Der aus Rostock stammende Pusch debütierte auf dem Langspieler-Parkett vor ziemlich genau vier Jahren. Seitdem ist beim DJ und Produzenten einiges passiert – und nun hat er mit „Different Worlds“ ein neues Album in petto, welches am 2. März auf Doppel-Vinyl, digital und auf sämtlichen bekannten Streaming-Plattformen erscheint. 16 Stücke, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie nahezu alle auf seinen Reisen durch die Weltgeschichte entstanden sind. Ein Interview.

Nico_Pusch

Glückwunsch zum neuen Album. Erzähl uns von deinen letzten vier Jahren!

Moin, Moin und vielen Dank erst mal! Ja, die letzten vier Jahre waren eine wilde Zeit. Ich war eigentlich permanent unterwegs, ob im Auto, Flugzeug oder Zug. Ich habe viele tolle Leute kennenlernen dürfen und habe eine Menge Wahnsinns-Clubs und Festivals bespielt. Aber immer, wenn es die Zeit erlaubte, habe ich die Ableton-Maschine angeschmissen und kleine Skizzen bis hin zu ganzen Arrangements reingehackt. Eigentlich sind die meisten meiner Album-Songs auf Reisen entstanden. Die Vorgehensweise ist eigentlich immer recht ähnlich – ich fange den Song auf meinem MacBook an und finalisiere ihn natürlich zu Hause im Studio. Dennoch habe ich das ein oder andere Mal nicht warten wollen und schon die erste Preview im Club getestet, was immer eine besondere Erfahrung ist.

Die Titel sind höchstwahrscheinlich von den Orten und Landschaften geprägt, die du auf deinen Reisen gesehen hast, oder?

Ja, eindeutig. Den Song „Floating“ habe ich zum Beispiel am Strand von San Francisco mit Blick auf die Golden Gate Bridge geschrieben. Viele Ideen kommen aber auch durch Inspirationen von anderen Interpreten. Ich höre auf Reisen wahnsinnig gern diverse Spotify-Playlisten, dort entdecke ich immer wieder Perlen, die mir die Reise versüßen und für die ein oder andere Inspiration sorgen. Außerdem kann ich unterwegs das Musikhören einfach genießen und mir die Zeit dafür nehmen.

Das Album ist sowohl in der deepen als auch in der Electronica-Ecke angesiedelt. Wie hat sich dein Sound entwickelt, wenn du ihn mit dem von 2014 vergleichst?

Der Sound ist definitiv reifer geworden; das liegt zum einen daran, dass ich selbst auch reifer geworden bin – ich bin mittlerweile stolzer Papa eines wunderbaren kleinen Mannes. Und zum anderen liegt das auch an den Erfahrungen, die ich über die Jahre sammeln konnte. Im Gegensatz zu meinem ersten Album ist der Sound auch treibender, was in erster Linie den Clubs zugutekommt. Ich würde sagen, mein erstes Album ist eher was zum Anhören und Genießen, während das zweite sich langsam von Deep House bis hin zu Tech-House bzw. Electronica steigert. Also ist für jeden Geschmack etwas dabei!

Wie hat sich deine Art und Weise, im Studio zu arbeiten, im Vergleich zum vorherigen Album verändert?

Da hat sich eine ganze Menge getan. Ich selbst habe keine musikalische oder technische Ausbildung in diesem Bereich. Deswegen habe ich mir Ende 2016 Hilfe gesucht. Musikalisch war das Album zwar fertig, aber ich wollte, dass es auch auf der technischen Ebene einfach durch und durch gut klingt. Mit Jens Maiwald habe ich dafür einfach den perfekten Mann gefunden. Er stand mir mit Rat und Tat zur Seite und korrigierte alle Fehler, die sich so in meinen Mix eingeschlichen haben, mit einer Seelenruhe. Außerdem hat er das Album gemastert. Ein Satz von ihm, der sich sehr eingeprägt hat, war folgender: „Nico, konzentrier dich einfach aufs Musizieren und mach dir nicht so viel Stress – für den ganzen technischen Kram bin ich doch da.“ Mittlerweile ist Jens nicht nur ein Arbeitskollege, sondern auch ein guter Freund geworden.

Du hast auf dem Album drei Kollaborationen – wie sind sie entstanden und warum hast du genau diese Künstler ausgesucht?

Warum genau diese, kann ich gar nicht wirklich beantworten, aber ich kann erklären, wie es dazu kam. Den Phable bzw. Adrian Lehmann kenne ich schon viele Jahre; ich habe mit ihm schon einige Male zusammen produziert, da war es nur mehr als normal, auch für mein neues Album mit ihm zu kollaborieren. Kindred Spirits habe ich durch einen Freund in Landshut kennengelernt. Ich mochte den Basti von Anfang an und war mehr als begeistert von seinen Producer-Skills. Irgendwann habe ich ihm dann einfach einen meiner Tracks geschickt und ihn gefragt, ob er Lust habe, ihn mit mir zusammen zu vollenden. Lange Rede, kurzer Sinn: „Rise Up“ ist eine Bombe geworden. Tja, und zu Tom Pusch muss ich wohl nicht viel erzählen – er ist mein Bruder und begleitet mich, so oft es geht. Eines Tages saßen wir am Flughafen und da ist der Song „Flight Mode“ entstanden.

Was steht für den Frühling auf dem Plan?

Die ersten Wochen dieses Jahres waren eher ruhig. Ich hatte endlich mal wieder genug Zeit fürs Studio und für neue Projekte. Das tat nach den letzten Monaten einfach mal wieder gut. Außerdem hatte ich auch mehr Zeit für meine Familie, die mich in den letzten Jahren auch nicht so oft gesehen hat, wie ich es gerne gewollt hätte. Also, im Prinzip waren die ersten Wochen perfekt. Für die nächsten Wochen steht das Thema „Label“ wieder an. Mit diesem Thema habe ich mich lange beschäftigt, denn es war schon eine schwere Geburt, mein Album an den Mann zu bringen. Erst als ich den Torsten Katzschner kennengelernt habe, hat sich ein wirkliches Release ergeben. Ich muss dazu sagen, dass mein Sound auch nicht wirklich klar zu kategorisieren ist, was die Suche natürlich erschwerte. Aber nun habe ich mit Pearls for Pigs ein super Label gefunden, das in der Backround-Ebene sehr viel zu bieten hat – eigentlich genau das, was ich wollte. Außerdem konnten wir ein Vinyl-Release realisieren; das ist in der heutigen Zeit einfach was Tolles, denn wer hält nicht gern seine eigene Musik in den Händen?

Aus dem FAZEmag 073/03.218 
Text: Triple P

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