Nach Protesten: Kein Berliner Oktoberfest neben Techno-Club


Die Berliner Oktoberfest-Kopie „Spreewiesn“ wird nicht wie geplant auf das Gelände neben dem linken Techno-Club About Blank am Ostkreuz ziehen.

Der Veranstalter bestätigte gegenüber der taz, dass das Event nun doch am ursprünglichen Standort am Ostbahnhof bleibt. Hintergrund ist der deutliche Widerstand aus der Nachbarschaft im Friedrichshainer Laskerkiez (FAZEMag berichtete)

Insbesondere ein Offener Brief hatte für Aufmerksamkeit gesorgt: Unterzeichner wie das About Blank, das Stadtteilbüro Friedrichshain und das Bündnis „Wem gehört der Laskerkiez“ kündigten Proteste gegen die geplante Verlegung an.

In dem Schreiben war von einer „Oktoberfest-Sauf-Veranstaltung“ die Rede. Man befürchte, „besoffene Horden“ würden den Kiez zwei Monate lang „verschandeln“. Der Veranstalter begründete die ursprünglich geplante Verlegung mit äußeren Zwängen.

Auf dem Gelände am Ostbahnhof, wo die Veranstaltung bisher stattfand, soll demnächst ein Hochhaus entstehen. Deshalb habe er nach Alternativen gesucht – und sei im Laskerkiez fündig geworden. Dort aber stieß der Plan auf wenig Verständnis.

„Es ist ein gutes Zeichen, dass der Protest gewirkt hat“, so Christoph Casper vom Stadtteilbüro. Auch das About Blank äußerte sich erleichtert. Der Club bezeichnete die „Spreewiesn“ als Ausdruck einer „sexistisch-volkstümlichen Brauchtums- und Trachtenkultur“, wie sie vom Münchner Oktoberfest und dessen Ablegern bekannt sei.

Gerade ein Ort wie der Laskerkiez, in dem linke, queere und clubkulturelle Strukturen aktiv seien, könne mit so einem Event wenig anfangen. Der Veranstalter der „Spreewiesn“ zeigt sich enttäuscht von der Reaktion.

Im Gespräch mit der taz beklagt er eine fehlende Gesprächsbereitschaft seitens der Kritiker. „Die wollen aber scheinbar nicht reden, sondern nur anti sein“, sagt er. Er sehe sich sogar in einer ähnlichen Lage wie das About Blank, da auch er vom Bauprojekt am Ostbahnhof verdrängt werde.

Doch für Timo Steinke von der Initiative „Wem gehört der Laskerkiez“ ist der Konflikt eindeutig. „Es war einfach ein unüberbrückbarer Interessenkonflikt“, erklärt er. Man habe bewusst keinen Dialog gesucht, weil die Veranstaltung als solche nicht in den Kiez passe.

Die Debatte drehe sich nicht um den Veranstalter persönlich, sondern um die generelle Entwicklung im Stadtteil. Der zunehmende Druck auf alternative Kulturorte wie das About Blank steht exemplarisch für die Gentrifizierung in Berlin.

Der Laskerkiez gilt seit Jahren als besonders bedroht. Initiativen setzen sich dort gegen Kommerzialisierung und touristische Überformung ein. Der erfolgreiche Widerstand gegen die „Spreewiesn“ ist für viele ein Signal, dass lokaler Protest durchaus Wirkung zeigen kann.

Quelle: taz

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