronischen Musikszene. Für mich ist er einer der bedeutendsten Künstler*innen der letzten 20 Jahre und natürlich weckt so ein Headliner auch internationales Interesse am Festival.
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- Die Saison des neu gestalteten Dockland war sehr erfolgreich. Welche Herausforderungen mussten bei der Neugestaltung bewältigt werden und wie lautet das Fazit für 2025? Welche Priorität besitzt das Dockland im Zusammenspiel mit Docklands Festival und Fusion?
Im Prinzip haben wir unsere gesamte Dockland Open Air Venue überdacht und das war sowohl planungstechnisch als auch baurechtlich eine immense Challenge. Hier auf einzelne Hürden einzugehen, würde aber sicherlich zu weit führen und 10 Seiten füllen. Nur gut, dass wir es am Ende in Time geschafft haben und dass die Leute die Venue mit so viel Begeisterung angenommen haben. Das Dockland ist nicht nur die Homebase für unsere Eventserien Kanello als auch Desire (für Münster in Kooperation mit Paco), sondern wird im Grunde den ganzen Sommer im Wochentakt bespielt. Es hat somit neben dem Docklands Festival und dem Fusion Club eine herausragende Bedeutung für uns. Zumal die Venue nicht nur die zweitgrößte Bühne beim Festival abbildet, sondern mit der Day & Night Bespielung in Kombination mit dem Fusion Club dafür sorgt, dass wir im Selbigen kein Sommerloch mehr haben.
- Das Docklands Festival wirbt mit d&b als auch L-Acoustics Audio Soundsetup, einer ziemlich beeindruckenden Video/Licht Performance und der Nähe zu den Acts. Wie wird diese Intimität trotz ca. 15.000 Gästen gewährleistet und welche Rolle spielt die Soundqualität bei der Konzeption der vier Open-Air-Bühnen?
Die Soundqualität hat für uns eine enorme Bedeutung, weil wir unseren Gästen nicht nur herausragende Acts präsentieren wollen, sondern auch gewährleisten müssen, dass einem nach 8 Stunden nicht sinnlos die Ohren fiepen und man sich guten Gewissens auf dem Dancefloor verlieren kann. Die Soundqualität beeinflusst das Unterbewusstsein so massiv, dass das über das gesamte Festivalerlebnis entscheiden kann. Die Nähe zu den Acts stellen wir mit tiefen Bühnen, verschiedenen Ebenen auf den Dancefloors, sinnvollen Einhausungen z.B. durch Container und Bereichen hinter den Artists sicher, so dass nicht nur vor den Acts, sondern auch hinter ihnen die Post abgeht. Für 2026 werden wir das Konzept im Übrigen weiter verfeinern und das Floorerlebnis nochmal intensivieren.
- Das Festival geht nahtlos in den Fusion und die angrenzenden Clubs am Hawerkamp über. Wie essenziell ist dieser Tag-Nacht-Übergang für das gesamte Docklands-Erlebnis, und welche logistischen Herausforderungen bringt er mit sich?
Die Bedeutung der Nachtshows hat in den letzten Jahren etwas abgenommen, da wir bewusst den Schwerpunkt auf den Tag legen. Durch die mittlerweile erreichte Größe lassen sich schlichtweg auch nicht mehr alle Gäste in den Clubs unterbringen, so dass wir beim Clubprogramm eher auf frische Talente und local Artists setzen. Das nimmt etwas Druck raus, bietet eine tolle Plattform für aufstrebende Künstler*innen und läuft eigentlich ziemlich smooth ab.
- Der Fusion Club ist als Ganzjahres-Hotspot in Münster für seine Vielfalt bekannt und zählt seit 1997 zu den beliebtesten Clubs in Deutschlands. Die Club-Szene in Deutschland hat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie schafft ihr es jedes Jahr aufs Neue, relevant zu bleiben und neue Strömungen aufzugreifen, ohne jeden ‚‘Trend‘ aufzugreifen?
Da hilft unsere Fusion DNA, die immer noch die Gleiche wie 1997 ist. Wir haben den Club damals so genannt, weil er eine Fusion aus verschiedensten Arten elektronischer Musik und den besten Veranstalter*innen abbilden sollte. An diesem Konzept halten wir bis heute stringent fest, weil es nicht nur eine tolle Plattform schafft, sondern eben auch immer wieder neue Strömungen zulässt und programmatisch nie langweilig wird. Alle Veranstalter*innen haben ja ihre eigenen Crowds und musikalischen Vorlieben und uns gibt es den Freiraum, den wir benötigen, um uns auf unsere eigenen Formate konzentrieren zu können. So verspüren wir nicht den Druck, jede Woche liefern zu müssen und bleiben spannend.

- In 2027 wird der Fusion Club 30 Jahre alt. Inwiefern arbeitet ihr jetzt schon am Jubiläum?
Bei der Fülle an hochkarätigen Events, die wir für 2026 in der Pipeline haben, verschwenden wir daran noch keinen Gedanken. Frühestens im September 2026 setzen wir uns an das Fusion Jubiläumsjahr.
- Das Dockland Team muss mit vielen verschiedenen Gegebenheiten und Anforderungsprofilen umgehen. Wie teilen sich die Verantwortlichkeiten zwischen den täglichen Club-Betrieben und der jährlichen Festival-Großveranstaltung auf?
Tatsächlich haben wir ein fantastisches und super strukturiertes Team, für das ich sehr dankbar bin. Im Back Office, wo alle strategischen und kreativen Entscheidungen getroffen werden, sind neben dem Team, dass alle Events plant und umsetzt unsere eigene Social Media/Marketing/PR Abteilung, eine hauseigene Grafikdesignerin, die gesamte Buchhaltung nebst HR Management und Controlling als auch eine Abteilung für Corporate und Privatevents untergebracht. Die einzelnen Bereiche sind klar unterteilt, so dass jede/jeder weiß was zu tun ist. Insgesamt sind wir im Office 11 Leute.
In den Clubs wiederum haben wir ganz hervorragende Betriebsleiter*innen, die die Fäden nachts in der Hand halten. Für das Festival helfen dann tatsächlich fast alle mit. Dazu arbeiten in der Peak Season nicht selten über 200 Teilzeitkräfte für uns, die mit ihrem Einsatz zum Gelingen unserer zahlreichen Events beitragen.
- Am 06. Juni 2026 lädt das Docklands wieder nach Münster ein. Was könnt ihr schon verraten?
Tatsächlich steht das Line Up zu 95%, aber wir haben uns dazu entschlossen, erst im neuen Jahr mit den Artists rauszugehen. Es wird auf jeden Fall spektakulär und wir waren noch nie so früh so weit. Was tatsächlich mal ein ganz schönes Gefühl ist. Dazu gibt es erneut zwei neue Bühnendesigns auf der Main- und Railstage als auch eine komplett neue Open Air Bühne.

- Wie und wann startet die Kanello x Dockland Saison und welche Neuerungen gibt es im Vergleich zu diesem Jahr?
Die KANELLO Season startet am 9.5.26 mit zwei meiner absoluten Lieblings Artist. Da wir die Venue gerade erst in diesem Jahr neu gebaut haben, wird es für 2026 viel Feinschliff und Details geben. Dazu wird das Programm für 2026 musikalisch deutlich breiter aufgestellt. So gibt es erstmalig auch ein Hardtechno Event am Dockland.
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- Wie endet das Jahr im Fusion Club 2025? Warum ist für viele der Xmas Bam das Highlight des Jahres?
Das Jahr endet traditionell mit der DANKE Abfahrt am 31.12. wo wir das Zepter komplett allen local Artists übergeben, die uns und die ganzen Headliner*innen so häufig mit ihren Support Sets unterstützt haben und an Silvester verdienter maßen die Primetime bekommen. Ja und Max kenne ich tatsächlich seit ich 16 bin und mich das erste Mal ins Odeon geschlichen habe. Damals ein herausragender Live Club in Münster. Die X-Mas Bam bestreiten wir jetzt schon 31 Jahre und das Event ist nicht nur für uns persönlich, sondern auch für viele Raver*innen aus ganz NRW vermutlich genauso wichtig wie der Heiligabend mit der Family😉.
Was gibt es auch Schöneres als nach dem familiären, romantischen Stelldichein unterm Weihnachtsbaum, im Fusion so richtig durchzudrehen.
