Musikmesse 2015 © Jochen Günther / Messe Frankfurt
Es gab eine Zeit, da mussten wir den Messe-Nachbericht über zwei FAZE-Ausgaben strecken, um die Vielzahl an Neuerungen rekapitulieren zu können. In diesem Jahr haben wir schon Probleme, nur drei Seiten einer Ausgabe zu füllen. Und als „First Reveal“ kann man dabei eigentlich nur Pioneers Topaiz SP-16 bezeichnen. Vielleicht macht das am besten deutlich, wie sehr die Frankfurter Musikmesse an Boden verloren hat. Selbst weltbekannte Marken – übrigens nicht nur der Bereiche DJ und elektronische Musikproduktion – bleiben der Traditionsveranstaltung in weiter wachsender Zahl fern. Sie konzentrieren sich auf die NAMM in L.A., setzen auf Direktmarketing oder geben neuen Spezialmessen wie der Superbooth in Berlin eine Chance. So ist alle Welt gespannt, wie, ja ob es überhaupt in FFM weitergeht. Das neue Konzept der thematischen Inselbildungen war sicher gut gemeint, versetzte die Aussteller und Besucher aber offenbar nicht in jene Euphorie, die nötig wäre, um das Ruder herumzureißen. Was bleibt, ist die inständige Hoffnung, dass die Seitenzahl für unseren Nachbericht im kommenden Jahr nicht noch weiter schrumpft.


Artuira Matrix Brute
Arturia
Arturia auf dem Weg zur Hardware-Monster AG. Die Möglichkeit, den MatrixBrute unter die Fittiche nehmen zu können, dürfte für nicht wenige Besucher ein Hauptantrieb gewesen sein, die Musikmesse zu betreten. Sie sollten nicht enttäuscht werden. Der gigantische Monofonist im anwinkelbaren Moog-Design generiert seinen analogen Brachialklang auf Basis von drei Oszillatoren, drei Suboszillatoren und gleich zwei Filtervarianten. Zum einen steht ein Steiner-Parker Multimode-Filter mit 12 und 24 dB Flankensteilheit plus Verzerrer bereit. Zum anderen kann ein moogiger 3-Mode-Ladder-Filter geschaltet werden. Ergänzt wird der Feature-Reigen um eine analoge Effektsektion mit Delay, Chorus und Flanger sowie einen flexiblen 64-Stepsequencer. Ebenfalls herausragend ist die namengebende Matrixsektion, wobei der MatrixBrute über 5-Pol- oder USB-MIDI mit seiner Produktionsumgebung kommunizieren kann. Dank 12 CV-Ein- und Ausgängen lässt sich der Einstimmer zudem in ein Modularsystem integrieren.

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Boss/Roland

Die Roland angeschlossene Marke Boss präsentierte ihre DJ-Loop-Station RC-202. Als Ableger der RC-505 bringt diese zwar nur zwei Spuren, gleichzeitig aber auch einige Verbesserungen im Vergleich zur großen Schwester mit. So lassen sich die Loops bei laufendem Betrieb speichern, ebenso wurden die MIDI-Funktionen deutlich erweitert, um eine freihändige Steuerung zu ermöglichen. Ein USB-Port erlaubt ferner den Im- und Export von Phrasen und die Verbindung mit einer DAW. Würzen lassen sich die Klänge mit jeweils vier gleichzeitig einsetzbaren Input- und Track-Effekten. Der interne Speicher ist mit 17 Rhythmus-Patterns vorbelegt, die eigenen Ergüsse lassen sich in insgesamt 64 Speicherplätzen inklusive aller Effekt- und sonstigen Einstellungen festhalten.
Roland selbst trumpfte mit seinem System 500 als neuem Vertreter der AIRA-Reihe auf. Der vollständig analog aufgebaute Modular-Synthesizer magnetisierte bereits auf der Berliner Superbooth die Massen und kommt in einem stabilen Metallchassis inklusive standesgemäßer Holzohren daher. Je nach Bedarf kann die Kiste flach oder gewinkelt aufgestellt werden und mit einem zweiten System 500 zu einem großen Modularsystem verschraubt werden. In der Basisversion bringt das System folgende spannungsgesteuerte Elemente mit:
• Modul 512 mit zwei Oszillatoren in den Wellenformen Sägezahn, Sinus und Rechteck
• Modul 521mit zwei Filtern und wählbaren High-Pass-Filtern
• Modul 530 mit zwei spannungsgesteuerten Verstärkern und mehrfachen CV-Eingängen
• Modul 540 mit zwei ADSR-Hüllkurven sowie invertierbarem LFO mit fünf Wellenformen
• Modul 572 mit dem klassischen Phase-Shifter, Delay, Gate-Delay und invertierbarem LFO
• mehrere CV-Anschlüsse für die Verbindung mit anderen Modulargeräten

Oberheim_ob-6_1a
Dave Smith
/Oberheim OB-6
Von der Superbooth in Berlin direkt nach Frankfurt gejettet war Entwicklerlegende Dave Smith, um bei Pioneer den Toraiz SP-16 und am eigenen Stand den OB-6 zu präsentieren. Der durch eine Zusammenarbeit mit der zweiten Legende Tom Oberheim entstandene Synthie war zweifellos ein Highlight der Musikmesse. So kam man in den seltenen Genuss, zum Zeitpunkt des Erscheinens mit einem Instrument zu spielen, das sicher als Klassiker in die Geschichte eingehen wird. Astronomische Summen für einen gebrauchten Oberheim 4 Voice oder 8 Voice braucht man ebenfalls nicht mehr aufzubringen, denn der OB-6 basiert auf genau jener SEM-Architektur. So bringt der sechsfach polyphone Synthesizer unter anderem zwei VCOs und einen Suboszillator pro Stimme inklusive des klangprägenden Oberheim 2-Pol-Filters mit. Dieser lässt sich variabel zwischen Tiefpass, Notch und Hochpass überblenden. Zusätzlich an Bord genommen wurden ein polyphoner 64-Step-Sequencer und ein Multimode-Arpeggiator. Bis zum Amplifier ist der Signalpfad analog aufgebaut, hochwertig 24 bit/48 kHz digital erzeugt wird hingegen die duale Effekt-Sektion mit den Typen Reverb, Delay, Chorus, Phase-Shifter und Ring-Modulator. Auch anschlussseitig ist der OB-6 in der Gegenwart angekommen und lässt sich sowohl über MIDI-In/Out/Thru-Anschlüsse als auch via USB in ein Setup integrieren. Wir verneigen uns ehrfürchtig vor dem Entwicklergespann für die Geburt dieses Geschöpfes.

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Denon DJ

Sapperlot! Mit dem metallgefassten MCX-8000 meldet sich Denon DJ eindrucksvoll im Geschäft zurück. Der maximal ausgestattete Vierkanal-Controller für Serato DJ verfügt über zwei Player-Einheiten mit angewinkelten Grafikdisplays, um Informationen wie Wellenformen, bpm, Titelinfos, Loops und Cues großformatig darzustellen. Die Decks verwöhnen den User mit berührungsempfindlichen Jogwheels sowie anschlagdynamischen Performance-Pads für die Steuerung von Slices, Loops, Cues, Rolls und Samples. Der Vierkanalmixer überzeugt mit einem 24-bit-Audiointerface sowie zwei USB-Eingängen und lässt sich auch Software-unabhängig für das Auflegen mit Plattenspielern und CD-Units nutzen. An Bord sind ferner drei eingebaute Pre-/Postfader-Effekte, eine Mikrofonsektion sowie eine spezielle Stage-LinQ-Schnittstelle für VJs. Die Audioverwaltung erfolgt weiterhin über die hauseigene Software „Engine“. Sie ermöglicht neben der Track-Analyse den direkten Import von Serato-Crates und Hot-Cues, wobei bis zu zwei Terrabyte Musik von USB-Datenträgern abgespielt werden können. Welcome back, Denon DJ!

Denon_MCX8000a
Korg
Ein Besuch des Korg-Standes lohnt sich ja prinzipiell immer. In diesem Jahr aber ganz besonders, denn man konnte den Minilogue befummeln. Der voll analoge Desktop-Synthesizer bringt es auf vier Stimmen mit jeweils zwei Oszillatoren, 12/24-dB-Filtern, zwei Hüllkurven und einem LFO. Erweitern lässt sich die Klangvielfalt mittels Sync, Waveshaping, Ring- und Cross-Modulation sowie sieben zusätzlichen Voice-Modes: Duo, Unison, Mono, Chord, Delay, ARP und Side-Chain. Dabei ist der Minilogue vollständig programmierbar und MIDI-automatisierbar. Das gilt auch für den integrierten 16-Step-Sequencer, der imstande ist, bis zu vier Motion-Sequenzen mit aufzuzeichnen. Sogar ein analoges Delay mit Hochpass-Filter ist vorhanden. Eine bei Bedarf rabiate Techno-Maschine, fast wie früher. Nein, besser sogar …
Wer mag, der kann den Minilogue über den speziellen Sync-Out mit einem anderen Korg-Neuling synchronisieren: Dem volca fm. Die kleine, aber immerhin dreistimmige Box eröffnet die Möglichkeit, die sonst als schwierig geltende FM-Klangerzeugung über das Interface intuitiv zu erobern. Der Groove wird über den volca-typischen 16-Step-Sequenzer inklusive Automatisierung aller Parameter eingespielt. Neue Funktionen wie Warp-Active-Step und Pattern-Chain erleichtern die Gestaltung komplexer Rhythmus-Figuren. Auch dieser volca lässt sich mit Batterien betreiben, besitzt einen integrierten Lautsprecher und lässt sich, wie eingangs erwähnt, mit anderen Korg-Tools synchronisieren.

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Mixars
Als neuer Aussteller fand die junge Marke Mixars den Weg in die Messehallen. Das DJ-Brand des italienischen Pro-Audio-Spezialisten RCF/db Technologies rückte auch gleich mit einer breiten Palette an Produkten an.

So zum Beispiel mit dem speziell für Scratch-Maniacs konzipierten Turntable LTA: Dem Einsatzzweck entsprechend ist dieser mit einem geraden Tonarm ausgestattet, zieht einem das Vinyl mit 4,5 kg/cm unter den Fingern weg und ist in der Start/Stopp-Zeit einstellbar. Für den klassischen Clubeinsatz stellen die Italiener das gleiche Modell mit einem S-Tonarm unter der Bezeichnung STA bereit. Besonders interessant: Beide Varianten bringen duale Stereo-Cinch-Outs mit, um sie mit zwei Mixern verkoppeln zu können.

Bei den Mixern dürfte unter anderem der DUO von sich reden machen. Der Battler ist für das Zusammenspiel mit Serato-DJ/DVS-Einsatz prädestiniert, überzeugt mit einer 24-bit/96-kHz-Soundkarte und zwei USB-Ports, Inno-Fadern, acht Performance-Pads für Cues und Loops sowie einem analogen HP/LP-Filter pro Kanal. Weiterhin lassen sich der Crossfader und die Line-Fader im Blendverhalten einstellen, Effekte steuern und die Mixe über einen eigenen Record-Ausgang direkt ableiten. Ein XLR-, Klinke-Booth- und Master-Cinch-Ausgang runden die professionelle Ausstattung ab.

Ebenfalls erwähnenswert ist der MRX-4. Der hochwertige Clubmixer lockt mit vier Stereo-Kanälen samt Dreiband-Kill-EQs, einem zuweisbaren Leichtlauf-Crossfader, separat pegelbaren Masterausgängen im XLR- und Cinchformat sowie einer zehnstelligen LED-Anzeige. Eher ungewöhnlich für einen Clubmischer der moderaten Preisklasse sind die hoch qualitative Soundkarte und eine FX-Einheit, deren sieben Typen kombiniert auf die Kanalzüge oder seriell auf den Master gelegt werden können. Ein Dual-bpm-Counter erleichtert die Synchronisation, von den Filtertypen behauptet Mixars sogar, dass sie mit zu den besten zählen, die jemals für einen Clubmixer entwickelt wurden.

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Pioneer
Ein großes „Hallo“ war auch in diesem Jahr wieder bei Pioneer angesagt. Die neuen Höllenmaschinen DJM 900NXS2 und CDJ 2000NXS2 lassen wir hier einmal außen vor und verweisen dafür auf den ausführlichen Test, der nächste Woche online geht.
Konzentrieren wir uns stattdessen auf eine Neuheit, die im Bereich DJ gleichzeitig das Highlight der gesamten Messe markierte: den Toraiz SP-16. Dieser wurde zusammen mit Dave Smith entwickelt, wobei es sich die Synthesizer-Legende nicht nehmen ließ, das Instrument selbst vorzustellen. Der Toraiz SP-16 ist ein DJ-Sampler mit integriertem Sequenzer und ermöglicht über den Pro-DJ-Link taktgenaue Aufnahmen und Wiedergaben von Klängen und Phrasen. Dank des Touchscreens lässt sich das 16-stimmige Tool sehr flink und intuitiv bedienen. Smiths Beitrag ist übrigens ein analoges Filtermodul, das auf seinem Prophet-6 basiert. Der Toraiz SP-16 benötigt keinen Computer zum Betrieb, als klanglicher Bonus wurde neben den 2 GB Loopmaster-Samples auch ein Synthesizer integriert.
Neueinsteiger konnten am Pioneer-Stand zudem den XDJ-700 als bislang kleinsten Pioneer-Player aller Zeiten ausprobieren. Im Funktionsumfang zwar etwas abgespeckt, zeigt sich der XDJ-700 technisch jedoch voll auf der Höhe der Pioneer-Zeit – unter anderem mit einem 7-Zoll-Touch-Display für die Darstellung und Bearbeitung von Wellenformen, mit Parametereinstellungen und Track-Browsing. Als Funktionen bringt der Zwerg zahlreiche Cue- und Loop-Funktionen samt Quantisierung, Beat-Sync und Loop-Memory, Reverse und Relay-Play, Needle-Search und Needle-Drop sowie den beliebten SlipMode mit. Auch ist ein Pro-DJ-Link vorhanden, um bis zu vier Player über LAN verkoppeln zu können.

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Rane

Bei Rane stand natürlich der neue Rotary Mixer MP2014 im Zentrum des Geschehens. Der Zweikanal-Ableger des MP2015 lockt ebenfalls mit digitaler Signalverarbeitung und dualem USB-Audiointerface für den unabhängigen Anschluss von zwei Rechnern. Weiterhin bringt der MP2014 schaltbare Lowpass-, Low/Highpass- und Highpass-Filter, einen Dreiband-Master-EQ mit regelbaren Grenzfrequenzen sowie hervorragende Phono-Preamps mit. Als Anschlüsse sind unter anderem Phono/Line-Eingänge plus Aux für beide Kanäle, S/PDIFs und ein Send/Return-Weg für die Einbindung externer Effekte vorhanden. Schlecht in Worte fassen lassen sich der exorbitant gute Klang sowie das göttliche Gefühl beim Arbeiten mit den Rotary-Fadern. Einfach lecker!

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Reloop

20 Jahre Reloop – das wurde am Stand der Münsteraner natürlich ausgiebig gefeiert. Unter anderem mit der limitierten Goldversion ihres Dauerbrenner-TTs RP-7000. Der RP-7000GLD ist auf 1.000 Exemplare limitiert, zeigt sich in wichtigen Details wie Tonarm, Stroborand, Nadelbeleuchtung sowie in einigen Tasten vergoldet und besitzt zudem eine Gravurplatte mit Seriennummer. Im Lieferumfang enthalten sind eine Jubiläums-Slipmat, eine Tonarmbeleuchtung, eine goldene Headshell sowie eine Carbon-Plattenbürste. Die technischen Vorzüge des RP-7000 bleiben erhalten, darunter das einstellbare Startdrehmoment von 1,6–4,5 kg/cm sowie ein Phono- und Line-Ausgang.
Wer ein optisch und technisch abgestimmtes Concorde-System sucht, der sollte der eigens gefertigten Anniversary-Edition aus dem Hause Ortofon den Vorzug geben. Die ebenfalls limitierte und goldgefärbte Cartridge mit breiter Nadel und sphärischem Schliff schont das Wax und überzeugt durch ihren dynamischen Klang im Frequenzbereich von 20 Hz–18 kHz.

Foto Musikmesse 2015: © Jochen Günther / Messe Frankfurt