Musikmesse 2015 © Jochen Günther / Messe Frankfurt

Auch in diesem Jahr waren wir wieder bei der Frankfurter Musikmesse vor Ort, um die neusten Produkte der Bereiche DJ- und Musikproduktion zu inspizieren. Dass das abermals angepasste Konzept, unter anderem mit eigener DJ-Con-Area, überzeugend aufgegangen ist, kann man dabei nicht behaupten. Wirklich neue Tools gab es kaum zu entdecken und auch die Zahl der auf Dance Music versessenen Besucher ließ zeitweise sehr zu wünschen übrig. Das Gute daran: Wer auf einen langen Plausch mit einem Aussteller aus war oder irgendein Tool ausführlich testen wollte, hatte jederzeit die Gelegenheit dazu. Aber selbst wenn das neue Konzept restlos überzeugen würde, hätte die Musikmesse inzwischen das Problem, dass gar nicht mehr genügend DJ- und Production-Tool-Hersteller vor Ort wären, um es zum Leben zu erwecken. Nicht wenige Aussteller haben dem Standort Musikmesse ihr Vertrauen wohl auf nicht absehbare Zeit entzogen. Hier die spärliche Anzahl an Produkt-Highlights, von denen ein Teil schon lange vor Messestart bekannt war. Die Musikmesse 2018 findet übrigen vom 11. bis zum 14. April statt.


A wie Arturia-Keylab-Essential-Serie
Controller für jeden erdenklichen Einsatzzweck und Geldbeutel gab es auch auf der diesjährigen Musikmesse wieder in einer kaum mehr überschaubaren Zahl. Aufgrund ihres hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses stach die neue Keylab-Essential-Reihe des französischen Herstellers Arturia heraus. Als abgespeckte Varianten der großen Keylab-Serie verfügen die Studio-Controller über eine anschlagdynamische Klaviatur mit wahlweise 49 oder 61 Tasten. Hinzu kommen neun frei zuweisbare Fader und Drehregler, acht anschlagdynamische Pads mit Aftertouch sowie ein großer Master-Push-Encoder. Räder für Pitch-Bend und Modulation sowie Transportbuttons im Mackie/HUI-Protokoll sind ebenfalls vorhanden. Schließlich sorgt neben dem obligatorischen USB-Anschluss ein klassischer MIDI-Out-Port dafür, dass neben einer DAW auch ein Hardware-Instrument direkt angesprochen werden kann. Die UVP liegen bei 199 EUR (Keylab 49 Essential) und 249 EUR (Keylab 61 Essential), wobei eine riesige Sammlung an Sounds aus dem Arturia-Hard- und Software-Fundus im Lieferumfang enthalten ist.
www.arturia.com

Arturia-KeyLab-49-Essential5

O wie Omnitronic TRM-202 MK3
Diesen kleinen Rotary-Mixer der Steinigke-DJ-Marke Omnitronic hatte im Vorfeld kaum jemand auf dem Schirm. Dabei macht die dritte Auflage des Rotary-Mixers TRM-202 eine überaus gute Figur. Ausgestattet mit hochwertigem ALPS-Potentiometer und einem 3-Band-Frequenzisolator bietet der kleine Quader einen hervorragenden Einstieg ins professionelle Reglermix-Geschehen. Bereits optisch unterscheidet sich das neue Modell vom Vorgänger durch sein schlankeres Design und verändertes Layout. So verfügt nun jeder Kanal über einen rückseitigen Gain-Regler und die Rotarys der Bedienoberfläche wurden in streng horizontaler Geometrie angeordnet. Die umfassende Master-/Booth-Sektion ist inklusive zweier Level-Meter übersichtlich mittig abgesetzt. Kosten soll das ab dem Sommer erhältliche Gerät 535 EUR UVP. Erstmalig wird auch ein zugeschnittenes Transport-Case optional erhältlich sein.
www.steinigke.de/Omnitronic

P wie Pioneer Toraiz AS-1
Mit dem AS-1 als zweitem Mitglied der Toraiz-Reihe hatte Pioneer ein Messe-Highlight im Köcher. Der vollanaloge Monofon-Synthesizer basiert, wie das Filter des Toraiz-SP-16-Samplers, auf der diskreten Analogschaltung des Prophet-6-Synthesizers von Dave Smith. Er bringt unter anderem zwei VCO, zwei VCF, einen VCA, zwei EG und einen LFO mit. Die intuitiven Bedienelemente des Instruments bieten Parameter-Potis, einen Ribbon-Strip, eine touch-funktionale Tastatur inklusive Skalen-Modus sowie Schieberegler, um während der Performance Klänge zu verändern. Weiterhin sind sieben Digitaleffekte, ein Arpeggiator und der aus dem Prophet 6 bekannte Verzerrer für die weitere Klangbearbeitung vorhanden. Der AS-1 lässt sich zudem über MIDI an den SP-16-Live-Sampler anschließen und über dessen Sequenzer steuern. Ebenso kann er über den Pro-DJ-Link an den DJM-Mixer angeschlossen werden. Der Toraiz AS-1 verfügt über ein robustes Vollmetallgehäuse und ist für 549 EUR erhältlich.
www.pioneerdj.com

D wie Denon-Prime-Serie SC5000Prime_angle_8x10
2017 könnte sich endlich mal wieder zu einem Denon-DJ-Jahr entwickeln. Die technischen Voraussetzungen haben die Nippons mit der neuen Prime-Serie jedenfalls geschaffen. Das neue Aushängeschild bei den Abspielgeräten bildet der SC5000 Prime. Als erster DJ-Media-Player auf dem Markt analysiert er sowohl die Beatgrids als auch die Harmonik der gespielten Titel direkt in der Hardware. Zusätzlich ist der SC5000 Prime kompatibel mit der vollständig neu entwickelten Engine-Prime-Musikverwaltungs-Software. Diese ermöglicht das Organisieren, Kategorisieren und Importieren von Musik entweder direkt von iTunes, von Serato oder per Drag-and-drop von existierenden Ordnern. Ein besonders schnelles Finden der Titel auf dem Player ist dank der intelligenten Suchfunktion inklusive Touchscreen-Tastatur möglich. Über einen Netzwerkanschluss können bis zu vier Player miteinander verbunden werden. Ansonsten bringt der Player drei USB-Anschlüsse und einen SD-Kartenslot mit. Das 7 Zoll große Multitouch- und gestentaugliche Display erlaubt einen besonders schnellen Zugriff auf Suche, Filter und Musiksortierung. Zudem stellt es Songinformationen und hoch aufgelöste Wellenformen dar. Ein sprichwörtlicher Hingucker ist das 8-Zoll-Jogwheel mit Aluminiumoberfläche, das in seinem Zentrum virtuelle Platten-Cover darstellen kann. Der SC5000 Prime wird 2.141 EUR UVP kosten.

Als passenden Vierkanalmixer schickt Denon den Clubmixer X1800 Prime ins Rennen. Das Pult trumpft mit Dual-USB, Sweep und bpm-basierter Effektsteuerung sowie hoch qualitativer 24-bit/96-kHz-Audioqualität auf. Der X1800 Prime lässt sich über das neue Engine-Connect-Protokoll direkt

mit dem SC5000 verkoppeln. Im Engine-Modus werden Beatgrid- und Zeitinformationen mit dem Mixer geteilt, um perfekt synchronisierte Effekte zu gewährleisten. Eine Sweep-FX-Kontrolle bietet ferner Dub-, Echo-, Distortion-, Noise- und Reverb-Effekte für jeden Kanal. Kostenpunkt: ebenfalls 2.141 EUR UVP.
www.denondj.com

H wie Hartmann 20
Für die allermeisten Messebesucher wird die erste Berührung des dort ausgestellten Hartmann 20 auch die letzte gewesen sein. Denn um sich den streng limitierten, aus einem massiven Aluminiumblock gefrästen Supersynth leisten zu können, muss man 20.000 EUR plus Mehrwertsteuer investieren. Dafür erhält man das qualitative Nonplusultra unter den Klangwerkzeugen, in dessen Konstruktion Synthesizer-Ingenieur Axel Hartmann (u. a. Neuron) und sein Partner Stefan Leitl allein 2000 Arbeitsstunden investierten. Auf dem klappbaren Frontpanel sind hochwertige Voll-Aluminium-Regler und speziell für dieses Instrument gefertigte Acrylglas-Taster montiert. Für jede Funktion steht ein eigenes Bedienelement zur Verfügung, zudem reflektiert das große Bedienfeld den Signalweg und orientiert sich in der Auswahl der Parameter an klassischen Vorbildern. Die Sound-Engine wurde von Waldorf Music entwickelt und kombiniert die virtuell-analoge Synthese mit PPG-Wellensätzen. Entsprechend beherrscht der 20 die legendären Sounds etwa des Waldorf Wave. Als Neuerung verfügt der 20 über einen eigens von SPL entwickelten SUPRA-Op-Amp, der den Waldorfklängen einen noch dynamischeren und transparenten Klang verleiht. Zudem kann er mit eigenen Samples bestückt werden, sodass sich das klangliche Repertoire maßschneidern lässt. Der 20 ist in einer Auflage von jeweils nur 20 Stück in Schwarz oder Silber-eloxiert erhältlich. Dafür erhält der Nobelnutzer eine handgefertigte Sahneschnitte, auf deren Fertigstellung er bis zu 60 Tage warten muss.
www.20-music.de

M wie Mindflood Minijam Studio
Kaum sind die zwergenhaften Synthesizer-Elemente „Patchblocks“ erfolgreich angestoßen, gehen die deutschstämmigen Entwickler Sebastian Heinz und Sascha Götz von Mindflood auch schon ihr nächstes Projekt an. Minijam Studio heißt eine neue Reihe an Modulen, die finanziell derzeit abermals über eine Kickstarter-Kampagne gestemmt werden. Im ersten Schritt ist die Produktion dreier niedlicher Klangerzeuger geplant: Die ek.drum als Drummodul mit acht Sounds, einem Stepsequenzer und den vier Klangreglern Pitch, Decay, FX und Level. Dann der dreistimmige Wavetable-Synthesizer ek.wave mit vier Wavetable-Bänken, 16 einstellbaren Soundparametern und einem internen Sequenzer plus Arpeggiator. Und schließlich das externe Lowpass/Bandpass-Filtermodul ek.filter mit 12-dB-Flankensteilheit sowie den einstellbaren Parametern Cutoff und Resonance. Ergänzend kommen schließlich noch die separate Mixereinheit .hub und der Tischlautsprecher .boom hinzu. Das Minijam-Studio-Bundle lässt sich über 3,5-mm-Klinkekabel synchronisieren, mit Batterien betreiben und soll komplett 130 GBP kosten.
www.patchblocks.com

N wie Numark NS6 II
Wie bereits in unserer letzten Ausgabe erwähnt, wird Numark im Sommer den Nachfolger seines Controller-Flaggschiffs NS6 einführen. Auf der Musikmesse konnte man immerhin schon ein Vorabmodell beäugen. Der NS6 II tritt mit erweiterten Features wie dem dualen USB-Anschluss, zwei Displays sowie einer Vollversion von Serato DJ die würdige Nachfolge des inzwischen betagten NS6 an. Über die dualen USB-Ports können zwei Laptops mit Serato DJ an den NS6 II angeschlossen werden. Als besondere Eigenschaft verfügt das Tool, wie schon sein Vorgänger, über einen standalone nutzbaren Mixer mit Cinch-Phono/Line-Eingängen, um Plattenspieler oder Mediaplayer einbinden zu können. Auch als DVS-System lässt sich der NS6 II jetzt nutzen. Eine interne 24-bit-Schaltung sorgt für den kompromisslosen Sound. Die Numark-exklusive, kapazitive Touch-Technologie erlaubt zudem einzigartige Aktionen über die 6-Zoll-Jogwheels und Mixer-Reglerköpfe. Gummierte Performance-Pads geben dem Benutzer schnellen Zugriff auf Hot-Cues, Auto-Loop/Roll, manuelle Loops-Sampler und Slicer. Kosten soll der Numark NS6 II knapp 950 EUR. www.numark.com

S wie Steinberg HALion 6
Im Bereich Musiksoftware sah es mit Neuerungen auf der Musikmesse leider ziemlich mau aus. Immerhin hatte Steinberg/Yamaha den HALion 6 im Gepäck. Die neue Generation des Software-Samplers enthält eine innovative Wavetable-Engine, die mit zahllosen Oszillatoren, Hüllkurven und Tools ein neues Zeitalter der Wavetable-Synthese einläuten soll. Darüber hinaus ist mit dem neuen Sample-Recorder uneingeschränktes Live-Sampling möglich, ebenso können Sounds direkt in Steinberg HALion 6 aufgenommen, geschnitten, gemappt und sofort gespielt werden. Auch die Bedienoberfläche lässt sich dank des Template-basierten „Macro Page Designer“ per Drag-and-drop komplett individuell zusammenstellen. Ein innovativer 3-Band-Resonator ermöglicht weiterhin das Filtern von Formanten, um tonale Anpassungen für Vocals, Streicher und Bläser vorzunehmen. HALion 6 kostet als Vollversion für PC und Mac 369 EUR und die abgespeckte All-in-one-Workstation HALion Sonic gibt’s für 249 EUR.
www.steinberg.net

W wie Waldorf Quantum
Und dann ganz am Ende des Alphabets doch noch eine echte Musikmesse-Novität: Der Waldorf Quantum. Der achtstimmige Hybridsynthesizer soll pro Stimme drei digitale Oszillatoren mitbringen. Diese beherrschen jeweils vier Klangerzeugungsverfahren, darunter neben analogen Wellenformen und Wavetables auch einen „Particle“-Granularsynthese sowie eine „Resonator“-Filterbank. Das Verfahren lässt sich für jeden Oszillator individuell festlegen, wobei über einen Audio-Input sowie SD-Kartenslot eigene Klanghappen als Wavetable- und Granular-Basis eingesetzt werden können. Weitere Köstlichkeiten sind zwei analoge OTA-Filter, digitale Effekte und ein Waveshaper pro Stimme. Sechs Hüllkurven und sechs LFOs sowie ein vielseitiger Arpeggiator sorgen weiterhin für klangliche Bewegung. Ein hochauflösendes Touch-Display ermöglicht die halbwegs intuitive Bedienung der komplexen Klangerzeugung, unterstützt durch mehrfarbig beleuchtete Bedienelemente. Vor Ende dieses Jahres ist mit der Auslieferung des Quantum allerdings nicht zu rechnen.
www.waldorf-music.info

waldorf quantium3

Foto: © Jochen Günther/Messe Frankfurt